Planvoll und durchdacht?

Pflegeeltern sind Partei. Sie vertreten die Interessen ihrer Pflegekinder. Deshalb sehen sie alle Schwierigkeiten, die ihre Kinder haben, immer aus deren Blickwinkel. Aber ist es erst einmal zur Trennung gekommen, eröffnet sich ihnen auch eine andere Perspektive.

In dieser Situation befinden wir uns gerade. Immer wieder fragen wir uns, wie es zu diesem Showdown hat kommen können, welche Entwicklungen dazu geführt haben. Bei der Rückschau fällt uns eines immer wieder auf: Die Folgerichtigkeit der Ereignisse. Jeannett hat uns bewusst in Situationen hinein laufen lassen. Sie hat genau geplant, uns in ihre „Versöhnungs- und Abschiedsfeier“, wie sie es selbst genannt hat, hineinplatzen zu lassen. Sie hat bewusst die Plätzchen gebacken, die sie bewusst wieder zerstört hat. Sie hat bewusst geplant, dass jemand in unserem Ehebett Sex hatte. Sie hat geplant, dass wir sie verstoßen, damit sie sagen konnte, wir hätten sie aus unserem Haus geworfen, als Rechtfertigung für sie, dass sie keine andere Wahl hatte, als zu gehen. Dabei kommen uns die Gedanken, dass sie alles, was letztes Jahr passiert ist, inszeniert hat, damit wir sie frei geben. Wer weiß, vielleicht hat sie auch den Weggang von Susann geplant, damit sie uns ganz für sich hat. Die viele Äußerungen, Susann gehöre nicht mehr zu unserer Familie, deuten darauf hin.

Wir müssen uns mit dem Gedanken befreunden, dass Jeannetts gesamte Zeit, die sie bei uns zugebracht hat, eine einzige Inszenierung darstellte, dass alle ihre Beziehungen zu anderen Menschen durchgängig auf Inszenierungen von Situationen beruhen. Wir können ihr dieses Verhalten auch nicht zum Vorwurf machen. So hat sie in frühester Kindheit gelernt, mit Problemen umzugehen und sie hält es für die Realität. Es ist ihr in ihr Gehirn eingebrannt. Nun sind wir ihr zum Opfer gefallen. Nicht bewusst, aber die Ausweglosigkeit ihrer Situation im Loyalitätskonflikt zwischen ihrem leiblichen Vater und uns, den wir nie wollten und gegen den wir uns auch immer gewährt haben, ließ ihr keine andere Wahl.

Diese Erkenntnis ist bitter, aber wir können uns ihrer nicht erwehren. Sie bringt uns in die Situation, selbst Opfer der Situation zu sein, aber zugleich die Entwicklung zu durchschauen.

Letztlich müssen wir damit rechnen, dass Jeannett nicht damit aufhören wird, Situationen fernab der Realität zu inszenieren und uns so als Beteiligte in ihrer Lage zu behalten. Was da auf uns zu kommt, wissen wir nicht.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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2 Antworten zu Planvoll und durchdacht?

  1. Franziska B. schreibt:

    Hallo, der Showdown hat mich ganz schön schlucken lassen. Für sich betrachtet hat Jeanett nichts ungewöhnliches getan für eine 15 Jährige. Erst im Zusammenhang und der Masse der auffälligen Situationen wird die abschließende Party zum Tropfen der das Faß zum überlaufen bringt. Ja ich kann eure Entscheidung verstehen.
    Und trotzdem tut es mir leid wie es zuende gegangen ist. Vieleicht gibt es ja die Möglichkeit den Kontakt zu beiden Mädchen zu behalten, denn letztlich waren sie viele Jahre eure „Töchter“
    Herzliche Grüße

    Franzi

    • Sir Ralph schreibt:

      Natürlich haben wir noch Kontakt zu all unseren Pflegekindern, und wenns knifflig wir, wenden sie sich an uns. Aus heutiger Sicht ist alles auch vielleicht etwas anders, aber die abschiede haben uns schon hart getroffen.

      Danke für dein Verständnis, Franzi, und alles Gute!

      Sir Ralph

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