Trainingsraummethode

Was ist die Trainingsraummethode?

Die Trainingsraummethode basiert darauf, dass sich Schüler und Lehrer in einer Gemeinschaft befinden. Diese Gemeinschaft braucht Regeln, nach denen sie funktioniert, also z.B. „Es spricht nur immer einer“ oder „Wir gehen immer respektvoll und gewaltlos miteinander um“. Wer die Regeln missachtet, bekommt vier Fragen gestellt:

Schlüsselfragen bei Störungen im Unterricht:

  • „Was machst du?“
  • „Wie lautet die Regel, gegen die du verstoßen hast?“
  • „Wie entscheidest du dich?“
  • „Du weißt, bei der nächsten Störung gehst du in den Trainingsraum.“

Erfolgt im Unterricht eine weitere Störung durch denselben Schüler, verlässt er den Unterricht und geht in den Trainingsraum, der von der Schule für störende Schüler bereit gehalten wird. Dort befindet sich ein speziell eingerichteter Raum, in dem der Schüler von einem Lehrer in Empfang genommen wird. Dann wird die Situation besprochen und ein detaillierter Rückkehrplan ausgearbeitet, dem der Fachlehrer auch zustimmen muss. Verweigert sich der Schüler, werden die Eltern mit eingebunden, bis hin zur begrenzten Suspendierung des Schülers. Ziel ist immer die Reintegration des Schülers in den Unterricht. Eine detailliertere Darstellung findet sich hier.

Voraussetzungen für die Trainingsraummethode

Eine Voraussetzung zur Einführung der Trainingsraummethode ist die Zustimmung der ganzen oder zumindest überwiegenden Lehrerschaft und der Schüler. Diese Schritte müssen für die Einführung stattfinden:

  • Interesse/Vorinformation
  • Fortbildung der Lehrerschaft
  • Entscheidung des Kollegiums
  • Entscheidung der Schulkonferenz (also der Konferenz, in der Lehrer, Schüler und Eltern vertreten sind)
  • Auswahl der TrainingsraumlehrerInnen
  • Schaffung organisatorischer Voraussetzungen
  • Schulung der Trainingsraumlehrerinnen und -lehrer
  • Elterninformation
  • Schülerinformation
  • Beginn mit den untersten Jahrgängen
  • Supervision intern oder extern der Trainingsraumlehrer/innen
  • Allmähliche Fortführung mit der gesamten Schülerschaft
  • Evaluation

Manchen Lehrern, Kollegien und/oder Schulleitungen ist dieses Verfahren zu kompliziert. Es wird kritisch angeführt, dass ein gesonderter Raum bereit gehalten werden muss und die Bereitstellung von Lehrern aus dem Lehrereinsatzplan organisiert werden muss. Auch eventueller finanzieller Aufwand wird kritisch gesehen. Dennoch gibt es Schulen wie die Südstadtschule Hannover, die erfolgreich mit dieser Methode arbeiten.

Vorteile der Trainingsraummethode

  • Aufstellen und Akzeptieren von Regeln für den Unterricht
  • Keine zeitraubenden Debatten mehr
  • Klare Verhaltensvorgaben
  • Vermeidung von Unterrichtsstörungen und Herstellung einer ungestörten Unterrichtssituation
  • Übernahme von Verantwortung für das eigene Verhalten durch alle Schüler
  • Konsequentes Vorgehen bei Unterrichtsstörungen
  • Hilfe zur Rückkehr in den Unterricht/die Klasse
  • Unterstützung dabei, ein selbstgesteuertes Verhalten zu erlernen und in der Klasse zu erproben

Pflegekinder und Trainingsraummethode

Pflegekinder kommen allermeist aus schwierigen sozialen Verhältnissen und/oder sind traumatisiert. Das wirkt sich natürlich in ihrem schulischen Verhalten aus: Sie sind unkonzentriert, mittelpunktstrebig und/oder zeigen auffälliges Verhalten. Lehrer sehen natürlich nur deren Probleme im Unterricht. Häufig werden Pflegekinder deshalb stigmatisiert und in eine Rolle hineingedrängt.

Pflegekinder können häufig auf Grund ihrer Sozialisierung dem Unterricht nicht folgen und begeben sich in eine emotionale Auseinandersetzung mit Lehrern und Mitschülern, die sie selbst nicht mehr steuern können und die auch durch die Lehrer nicht mehr zu bewältigen ist (Übertragung, dissoziatives Verhalten). Die Trainingsraummethode ermöglicht ihnen, die angespannte Unterrichtssituation zu verlassen. Dabei ist es auch möglich, dass sie selbst in einer solchen Situation die Entscheidung treffen, in den Trainingsraum zu gehen. Dort können die Befindlichkeiten und Situationen der Pflegekinder aufgearbeitet und ein Rückkehrplan erarbeitet werden. Damit wird erheblich zu ihrer Sozialisation beigetragen. Durch die Eigenverantwortung für ihr Verhalten in der Klasse wird ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl in der Klassengemeinschaft gestärkt und sie erfahren ein Erfolgserlebnis. Genau das ist es, was ihnen bisher in der Herkunftsfamilie häufig nicht zuteil wurde und das sie nicht kennen. Insofern hat die Trainingsraummethode für Pflegekinder durchaus eine therapeutische Komponente.

Ein weiterer Vorteil ist die intensive Einbeziehung der Pflegeeltern als Träger der Alltagssorge, ohne dass sie sich auf der Anklagebank sitzend fühlen müssen, sondern die pädagogischen Maßnahmen der Schule zu Hause aufnehmen können und somit als Teil des Reintegrationsprozesses ihrer Pflegekinder ernst genommen werden.

 

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