Forderungen

Es ist eine Umstellung für Pflegeeltern, wenn das letzte Pflegekind den Haushalt verlässt. Normaler Weise sind sie noch immer da, um zu helfen. Aber wenn die Trennung nicht einvernehmlich statt gefunden hat, stellen sich weitere Probleme. Was geschieht mit dem persönlichen Eigentum des Kindes? Wie sind die Zuständigkeiten geregelt? Wir vermuten, dass das Ende noch lange nicht in Sicht ist. Und tatsächlich finden wir uns mit Forderungen konfrontiert.

Eines Abends ruft Jeannett uns an. Sie ist im Haushalt ihres Vaters in Berlin untergekommen. „Ich habe mit meiner Sachbearbeiterin beim Jugendamt gesprochen“, konfrontiert sie uns eiskalt. Ich brauche meine Zeugnisse und die Kontounterlagen. Das musst du mir zuschicken“, befiehlt sie mir. „Und ich will das Geld haben, das mir aus der Opferentschädigungsrente zusteht.“ Da muss ich sie aber bremsen. „Weißt du, wie dein Zimmer aussieht?“, erinnere ich sie. „Wir müssen es erst aufräumen, um an deine Sachen zu kommen. Und zuschicken“, mache ich ihr klar, „geht schon gar nicht. Wir werden alles geregelt an Frau Gerster vom Jugendamt übergeben. Damit ist für uns der Fall erledigt. Und was das OEG-Geld angeht“, gehe ich auf ihre nächste Forderung ein, „so muss das Gericht entscheiden. Ich bin doch gar nicht befugt, dir das Geld zu überlassen.“ „Aber Ihr habt doch jetzt alle Verantwortung für mich freiwillig abgegeben“, versucht sie zu argumentieren. „Deshalb steht mir das Geld zu.“ „Da täuschst du dich“, wende ich ein. „So lange das Gericht nichts anderes beschließt, bin ich dein Ergänzungspfleger und damit für die Verwaltung des Geldes zuständig.“ „Überhaupt“, beginnt sie nun mit einem anderen Thema, habt ihr kein Recht mehr, mit Susann zu reden. Sie ist meine Schwester und ihr habt nichts mehr mit ihr zu tun.“ „Jeannett“, stelle ich klar, „mit wem wir reden oder nicht, wirst du nicht bestimmen. Das ist einzig und allein unsere Sache.“ Danach ist das Gespräch beendet.

Wir sind entsetzt darüber, was sich Jeannett nun gegenüber uns herausnimmt, mit welcher Selbstverständlichkeit sie ihre Forderungen stellt. Sicher ist auch das eine Ausprägung ihres Zwanges, die Kontrolle behalten zu müssen. Das mag ihr ja mit dem Kindesvater gelingen, aber bei uns hat sie in der Beziehung schlechte Karten.

Was wir heute mit Jeannett erfahren haben, ist sicher auch ein Teil der Symptomatik einer sich entwickelnden Borderlinestörung. In jedem Fall sind wir uns klar darüber, dass es sicher noch mehrere Anlässe geben wird, die zu Meinungsverschiedenheiten führen werden.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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