Bericht zum Hilfeplangespräch

 

Bericht zur jährlichen Hilfeplanung

Pflegekind: Susann Sodann

Pflegeeltern:

Beginn der Pflege:

Berichtszeitraum: September 2014 bis September 2015


  1. Allgemeine Entwicklung des Pflegekindes

    Susann ist weiterhin wegen Asthmas in regelmäßiger kinderärztlicher Behandlung. Die Lungenfunktion wird regelmäßig überprüft. Eine Asthmaschulung hat stattgefunden. Susann ist während der Wintermonate nach wie vor anfällig für grippale Infekte.

Susann wird regelmäßig einem Zahnarzt vorgestellt.

Susann bekommt für den Unterkiefer eine fixierte Zahnspange.

Auf Anraten der Gutachterin gem. §35a KJHG wird Susann einem Augenarzt vorgestellt.

Eine Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs ist geplant.

  1. Susann hat nach wie vor Schwierigkeiten mit der Ausführung der Körperpflege. Seit sie kürzere Haare trägt, fällt ihr das regelmäßige Haarewaschen leichter.

Susann ist sowohl durch uns als auch im Schulunterricht aufgeklärt worden.

    1. Entwicklung im sozialen und emotionalen Bereich

      Susann kann ihr soziales und emotionales Verhalten weiterhin nicht steuern. Sie beschafft sich und vertilgt weiterhin unkontrolliert Lebensmittel und Süßigkeiten. Auch Geldbeträge werden immer wieder entwendet. So hat Susann im Januar gemeinsam mit ihrer Schwester der Familienhelferin Geld aus deren Portemonnaie entwendet. Dieses Verhalten ist eindeutiges Symptom einer frühkindlichen Mangelversorgung, die Susann erlitten hat.

Dieses Bild wird bestätigt durch Susanns ständige Angst, nichts mehr zu essen zu haben. Kommt sie aus dem Hort oder wird abgeholt, verlangt sie sofort nach etwas Essbarem. Ein oder zwei Kekse geben ihr bereits die Sicherheit, dass noch Nahrung vorhanden ist. Dieses Verhalten ist traumatisch und reflexartig und basiert nicht darauf, ein Hungergefühl stillen zu müssen.

In der Schule kommt es regelmäßig zu Situationen, in denen Susann die Kontrolle über ihr Verhalten verliert und gelegentlich gewalttätig wird. In diesen Situationen fühlt sie sich herabgesetzt, angegriffen oder will andere verteidigen.

Insgesamt entspricht Susanns Verhalten nicht dem Stand einer Elfjährigen. Susann kann nicht zielgerichtet handeln. Sie verwüstet regelmäßig ihr Zimmer, bekritzelt Wände und Schränke, zerreißt Papier in kleine Schnipsel und ist nur mit großem Hilfeaufwand durch uns in der Lage, in ihrem Zimmer eine minimale Ordnung wieder herzustellen. Häufig verbreitet sie ihre Unordnung auch im Wohnbereich außerhalb ihres Zimmers.

Susann ist nicht in der Lage, sich über längere Zeit hinweg zu konzentrieren. Wir beobachten eine massive Rechen- und Rechtschreibschwäche. Diese Defizite können überlappend mit Dyskalkulie, LRS oder ADHS aus der Traumatisierung hervorgehen. Darüber hinaus ist ihr Handeln dissoziiert und es fällt ihr schwer, sich an ihre Handlungen zu erinnern.

Susanns Vergesslichkeit hat sich nicht verbessert. Sie ist nicht in der Lage, Schulmaterialien oder Sportzeug zusammen zu halten.

Susann fühlt sich durch ihre Schwester häufig nicht richtig wahrgenommen. Sie hat eine starke emotionale Bindung an Jeannett und ist auch uns sehr stark emotional verbunden. Dasselbe gilt für unsere Familie und Freunde. Sie zeigt ihre Emotionen auch häufig durch körperlichen Kontakt.

Susann besitzt auf Grund ihres schwierigen Sozialverhaltens kaum noch Freundschaften außerhalb der Pflegefamilie. Der Aufenthalt im Ferienlager der Wildfang-Organisation hat ihr für ihre sozialen Kontakte gut getan. Auch dort musste Susann jedoch wegen ihres Verhaltens in einer Situation von der Gruppe getrennt werden.

  1. Bildungsbereich

    1. Susann kann auf Antrag weiterhin den Hort besuchen. Sie besucht den Hort gern, erhält wertvolle Anregungen, kann ihr Sozialverhalten trainieren und nimmt an kreativen Aktivitäten gern teil.

    2. Seit dem letzten Hilfeplan hat sich die schulische Situation nicht verändert. Susanns Lern- und Leistungsbereitschaft werden als teilweise ausgeprägt und Zuverlässigkeit und Sorgfalt, Ausdauer und Belastbarkeit, Selbständigkeit, Kooperationsfähigkeit und Teamfähigkeit und Konfliktfähigkeit und Toleranz als wenig ausgeprägt eingestuft (Kopfnoten des letzten Zeugnisses). Die Leistungen im kognitiven Bereich werden mit ausreichend, die im kreativ-musischen und sportlichen Bereich durchgängig mit gut bewertet.

Wir mussten Susann wegen Problemen im Sozialverhalten vom Religionsunterricht entbinden.

Wir helfen Susann regelmäßig bei den Hausaufgaben und kontrollieren die Vollständigkeit der Schulmappe. Darin erfahren wir auch Unterstützung durch die Familienhelferin. Besonders für ihre kreativen Leistungen und bei Erreichen von für sie außergewöhnlichen Zielen erhält sie von uns Lob.

  1. Herkunftsfamilie

    1. Kontakte zum leibliche Vater fanden, wie vereinbart, monatlich per Telefon statt. Persönlicher Umgang wurde von Susann kaum vermisst. Diese Lösung gab ihr die Möglichkeit, ungestört ein vertrauensvolles Verhältnis zu uns zu entwickeln und war für sie von großem Vorteil.

Von uns als Pflegeeltern wird diese Entwicklung sehr begrüßt.

Es muss erwähnt werden, dass Susann bei Telefonaten mit dem Kindesvater stark retardiert oder mit paradoxem Verhalten reagierte.

  1. Freizeitbereich

    Susanns Freizeit ist von den Therapiestunden und dem Hort geprägt. Sie kann sich nicht sinnvoll alleine beschäftigen. Die Familienhelferin gibt Susann bei der Freizeitgestaltung wertvolle Anregungen.

  2. Unterstützende Angebote

    Seit einem Jahr erhält Susann gemeinsam mit ihrer Schwester regelmäßig ca. zweimal pro Woche eine Familienhilfe, deren Ziel es ist, mit Susann die Gestaltung ihrer Freizeit zu trainieren.

Susann befindet sich nach wie vor in einer von der Krankenkasse finanzierten tiefenpsychologischen Psychotherapie. Wegen Susanns starker schulischer Belastung ist die Frequenz auf zwei Tage pro Woche vermindert worden.

Von der Schule erhält Susann nach wie vor Förderunterricht in Deutsch und Mathematik.

Eine Untersuchung auf Dyskalkulie konnte leider nicht realisiert werden, da beim Träger seitens des Jugendamtes kein Auftrag vorlag.

  1. Entwicklungsschritte seit der letzten Hilfeplanung

    Susann hat sich im Berichtszeitraum körperlich erheblich weiter entwickelt; sie ist erheblich gewachsen und hat sich äußerlich zu einer jungen Frau entwickelt. Diese Entwicklung steht jedoch in krassem Gegensatz zu ihrer seelischen und sozialen Entwicklung, die eher als kindlich bezeichnet werden muss

  1. Erfordernisse für die nächsten 12 Monate

Das Gutachten anlässlich der Anerkennung nach OEG hat erwiesen, dass der Tötungsversuch an der Kindesmutter zu gesundheitlichen Schädigungen geführt hat. Bei jeder Wiederbegegnung mit ihrem Vater ist bei Susann eine Retraumatisierung mit den entsprechenden Folgen wie Orientierungslosigkeit, dissoziierendes Verhalten und Flashbacks zu erwarten. Persönlicher Umgang mit dem Kindesvater würde definitiv zu einer Verschlimmerung der Symptome der Traumatisierung, wie sie schon jetzt zu beobachten sind, führen. Wir halten deshalb eine weitere Aussetzung des persönlichen Umgangs für unerlässlich. Jede andere Regelung verstieße u.E. eklatant gegen das Kindeswohl. Auch telefonische Kontakte tragen nicht zum Kindeswohl bei.

Susann befindet sich auch weiterhin in kieferorthopädischer Behandlung, die auch fortgesetzt werden sollte.

Schulische Förderungen können noch durch die Pflegeeltern wahrgenommen werden.

Wir stimmen mit der Familienhelferin Frau Sossna überein, die Familenhilfe fortzusetzen, um daran zu arbeiten, dass Susann ihr Sozialverhalten verbessert und allgemein ihr Leben besser bewältigt. Die Zusammenarbeit mit Frau Seegebrecht ist ertragreich.

Wie durch das Gutachten zum OEG und ihre Therapeutin bestätigt wurde, ist Susann in ihrer frühkindlichen Entwicklung stark traumatisiert worden. Wir halten eine spezielle Traumatherapie nach wie vor für dringend erforderlich und dem Kindeswohl in erheblichem Maße förderlich. Leider hat Herr Sodann einem Therapeutenwechsel widersprochen. Auch das Jugendamt hat sich dieser Maßnahme bisher verschlossen. Angesichts der Tatsache, dass Susann uns immer wieder zu verstehen gibt, dass sie unter ihren Defiziten und ihrem Verhalten leidet, können wir nicht nachvollziehen, warum Susann notwendige Hilfen auf diesem Gebiet verweigert werden.

Susanns Möbel und der Bodenbelag sind dringend erneuerungsbedürftig. Ein neues, ihrer Körpergröße entsprechendes Fahrrad haben wir bereits angeschafft. Leider haben wir auf Antrag nur € 250.- für neue Möbel genehmigt bekommen. Darüber hinaus gehende Kosten müssen wir selbst übernehmen.

Lüneburg, dem 1.9.2014

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s