„Ich bestimme, was passiert“?

Pflegeeltern haben es schwer, wenn ein Geschwisterkind bei ihnen lebt und das andere woanders, weil sie eines der Pflegekinder in Obhut gegeben haben. Die unterschiedlichen Erfahrungen führen mitunter zu Spannungen.

Übermorgen soll Susann uns besuchen. Aber Jeannett versucht, den Besuch für sich zu reklamieren. „Ihr habt damit nichts zu tun“, versucht sie uns zu belehren. „Ich werde mit meiner Schwester unternehmen, was ich will.“ „Kannst du dich daran erinnern“, wende ich ein, „dass Susann zu unerer Familie gehört hat?“ „Na und“, wehrt sie sich, „Ihr seid bloß die Pflegeeltern. Ich bin ihre Schwester!“ „Wir haben einen Theaterbesuch geplant“, schaltet sich nun Ruth ein, „und du wirst uns das nicht kaputt machen.“ „Ihr müsst immer alles bestimmen“, brüllt Jeannett jetzt. „Und du wirst an diesem Wochenende nicht bestimmen!“, stelle ich unmissverständlich klar. „Du kannst auch gleich die Spülmaschine ausräumen.“ „Ich denk gar nicht dran“, weigert sie sich, stürmt in ihr Zimmer und schließt es hinter sich ab.

Dann rufen wir Susann in der Einrichtung an, um das Wochenende zu besprechen. „Wir erwarten von euch, dass ihr um zehn abends zu Hause seid“, lege ich die Regeln fest. „Und für morgen haben wir Theaterkarten.“ „Oh, wie schön!“, freut sich Susann. „Ich bin so froh, euch wieder zu sehen.“

Dass Jeannett sich in einem ziemlich verwirrten Zustand befinden muss, sehe ich an ihrem Zimmer, das ich mir am nächsten Tag zusammen mit ihr ansehe. Der Boden ist mit Kleidungsstücken übersät. die Heizung brüllt. Auf dem Fensterbrett befindet sich ein halb aufgegessenes Brot, der Rest einer türkischen Pizza und eine große Dose mit Nutellaeis, das Ruth hergestellt und eingefroren hat.

Es ist offensichtlich, dass Jeannett sich in einer schwierigen Phase befindet. Sie sieht sich in Konkurrenz zu Susann, fürchtet, nicht im Mittelpunkt zu stehen. Deshalb ist es ihr Ziel, Susann für sich zu vereinnahmen und uns auszubooten. Es könnte ja sein, dass es ihr bei uns gar nicht so schlecht gefällt. Das wäre schädlich für ihre Absicht, uns immer wieder ins Abseits zu bringen. Vielleicht befürchtet sie auch, dass wir uns wieder für Susann entscheiden und Jeannett gehen lassen.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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