„Kannste scheißen gehn!“

Pflegeeltern sind abhängig vom Vertrauen ihrer Pflegekinder und der Zusammenarbeit mit Jugendamt und den leiblichen Eltern. Ist beides nicht gegeben, können sie tun, was sie wollen, sie haben keinen Erfolg.

„Jeannett, morgen ist Hilfeplangespräch. Wir wollen über die Schule sprechen und die Besuche bei deinem Vater festlegen.“, spreche sich erneut das heikle Thema an. Jeannetts Gesicht trübt sich ein. „Kannste scheißen gehn!“, platzt es plötzlich aus ihr heraus. „Ich geh nicht mit!“

Eigentlich wäre dies der Moment, wo mir der Sinn danach stehen würde, sie mit einem Satz wie „So nicht, Fräulein!“ zurechtzuweisen. Aber ich weiß, dass viel zu viel auf dem Spiel steht. Also antworte ich ruhig „Wer nicht dabei ist, kann nicht mitbestimmen.“ Das aber scheint Jeannett nicht im Mindesten zu rühren. Sie schlendert bewusst lässig in ihr Zimmer und schließt die Tür.

Natürlich haben wir einen Plan. Das Hilfeplangespräch wird stattfinden, und sei es ohne den Kindesvater und seine Tochter. Wir werden Festlegungen zum weiteren Schulbesuch und den Umgangskontakten treffen. Das Ergebnis wird dann allen Beteiligten persönlich zugeschickt, also auch dem Kindesvater und Jeannett.

Es scheint uns, dass der Kindesvater und Jeannett sich offensichtlich darauf geeinigt haben, die Entscheidungen des Jugendamtes zu unterlaufen und weder diesem als auch uns die Zusammenarbeit zu verweigern.

Alles wäre so einfach, wenn der Kindesvater kooperieren würde und Jeannett unterstützen würde. Statt dessen bringt er seine Tochter gegen uns und das Jugendamt auf. Wie lange Jeannett diesen Spagat zwischen uns und ihm noch durchhält, ist nicht absehbar.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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4 Antworten zu „Kannste scheißen gehn!“

  1. NinoGelo schreibt:

    hab auch gerade den blues und möchte laut Sch….e schrein. ich sehe auch viel Ehrlichkeit in j.s Verweigerung.
    höre mir auf you tube an „love hurts“ von Nazareth (1975).

    • Sir Ralph schreibt:

      Ja, NinoGelo, nur dass uns das Ganze dabei im Wege steht, das Beste für Jeannett hinzukriegen, also auch das, was sie selbst sich wünscht. Sie steht sich selbst im Weg und weiß nicht richtig, was sie will. Wir werden lernen müssen, auch das zu akzeptieren.

  2. NinoGelo schreibt:

    gibt es noch einen Weg, dass J. bei dem Gespräch selbst dabei ist? Sie ist doch so stark. Da wird es ihr gut gelingen können, wichtige Sachen zum Hilfeplan beizutragen, die in ihrem Sinne sind. Emanzipiert sie sich gegenüber ihrem Pappa? Die Stärke dazu hätte sie gewiss. – Wenn der Hilfeplan Lücken haben sollte, wird es ihr viel mehr Freude bringen, ihn zu aktualisieren, weil sie an der Erarbeitung aktiv dabei war. – Frag Sie vielleicht nach Ihrem Alter und ob sie entsprechend behandelt werden möchte. Sicherlich möchte sie gemäß ihrem Alter mitentscheiden.
    Ein Gespräch ohne Anwesenheit ihres Vaters entspricht einem Vater-Alter von unter 18 Jahren. J. ist die Hauptperson. Wenn sie nicht anwesend ist, entspräche es einem kindlichen Alter, wobei sie die Sachen nicht überblicken könnte. – Sie hat aber die Stärke, die Reife und den Überblick an dem Gespräch teilzunehmen. – Könnte sie das aus der Verweigerung heraushelfen?
    Liebe Grüße
    NinoGelo

    • Sir Ralph schreibt:

      Hallo, NinoGelo,
      Du hast wirklich gute Vorschläge. Aber sie steht in einem riesigen Konflikt, der konstant vom leiblichen Vater angefacht wird. Sie fühlt sich ihm gegenüber verantwortlich und wird, wie sich zeigen wird, für ihn entscheiden. Nur dass sie sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht traut, uns zu enttäuschen. Sie ist nicht die Starke, die sie immer vorspiegelt zu sein. Also wartet sie auf eine Gelegenheit, die Trennung zu inszenieren. Dazu kommt natürlich das – verständliche – Misstrauen gegenüber der Erwachsenenwelt.

      Danke dafür, dass du die Geschichte so lückenlos verfolgst. Du kannst auf ihren Ausgang durchaus gespannt sein! 😉

      Alles Gute und viel Kraft

      Sir Ralph

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