Die Fachleute sprechen

Immer gibt es Situationen, wenn Pflegeeltern wegen ihrer Pflegekinder den Rat von Fachleuten brauchen. Wir suchen ihn bei Jeannetts Therapeutin und unserer Supervisorin.

Wir erstatten der Therapeutin Bericht darüber, was in der letzten Zeit passiert ist. „Dass sie ihr die SIM-Karte weggenommen haben“, berichtet sie, „hat sie wirklich getroffen. Sowas hat er noch nie gemacht, hat sie gesagt. Aber ich habe ihr auch verdeutlicht, dass Sie sich große Sorgen machen. Sie scheint es zu verstehen.“ „Wozu braucht sie sie, wenn sie eh nie erreichbar ist“, wende ich ein. „Aber ich habe mich mit ihr geeinigt. Sie hat mir versprochen, uns zu sagen, wo sie ist und Anrufe zu beantworten.“ „Das ist gut so“, stimmt sie mir zu. „Ihre wichtigste Aufgabe ist es jetzt, Grenzen zu setzen und Abmachungen zu treffen. Geben sie Jeannett die Freiheiten, die sie braucht, aber binden Sie sie auch in die Familie ein. Ein bis zwei Tage pro Woche, an denen sie etwas nur in der Famile machen, müssten drin sein,“

In der nächsten Supervisionssitzung bei Frau Sommer bestärkt sie uns darin, was die Therapeutin meint. „Die häufigen Umgangskontakte“, fügt sie hinzu, „und dass sie aus dem Haus strebt, zeigen nur, dass sie nach Selbständigkeit strebt. Das ist bei Ihnen jetzt das vorherrschende Thema. Geben sie ihr die Chance, sie ist fest genug an Sie gebunden.“

Jeannett ist heute Abend zu Hause. „Oliver hat mit mir Schluss gemacht“, erzählt sie uns. „Und ich habe mit Lydia gesprochen, meiner Halbschwester von meiner Mutter. Ich habe noch zwei Geschwister. Eins davon soll behindert sein.“ Jeannett blickt traurig. „Das müsst ihr euch mal vorstellen!“, ruft sie dann entsetzt aus. Dann verfinstert sich ihr Gesicht, sie weint leise. Ruth nimmt sie in den Arm und versucht sie zu trösten. „Das ist doch nicht so schlimm. Vielleicht kannst du sie auch mal kennenlernen.“ „Aber dass ich davon nichts weiß!“, erregt sich Jeannett. Dann zieht sie sich in ihr Zimmer zurück.

Es geht auf und ab. Das ist in der Pubertät normal. Aber bei Pflegekindern sind diese Aufs und Abs mehrschichtig und doppelt so stark. Sie suchen nach ihrer Familie und sind gekränkt, wenn sie erfahren, dass ihnen nicht alles gesagt worden ist.

Wir werden Jeannett bei ihrer Achterbahnfahrt begleiten und sie auffangen, wenn sie fällt. Das ist jetzt unsere Aufgaben.

Advertisements

Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
Dieser Beitrag wurde unter Kurze Besserung und der Absturz abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Die Fachleute sprechen

  1. Thomas Meurer schreibt:

    Hallo Ralph,

    wieder wundervoller Artikel von Dir. Menschen wie Du gibt es leider viel zu wenige!

  2. Land Ei schreibt:

    Ja, und manchmal wird einem beim Achterbahnfahren echt schlecht….
    erinnert sich
    das LandEi

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s