Neue Strategie

Wenn Änderungen eintreten, die Pflegekinder veranlassen, wird es Zeit für Pflegeeltern, sich etwas Neues zu überlegen und ihr Vorgehen zu ändern. Dann wird es Zeit, die Beziehung zu verändern. Genau das ist jetzt unsere Aufgabe.

Wir haben festgestellt, dass wir keine Handhabe haben, Jeannett dahin ghend zu beeinflussen, dass sie akzeptiert, rechtzeitig nach Hause zu kommen. Wir sind es leid, ständig den Kindernotdienst und die Polizei zu beschäftigen.

Also werden wir künftig tolerieren, dass sie um 22 Uhr oder später nach Hause kommt. Wir müssen ab jetzt uns selbst schützen, anstatt uns ständig Sorgen zu machen. Sttt dessen werden wir uns mehr auf uns selbst konzentrieren, weggehen, Freunde besuchen, unser eigenes Leben führen, um Jeannett klar zu machen, dass sie nicht mehr im Mittelpunkt steht. Wir werden dem Nachhausekommen nicht mehr so viel Gewicht beimessen. Wenn Jeannett Verantwortung haben will, soll sie sie bekommen. Sie muss die Auswirkungen des Nachhausekommens auf die Schule und den Kontakt zu uns. Dennoch werden wir da sein, wenn sie uns wirklich braucht. Wir müssen Abstand gewinnen.

Wenn wir Jeannett vermissen, haben wir uns vorgenommen, sie nicht mehr anzurufen, sondern ihr eine SMS zu schicken. Das konfrontiert sie nicht mehr mit uns als Verantwortliche, die etwas durchsetzen wollen oder müssen. Die diekte Konfrontation entfällt. Das ist für Jeannett wichtiger als für uns und hat etwas von Anonymität.

Als ich Jeannett zur Therapie bringe, ist sie zunächst schweigsam. Schließlich Beginnt sie. „Daddy, wann kann ich eigentlich meine SIM-Karte wiederhaben?“ Schon habe ich mir Gedanken darüber gemacht, ob ich sie ihr wiedergebe. Schließlich möchte ich, dass sie erreichbar ist und uns erreichen kann. Dafür bekommt sie von mir monatlich 5 Euro, um sie aufzuladen. Den Rest muss sie von ihrem Taschengeld bezahlen. Aber ich möchte von ihr ein Versprechen. „Ok, du bekommst sie wieder. Aber du musst mir versprechen, dass du uns informierst, wenn es später wird oder uns sagst, wo du bist.“ „Ja, das verspreche ich dir“, antwortet sie, und die Antwort klingt ehrlich und nicht halbherzig.

Nach unserer Entscheidung frage ich mich, ob sie nicht nur einfach einer Kapitulation gleich kommt. Andererseits wissen wir, dass es an der Zeit ist, Jeannett mehr Vernatwortung für sich selbst zu übertragen. Obwohl mich Zweifel beschleichen, ob es für so viel Eigenständigkeit nicht etwas früh für eine 16-Jährige ist, will ich daran festhalten. Wir wissen, dass Jeannett schon in frühester Kindheit viel Verantwortung zu tragen hatte und dass sie Erwachsenen kein Vertrauen schenken kann.

Unsere Rolle wird es in Zukunft also sein, Jeannett nicht mehr zu leiten, sondern sie ihre eigenen Erfahrungen machen zu lassen und in kritischen Situationen hilfreich zur Seite zu stehen.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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4 Antworten zu Neue Strategie

  1. Land Ei schreibt:

    Jap. Genau das. „Kontrolliertes Vor-die-Wand-laufen-lassen“ haben wir das immer genannt… 😉

  2. NinoGelo schreibt:

    „Zur Seite stehen“ – das zählt. – Ich wünsche Jeannett alles Gute.
    Liebe Grüße an Euch, ihr lieben Pflegeeltern.

    • Sir Ralph schreibt:

      Danke. NinoGelo! Pflegeeltern müssen sich erst an eine solche neue Situation gewöhnen – mehr Eigenständigkeit gewähren.

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