Bekleidungsgeld

Wenn Pflegekinder älter werden, haben sie mehr Anspruch darauf, selber zu entscheiden. So sollten Pflegeeltern ihnen zugestehen, selbst die Bekleidung einzukaufen.

Ich kann mich noch gut erinnern, dass meine Mutter mit mir loszog und mit mir Hosen und Hemden einkaufte. Das ging noch ziemlich lange so. Aber es waren auch immer die stressigsten Zeiten überhaupt, weil der Geschmack meiner Mutter doch erheblich von meinem abwich… 😉

Wir haben schon eine Zeit lang Jeannett die Möglichkeit gegeben, selbst für sich einzukaufen. Meist waren es Kleidungsstücke, die auch in unserem Sinne waren. Sie musste das Geld, das wir ihr zur Verfügung stellten, auch genau abrechnen, damit sicher gestellt war, dass sie es nicht für andere Dinge ausgab. Aber heute muss sie uns eingestehen, dass sie hundert Euro einfach so verloren hat. Ohne groß darüber nachzudenken, was sie damit anggestellt haben könnte, blicken wir nach vorn und überlegen, wie wir verhindern können, dass das Bekleidungsgeld einfach im Nirvana verschwindet.

Uns fallen vier Möglichkeiten ein.

  1. in Teilbeträgen zuteilen
  2. in einer Summe insgesamt auszahlen
  3. auf ihr Konto einzahlen, sie holt sich ab, was sie braucht
  4. gemeinsam einkaufen gehen

Die vierte Möglichkeit entfällt, weil sie uns für Jeannetts Alter unangemessen scheint. Die erste und zweite Möglichkeit will Jeannett nicht, weil sie ihr zu unsicher sind. Die dritte Möglichkeit will Ruth nicht, weil sie zu aufwändig ist. Jeannett will das Geld direkt auf ihr Konto. Dafür brüllt sie, tobt und schlägt die Türen.

Dann finden wir einen Kompromiss. Jeannett bekommt das Geld in einem Betrag ausgezahlt und zahlt es direkt auf ihr Konto ein. Sie weist uns aber nach, wofür sie das Geld ausgegeben hat. Manchen Monat wird es weniger sein, manchmal mehr. so hoffen wir sicher zu stellen, dass sie sich auch wirklich Kleidung dafür kauft und dazu gehören auch Schuhe und Unterwäsche. Sie ist in der Pflicht.

Diese Diskussion mag manch einem hahnebüchen vorkommen, aber wir haben sie sehr ernsthaft geführt. Es ist letztlich ein Rollenspiel, in dem sich Ruth und Jeannett gegenüber stehen und beide ihre Interessen verteidigen, während ich die Probleme benenne und vermittle.

Was Jeannett daraus lernt, ist, Kompromisse einzugehen. Das fällt ihr überaus schwer, aber sie hat keine andere Wahl.

 

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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