Ambulante statt stationäre Therapie?

Plegeeltern beobachten ihre Pflegekinder genau. Sie wissen, was ihnen fehlt und was sie brauchen. Sie kennen ihre Geschichte und ihre Krankheiten.

Heute sind wir mit Jeannnett bei der Kinder- und Jugendtherapeutin. Wie soll es weiter gehen? Wie kriegen wir Jeannetts Biographie wieder ins Lot? Jeannett weiß nicht richtig, was sie will, aber sie weiß, was sie nicht will.

„Ich will nicht in die Klinik“, äußert sie lautstark, „Ich will nicht in den Knast. Ich will die 10. Klasse machen und wiederholen, damit ich mit guten Noten das Abitur machen kann! Ich werde es euch allen zeigen, euch, Susann, Sigrid. Ich will es schaffen!“

„Aber das würde viel einfacher gehen“, wendet die Therapeutin ein, „wenn du erst einmal deine Probleme aus dem Weg schaffen und dann voll durchstarten würdest. Du könntest ja auch während der Therapie weiter lernen. Ich glaube, dass eine stationäre Therapie notwendig wäre, und dann könnten wir weiter arbeiten.“

Jetzt beginnt Jeannett jämmerlich zu weinen. „Ich bin ganz normal“, schluchzt sie. „Ich will nicht mit lauter Kranken zusammen sein. Ich will das nicht!“ Es scheint keine andere Möglichkeit zu geben, als den Klinikaufenthalt zurück zu stellen.

„Aber stell dir unsere Therapie hier nicht so einfach vor“, warnt die Therapeutin. „Es werden Zeiten kommen, wenn es dich richtig fordern wird, dich mit deiner Vergangenheit auseinander zu setzen und wir dann gemeinsam entscheiden, dass ein Klinikaufenthalt doch sinnvoller ist, um dir weiterzuhelfen. Das würde uns hier auch unterstützen.“ Jeannett blickt teils erleichtert, teils unsicher.

Keine Klinik der Welt nimmt Patienten gegen ihren Willen auf, wenn sie nicht hoch gefährdet sind, das wissen wir. So lange Jeannett nicht selbst einsieht, dass ihr eine stationäre Therapie nützen würde, haben wir keine Möglichkeiten, selbst wenn der leibliche Vater zustimmt. Immer wieder ist es eben auch dieser Einfluss aus Berlin, der sie verunsichert und die Entscheidung unmöglich macht. Da macht es wenig, dass wir Jeannett nach Kräften unterstützen.

Also gehen wir davon aus, dass ein Klinikaufenthalt nicht stattfinden wird. Umso wichtiger wird die ambulante Therapie und die Unterstützung durch uns.

Advertisements

Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
Dieser Beitrag wurde unter Kurze Besserung und der Absturz abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s