Kampf um die stationäre Therapie

Pflegeeltern sind da, um ihren Pflegekindern zu helfen und ihre Interessen zu vertreten. Dabei müssen sie mit einer Vielzahl von Institutionen sprechen und kämpfen, die keine Ahnung davon haben, was traumatisierte Pflegekinder durchgemacht haben und  die nur nach ihren Richtlinien entscheiden. Ein besonders krasses Beispiel ist unser Versuch, für Jeannett eine stationäre Therapie an einer geeigneten Klinik unserer Wahl zu installieren.

Mir fällt auf, dass sich weder das PTZ der Kitzbergklinik noch die Krankenkasse mit einer Genehmigung für Jeannetts Reha-Antrag melden. Also wede ich tätig. Ich telefoniere mit dem Sekretariat des PTZ.

„Wir haben den Antrag gestellt“, wird mir mitgeteilt, „alles Weitere muss nun Ihre Krankenkasse veranlassen. Haben Sie denn noch keine Antwort?“

Nein, haben wir nicht. Also telefoniere ich mit der Krankenkasse in Lüneburg.

„Uns liegt hier kein Antrag vor“, ist die kurze, eindeutige Auskunft. Also rufe ich erneut das PTZ an. „Ich habe eben mit meiner Krankenkasse telefoniert“, erkläre ich, „aber mir wurde gesagt, es liege kein Antrag vor. Können Sie mir sagen, wann der Antrag gestellt wurde?“ „Natürlich“, antwortet mir die freundliche Mitarbeiterin, „der Antrag wurde am 12.3. gestellt.“ Ich wundere mich. „Das sind ja schon zwei Monate her!“ „Wir haben leider keinen Einfluss auf das Genehmigungsverfahren“, erklärt sie mir geduldig und trotz meiner Empörung. Und weiter „Der Antrag ist ohne Begründung abgelehnt worden.“

Also rufe ich erneut bei der Krankenkasse in Lüneburg an. „Eben habe ich mit der Kitzberg-Klinik telefoniert“, versuche ich, ruhig aber bestimmt zu wirken. „Es stimmt, es hat einen Antrag gegeben“, gibt die Sachbearbeiterin zu. „Allerdings ist der Verfahrensweg nicht eingehalten woren. Nicht die Klinik muss den Antrag stellen, sondern der Hausarzt. Der Krankenkasse obliegt es dann, die Klinik auszuwählen. Außerdem hat uns die Landesgeschäftsstelle in Heilbronn darüber informiert, dass die Klinik keine Zulassung für Kinder und Jugendliche hat. Deshalb mussten wir den Antrag ablehnen.“

Nun rufe ich die Klinik wieder an. „Natürlich haben wir eine Zulassung, sie gilt für Kinder ab 11 Jahren“, ist die unmissverständliche Auskunft. „Ich faxe sie Ihnen zu. Aber unternehmen sie nichts, was den Antrag gefährden könnte“, warnt mich die Sekretärin, „Das könnte zur endgültigen Ablehnung führen.“

Ich will mich mit dieser Vielzahl von unterschiedlichen Informationen nicht abfinden. Also telefoniere ich mit der Landesgeschäftsstelle der Krankenkasse. „Natürlich hat die Kitzberg-Klinik eine Zulassung“, teilt man mir mit. „Sie wird von uns auch regelmäßig belegt.“ Mit dieser Information im Hintergrund spreche ich erneut mit der Klinik. „Wir sehen im Moment keine Chance auf die Realisierung der Reha für Ihre Tochter“, wird mit gesagt. Es sieht schlecht aus.

Wieder rufe ich die zuständige Krankenkasse an. „Die Klinik wird auch mit Erwachsenen belegt“, teilt man mir nun mit. „Wir halten eine Durchmischung von Erwachsenen und Jugendlichen nicht für günstig. Aber es läuft ein Antragsverfahren für akute Kinder- und Jugendpsychiatrie.“

Es wird immer klarer, dass das Kompetenzwirrwarr nicht zu überbieten ist. Niemand im Krankenkassenapparat ist darauf eingestellt, dass jemand nicht aufgibt und immer wieder Fragen stellt. Das ist unbequem und wird damit sanktioniert, dass man ihn schließlich ignoriert: Ein Antrag läge nicht vor, also brauche man nichts zu entscheiden.

Dass man mit einem solchen Vorgehen Menschen, die Hilfe bräuchten, kaputt macht, spielt für die Entscheidungsträger keine Rolle. Wir gehen davon aus, dass eine für Jeannett angemessene stationäre Therapie nicht stattfinden wird.

 

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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