Krankheitssymptome und ein guter Tipp

Pflegeeltern betrübt es tief, wenn ihre Pflegekinder leiden. Sie versuchen alles, um ihnen das Leben lebenswert zu machen. Dazu ergreifen sie jeden Strohhalm und nehmen jede Hilfe an. Genau das tun wir.

Es ist nicht mehr zu leugnen, dass es Jeannett schlecht geht. Sie hat das nötige Vertrauen zu mir und beschreibt ihren Zustand.

„Ich will nicht in die Klapse“, sind ihre drastischen Worte, und bei dem, was wir bei unserem letzten Klinikbesuch erfahren haben, ist ihre Ablehnung nicht verwunderlich. Aber sie klagt auch über Beschwerden. „Wenn ich das Summen der Windräder höre und den Schatten spüre, den die Flügel werfen, erinnere ich mich immer wieder an meine Kindheit, als ich ganz doll Angst hatte. Dann kann ich nicht mehr schlafen. Ich habe auch immer so ein Pfeifen, Klingeln und Brummen in den Ohren.“

Sie macht eine lange Pause. Dann blickt sie traurig. „Ich habe das Gefühl, das Leben ist wie Zucker. Es löst sich auf.“

Spätestens jetzt schrillen bei mir sämtliche Alarmglocken. Wie immer, wenn ich nicht mehr weiter weiß, rufe ich Eileen vom Pflegeelternverband an. Sie nennt mir eine Reihe von Traumatherapeuten, aber die sind alle hoffnungslos überlastet.

„Versuch´s doch mal in der Kitzbergklinik“, rät sie mir. „Dort gibt es eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Abteilung, die auf Traumatologie spezialisiert ist.“

Ich sehe mir die Internetseite an und bin beeindruckt. Alles ist absolut transparent beschrieben. Sie arbeiten nach einem Vier-Phasen-Modell, das den Patienten zuerst stabilisiert, dann die Ressourcen reorganisiert, eine Phase der Exposition und schließlich die Phase der Neuorganisation beinhaltet. Nachdem ich das Konzept des Ärztlichen Direktors, Prof. Dr. Plassberg, gelesen habe, bin ich überzeugt. Die Liste der Erkrankungen, die behandelt werden, passen genau auf Jeannett. Es ist auch sicher gestellt, dass wir mit einbezogen werden. Ich spreche mit ihr und sie stimmt verhalten zu. Ein Telefonat mit dem Kliniksekretariat ergibt, dass wir kaum etwas zu tun brauchen. Einen Anamnesebogen und einen Aufnahmeantrag wird man uns zuschicken.

Wir schöpfen wieder Hoffnung. Auch wenn die Klinik im Süddeutschen liegt, so würden wir es auf uns nehmen, Jeannett regelmäßig zu besuchen und auch eine Zeit lang dort zu verbringen. Wir würden unseren Urlaub dafür opfern.

Dennoch fragen wir uns, warum uns Fachleute nicht auf diese Idee gebracht haben. Es mag wohl an der Konkurrenz im Gesundheitswesen liegen, in dem der Patient offensichtlich nicht mehr vorkommt.

Advertisements

Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s