Susanns Besuch und die Konkurrenz

Konkurrenz zwischen den Schwestern ist nach wie vor ein Thema, selbst obwohl Susann schon lange nicht mehr bei uns wohnt. Sie soll uns an diesem Wochenende besuchen. Ihr Lebensmittelpunkt ist nun die Einrichtung, in der sie lebt und ihre Schule. Deshalb ist sie jetzt nicht mehr Pflegekind, über die wir zu entscheiden haben. Sie ist ein gern gesehener Besuch.

Das Telefon klingelt. Es ist Susanns Bezugserzieherin.

„Susan wird heute nicht zu Ihnen kommen“, informiert sie uns. „Sie hat einen Mitbewohner tätlich angegriffen. Eventuell kann sie morgen fahren, wenn ihr Verhalten sich bessert und sie um Entschuldigung bittet.“

Na, das hätten wir mal tun sollen, wenn Jeannett einen Besuchskontakt mit dem Kindesvater hatte! Mit Sicherheit hätte das zu einer derben Auseinanderseitzung mit ihrem Vater geführt. Aber von uns verlangt man Verständnis. Es zeigt auch, dass die Heimerzieher die Hintergründe für Susanns Handeln nicht durchblicken und nicht verstehen wollen.

Ab Samstag um neun trifft Susann bei uns ein. Wir frühstücken, dann ziehen beide Kinder los ins Kino und zum Schoppen in Lüneburg.  Abends sind sie wieder hier und wir grillen gemütlich.

Dann ist es Bettgehzeit. Ruth und ich haben uns abgesprochen. „Ich glaube, es ist besser, wenn Jeannett unten in ihrem Zimmer schläft und Susann oben“, habe ich angeregt. „Das sehe ich auch so“, stimmt sie mir zu. „Sie unterhalten sich nur wieder über ihren Vater, und dann schaukelt sich das Problem der Besuchskontakte zwischen beiden nur wieder auf.“

Also versuchen wir, den Kindern unsere Entscheidung so schonend wie möglich beizubringen.

„Ich will aber mit Susann zusammen in einem Zimmer schlafen!“, verkündet Jeannett lautstark; Susann hält sich zurück. „Endlich können wir mal zusammen sein, und ihr versucht, das zu verhindern!“ Sie rennt nach oben und schlägt die Tür. Susann schleicht sich hinterher. Wir haben keine Chance, unsere Entscheidung durchzusetzen.

Wie Recht wir haben, zeigt sich am nächsten Tag. Jeannett kommt erst zum Frühstück, nachdem Susann sie dazu überredet hat. Ihre Augen sind zusammengekniffen, zwischen ihnen eine Zornesfalte. Sie redet nicht. Das geht den ganzen Tag so, während Susann höflich und freundlich reagiert. Wir bemerken, wie peinlich ihr die Situation ist.

Wir müssen erkennen, dass es Jeannett nicht gut tut, wenn Susann bei uns ist. Aber wir werden uns nicht beeinflussen lassen. Susann hat das Recht, uns zu sehen, auch, wenn Jeannett sie ganz für sich vereinnahmen will. Jeannett kann es nicht ertragen, dass sie weniger im Mittelpunkt steht, wenn sie uns besucht. Wenn wir Entscheidungen treffen, muss sie dagegen angehen, um Susann zu zeigen, dass sie nach wie vor alles im Griff hat. Eine gefährliche Mischung.

Das Thema ist immer dasselbe. Jeannett ist zwanghaft darauf bedacht, dass sie nicht die Kontrolle verliert. Sie kann uns nicht vertrauen, meint, sie müsse alles selbst lösen und in den Griff bekommen. Nichts kann sie geschehen lassen. So hat sie es in ihrer frühesten Kindheit gelernt. Es ist ihr eingebrannt worden, dass sie Entscheidungen treffen muss und sich allein durchs Leben boxen muss.

Es ist offensichtlich, dass Jeannetts Probleme anhalten, so lange der Kindesvater seinen Einfluss auf sie ausübt. sie wird nicht zur Ruhe kommen. Es wird eher komplizierter.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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