Wir planen die Hilfe

Es ist inzwischen offensichtlich, dass Jeannetts Zustand sich weiter verschlimmert. Unsere Hausärztin hat sie wegen ihrer anhaltenden Schlafstörungen und ihres schlechten Allgemeinzustandes für eine Woche krank geschrieben. Das bedeutet nichts Gutes. Wieder muss sie dem Unterricht fernbleiben.

Ich fasse einen Plan und Ruth stimmt ihm sofort zu. Wir können keinen Aufschub mehr dulden. Also nehme ich mit dem Oberarzt der Institutsambulanz unseres Versorgungskrankenhauses auf. Ich vereinbare ein Gespräch noch für den heutigen Nachmittag, um ein Vorgehen festzulegen. Als Nächstes muss beim Jugendamt ein Hilfeplangespräch beantragt werden, in dem wir festlegen, dass Jeannett stationär aufgenommen wird.

Es gibt nur ein gravierendes Problem: Das Sorgerecht liegt beim Kindesvater. Es hängt alles davon ab, ob er zustimmen wird. Und es muss unmissverständlich klar gemacht werden, dass, falls er die Zustimmung verweigert, diese durch einen Gerichtsbeschluss ersetzt wird und ihm das Sorgerecht gänzlich entzogen wird. Damit hätten wir die Basis für weiteres Handeln.

Nach dem Mittag setzen wir uns zu dritt ins Auto und fahren zur sechzig Kilometer entfernten Klinik. Der Arzt erwartet uns schon. Wir berichten gemeinsam von Jeannetts Problemen; auch ihre Gedanken, ihrem Leben ein Ende zu setzen kommen zur Sprache.

„Es ist schwer, eine Entscheidung zu treffen“, grübelt der Mediziner. „Es kommt eine ambulante Therapie in Frage, aber natürlich auch die stationäre Aufnahme. Das kann ich aber nicht entscheiden, bevor nicht eine Diagnostik statt gefunden hat. Ich würde Ihnen empfehlen, zunächst einmal die Kinder- und Jugendlichenstation zu besichtigen. Grundsätzlich käme auch eine Hospitation in Frage.“

Wir vereinbaren einen Besichtigungstermin in drei Tagen und verabschieden uns. Niemand von uns ist besonders beeindruckt. Letztlich versucht man, uns wieder den Schwarzen Peter zuzuschieben.

Es kommen mir leise Zweifel an einer stationären Maßnahme für Jeannett. Mein Kopf sagt mir: Es muss sein. Aber mein Bauch sagt mir: Das ist nicht gut für Jeannett. Wir sind ihre Familie, die Menschen, die ihr am meisten Unterstützung geben können.

Wenn da nicht der Kindesvater wäre, der systematisch versucht, alles, was wir für Jeannett für gut halten, zu torpedieren.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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