Konkurrenz beim Besuchskontakt

Pflegeeltern kennen ihre Pflegekinder. Sie kennen sie besser als Jugendämter, Vormünder und leibliche Eltern. deshalb können ise Veoraussagen wagen und warnen. Für den Besuchskontakt zu Sylvester haben wir das getan. Niemand hat uns gehört.

Nun ist es Zeit, ein Resümee zu ziehen. Susann ruft an und ich frage sie, wie es gewesen ist.

„Ey, Jeannett hat sich voll aufgespielt. Sie hat mich vor unseren Freunden und unserem Vater unmöglich gemacht. Alle haben gesagt, ich passe nicht in die Familie.“

„Würdest du denn wieder nach Berlin fahren, wenn Jeannett auch da ist?“, versuche ich aus ihr eine Stellungnahme herauszulocken.

„Jaaa… schon… – aber nur, wenn sich Jeannett benimmt“ ist die zögerliche, aber eindeutige Antwort.

Auch Jeannett erzählt aus Berlin.

„Sylvester war sooo cool!“, berichtet sie. „Wir haben erst Sekt getrunken und dann Likör. Abends haben wir um die Wette Schnaps getrunken, jeder, der eine Sechs gewürfelt hat, musste einen trinken.“

Mir gefriert das Blut in den Adern. Er hat seine Kinder zum Saufen animiert!

„Und“, frage ich etwas neugierig, „wie war´s mit Susann?“

„Ach, die hat nur rumgezickt und sich unmöglich benommen!“ Wie die Antworten sich gleichen. Ich stelle auch ihr die Frage:

„Würdest du wieder hinfahren, wenn Susann da ist?“

„Nein“, antwortet sie entschlossen, „nicht wenn Susann da ist. Sie hätte ja schließlich auch über Sylvester im Heim bleiben können. Sie passt einfach nicht in unsere Familie.“

Das Bild, das sich mir bietet, zeigt mir, dass beide, wie auch bei uns, in starker Konkurrenz stehen und Susann immer den Kürzeren zieht. Jeannett verteidigt erfolgreich das Terrain in Berlin. Sie hat auch bessere Voraussetzungen. Schon in ihrer Kindheit war sie die Lieblingstochter und Susann immer die Unerwünschte. Meiner Ansicht nach versucht Jeannett immer wieder, sie in Berlin auszubooten. Das war denn auch der Grund, warum sie unbedingt die ganzen Weihnachtsferien dort verbringen wollte.

Für die Ämter und Institutionen spielen solche Einschätzungen keine Rolle. Sie ermöglichen, was das Gesetz hergibt. Ob die Kinder zum Alkoholtrinken animiert werden, ist letztlich auch nebensächlich. Die Gruppendynamik in einem solch unsicheren Setting spielt schon gar keine Rolle.

Advertisements

Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
Dieser Beitrag wurde unter Streit um Weihnachten abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Konkurrenz beim Besuchskontakt

  1. tinaspatz schreibt:

    Guten Tag, auf der Suche nach „Hilfe“ wegen einer anstehenden Klassenkonferenz bin ich auf dieses gestossen und lese nun schon 2 Stunden – soviele von dem was Sie schreiben erleben wir mit unserem Pflegekind/Enkelkind. Danke für diese Seite, ihre Mühe und das Geschriebene.

    • Sir Ralph schreibt:

      Hallo, tinaspatz,
      offensichtlich arbeiten wir im selben Bereich, oder? Danke, dass Sie die „Traumakinder“ mitverfolgen. Es bleibt noch sehr viel zu schreiben. Ich bin auch momentan dabei, das Manuskript für ein Buchformat zusammen zu stellen, dass in Kürze erscheinen soll.

      Alles Gute und viel Kraft!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s