Jeannett: Was macht sie aus?

Es ist nicht einfach für Pflegeeltern, sich in die Lage ihrer Pflegekinder zu versetzen. Die Kinder haben meist eine Vergangenheit, die sie beeinflusst und zeitlebens nicht mehr loslässt. Manchmal können ihre Pflegeeltern sich keine Vorstellung machen, was sie bereits durchgemacht haben. Es bleibt nur eine Ahnung davon, was sie mit sich herumtragen.

Wenn ich versuche, mich in Jeannett hinein zu versetzen, blicke ich in Abgründe. Ihre leibliche Familie ist ständig in ihrem Kopf. Das wird vom Kindesvater auch bewusst ausgenutzt. Die traumatisierenden Erfahrungen der Vernachlässigung und höchst wahrscheinlich auch des Missbrauchs hat sie verdrängt und ganz unten in ihren Rucksack gepackt. Sie spaltet diese Erfahrungen von ihrer alltagsnahen Persönlichkeit ab und glaubt, sie könne das alles ungeschehen zu machen. Darin tut sie es ihrem Vater nach. Keine Frage nach der Kindheit, nach den Schmerzen, die sie ertragen musste. Acht Jahre lang hat sie erfahren, wie Familie funktionieren kann, dass einer für den anderen einsteht. Das kann ihr Vater nicht akzeptieren. Er versucht sie, in den alten Dunstkreis zurück zu ziehen, mit allen Mitteln, die ihm zu Gebote stehen. Er schürt bewusst den Konflikt und die Entfremdung zu uns. Aber er bedenkt nicht, dass Jeannett, jetzt eine selbstbewusste Jugendliche, auch eine Entwicklung durchgemacht hat. Er fordert einfach Gehorsam und die verwandtschaftliche Beziehung ein, egal, wie es seiner Tochter gehen mag. Andererseits lebt sie in unserer Familie, mit allen Bezügen und Verbindungen. sie weiß jetzt, wie Familie richtig geht. Deshalb versucht sie, dieses Modell auf ihre leibliche Familie zu übertragen und gerät selbst in Konflikte.

Für uns ist das alles schwer nachvollziehbar, aber wir müssen die Situation so akzeptieren, wie sie ist. Wir haben beschlossen, Jeannett sich so entwickeln zu lassen, wie sie es möchte aber stehen dazu bereit, sie aufzufangen, wenn sie fallen sollte; eine Lage, die wir für unausweichlich halten.

Wir versuchen, uns nicht zur Partei in diesem schlechten Spiel machen zu lassen. Zugleich wissen wir, dass wir es bereits sind. Nicht, weil wir uns dies ausgesucht hätten, sondern weil man uns in diese Position drängt, immer und immer wieder. Ständig versucht der Kindesvater uns gegenüber Jeannett schlecht zu machen und sie dazu zu bringen, sich von uns zu trennen. Wir können das in unserer Professionalität aushalten, aber für Jeannett bedeutet es einen unaushaltbaren Konflikt. Sie wird sich früher oder später entscheiden müssen.

Es ist offensichtlich, dass sich die Aktionen des Kindesvaters nicht um das Wohlergehen seiner Tochter drehen. Er versucht uns als Pflegeeltern und Bezugspersonen für seine Tochter so tief wie möglich zu verletzen und weit wie möglich zu schaden. Das fällt bei uns nicht auf fruchtbaren Boden, aber es zerstört seine Tochter. Ihm ist das egal. Aber das mit ansehen zu müssen schmerzt uns sehr.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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