Eidesstattliche Versicherung

Als Pflegeeltern hat man normalerweise alles andere zu tun als sich vor Gericht herumzutreiben. Da aber in vielen Aspekten die rechtliche Position von Pflegeentern völlig ungeklärt ist und immer im Einzelfall entschieden wird, ist es manchmal mehr als einmal erforderlich, ein Gericht anzurufen.

Wir haben uns entschieden, für Jeannett einen Antrag auf Verbleib in unserer Familie zu stellen, um sie davor zu schützen, in ihrer Herkunftsfamilie in eine ungesicherte Zukunft zu gehen. Der Beginn des Verfahrens ist eine Eidesstattliche Versicherung, die wir zu ihrer momentanen Situation abgeben müssen.

Eidesstattliche Versicherung

In Kenntnis über die Bedeutung einer eidesstattlichen Versicherung als Mittel der Glaubhaftmachung tatsächlicher Angaben in einem geordneten Verfahren vor einer Behörde oder einem Gericht, wobei der Behörde oder dem Gericht vorbehalten ist, darüber zu entscheiden, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang die Angaben zur Glaubhaftmachung geeignet sind, sowie belehrt über die strafrechtlichen Folgen einer vorsätzlich oder fahrlässig falschen Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung, insbesondere der Strafvorschriften der § 156 und § 163 Strafgesetzbuch (1 Jahr Freiheitsstrafe bei Abgabe einer fahrlässigen bzw. 3 Jahre bei einer wissentlich falschen eidesstattlichen Versicherung) erkläre ich:

 

Zur Person (Vorname, Name, Geburtsort, Anschrift):

 

Zur Vorlage bei (Gericht, Behörde):

 Amtsgericht , Familiengericht

 Zur Sache/ in dem Verfahren (Verfahrensbezeichnung, Geschäfts- oder Aktennummer):

 

Gutmann ./. Sodann, Verbleibensanordnung

 Aus folgenden Gründen befürchte ich, dass der sorgeberechtigte Kindesvater, Herr Sodann, von uns die sofortige Herausgabe unserer Pflegetochter Jeannett Sodann gegen mein Einverständnis fordern wird:

Mit Bestürzung habe ich am 26.6. d.J. von Jeannett erfahren, dass ihr Kindesvater sie ultimativ aufgefordert hat, sich innerhalb von zwei Wochen zu entscheiden, nach Berlin umzusiedeln. Ich befürchte nun, dass der Kindesvater persönlich oder durch Helfershelfer an diesem Tage bei uns die Herausgabe seiner Tochter fordern wird. Jeannett hat uns noch am heutigen Tage vermittelt, dass sie für eine derartig wichtige Entscheidung mehr Zeit braucht.

Insbesondere macht mich betroffen, dass der Kindesvater offensichtlich, wie er in einem Telefonat am 2.6. mit uns bekräftigte, sich nicht mehr an die Absprachen des Hilfeplans halten wolle. Er bekräftigte seine Ansicht mit den Worten: „Ich zieh das jetzt durch!“

Im Hilfeplan vom 7.5. d.J. vereinbarten wir mit Herrn Sodann, die Besuchskontakte zunächst vorsichtig angehen zu lassen und zu entwickeln. Weil Jeannett den dringlichen Wunsch äußerte, übernachten zu dürfen, haben wir dem mit Absprache mit dem zuständigen Jugendamt zugestimmt, obwohl wir von einem so schnellen Vorgehen nicht überzeugt waren.

Während unseres Urlaubes an der Müritz erzählte mir Jeannett von einem Telefonat mit ihrem Vater, das in unserer Abwesenheit stattfand. Hierin teilte der Kindesvater Jeannett mit, dass er sich bei einem Anwalt Rat suchte und sie sofort abholen könne, wenn Jeannett dem zustimme. Ab diesem Zeitpunkt war Jeannett stark verunsichert und reagierte auffällig aggressiv. Für mich bedeutete diese Nachricht eine starke psychische Belastung, da ich von nun ab damit rechnen musste, das der Kindesvater jederzeit die Herausgabe seiner Tochter fordert. Außerdem habe ich in den kommenden Tagen viel Zeit darauf verwenden müssen, mir telefonisch Rat bei unserem zuständigen Jugendamt holen zu müssen. Dennoch habe ich versucht, den Kindesvater in dem erwähnten Telefonat umzustimmen. Meine Absicht blieb erfolglos, obwohl wir unsere Bereitschaft zu regelmäßigen Besuchskontakten mehrfach anboten. Wir konnten und können in Herrn Sodanns Verhalten keinerlei Kompromiss- und Kooperationsbereitschaft mehr erkennen.

Jeannett vermittelt mir hingegen, dass sie von uns erwartet, dass wir ihr in dieser misslichen Situation Schutz bieten. Am 22.6., nachdem sie vom Besuchskontakt bei ihrem Vater zurückkehrte, äußerte sie wörtlich: „Ihr solltet euch jetzt auch einen Anwalt nehmen.“

Weil ich selbst Pädagoge bin, weiß ich, wie wichtig eine gute Schulbildung und ein guter schulischer Abschluss ist. Ich habe erreicht, dass Jeannett eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe besuchen kann. Damit hat sie die Chance, eine höhere Schulbildung zu erreichen. Sollte Jeannett in Berlin zur Schule gehen müssen, wäre diese Chance vertan, da sie auf Grund ihrer sozialen Behinderung eine Oberschule mit Integratiosstatus oder Förderschule besuchen müsste. Darüber hinaus würde Jeannett ihr gesamtes soziales Umfeld verlieren, das sie sich bis heute bei uns aufgebaut hat. Bei einer sofortigen Herausnahme würde sie die Möglichkeit verlieren, an einer schulischen Bildungsfahrt nach England Ende September teilzunehmen, auf die sie sich sehr freut. Ferner plant Jeannett bis ins Detail ihr Schulpraktikum im Dezember und hat bereits auf ihre eigene Initiative zwei Praktikumsplätze in Aussicht. Es ist nicht sicher gestellt, dass Jeannett bei der Eingewöhnung in das Großstadtleben nicht scheitern würde.

Im Falle der sofortigen Herausnahme könnte ich einen Untersuchungstermin mit Jeannett aus Anlass der Auszahlung eines Rentenanspruches nach OEG am 9.8. nicht wahrnehmen. Ebenso würde meine Tätigkeit als Ergänzungspfleger für den Bereich der Vermögenssorge erheblich erschwert werden.

Abschließend möchte ich meiner Einschätzung Ausdruck verleihen, dass eine Herausnahme aus unserer Pflegefamilie, besonders, wenn sie sofort stattfinden sollte, sich für Jeannett extrem nachteilig auswirken würde. Die Nähe zum Kindesvater würden wir durch regelmäßige Besuchskontakte sicherstellen können. Ebenso bieten wir dem Kindesvater erneut an, mit ihr in allen Jeannett betreffenden Fragen eng zusammen zu arbeiten.

Die vorstehenden Tatsachen habe ich nach bestem Wissen und Gewissen gemacht. Sie sind richtig und vollständig. Dies versichere ich hiermit an Eides Statt.
Für mich war die Abfassung dieser Erklärung ein Revuepassieren aller Ereignisse, die zu der jetzigen Situation geführt haben. Aber sie hat mir auch gezeigt, wie verfahren die Situation bereits ist, dass wir uns bereits solcher Mittel bedienen müssen, um unserer Pflegetochter zu helfen und sicher zu stellen, dass sie sich weiterhin positiv entwickeln kann. Sie zeigt mir auch die Absurdität, die hinter dem Sorgerecht steht und mit der leibliche Eltern den Anspruch auf ihre Kinder geltend machen.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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