Sind wir schuldig?

Oft wissen Pflegeeltern, wenn sie ihre Pflegekinder bekommen, nicht, was ihnen bevorsteht. Dann kommt plötzlich eine Situation, die ihnen alles abverlangt. Die Kinder laufen auf die Straße, brüllen, schreien. Alle müssen denken, dass die Kinder misshandelt worden sind. Aber dann beruhigt sich alles wieder. Bis irgendwann nach Jahren sich jemand daran ereinnert und das Ereignis als Waffe einsetzt.

Frau Gerster vom Jugendamt ruft an. Sie klingt ernst.

„Ich habe hier eine Beschwerde des Kindesvaters vorliegen“, setzt sie mich in Kenntnis. „Es soll da vor einigen Jahren einen Vorfall gegeben haben, da seien aus Ihrem Haus laute Kinderschreie zu hören gewesen. anschließend soll Susann weinend vor Ihrem Grundstück auf der Straße gesessen haben.“

„Ja, das stimmt“, erinnere ich mich. „Es ist damals eine anonyme Anzeige gegen uns beim Jugendamt eingegangen. Darauf hin kam Frau Schiling in Begleitung zu uns zu Besuch und hat uns dazu angehört. Die Untersuchung ergab keine Bedenken gegen uns.“

„Ja, das habe ich auch aus der Akte ersehen“, bestätigt mich Frau Gerster. „Aber es würde mich interessieren, wie es zu dem Vorfall kam.“

„Es gab ja ständig Auseinandersetzungen mit den Kindern“, bemühe ich mich zu erklären, „während derer Susann wie am Spieß schrie. Das konnte allein die Aufforderung sein, sich die Zähne zu putzen. Dann wurde sie aggressiv, ging zur Eingangstür hinaus und setzte sich auf die Straße. Aber nach ein paar Minuten kam sie dann wieder ins Haus und alles war wieder gut.“

Sie müssen verstehen“, entschuldigt sich die Sachbearbeiterin, „aber der Kindesvater hat eine Beschuldigung erhoben, dass Jeannett bei Ihnen nicht gut aufgehoben sei und ich muss prüfen, ob daran etwas an Substanz ist. Aber ich habe mir schon denken können, dass es mit der Traumatisierung der Kinder zu tun hat.“

Ich werde unsicher. Bedeutet das, dass der Kindesvter diese Anschuldigung auch vor Gericht vortragen wird? „Was bedeutet denn diese Beschuldigung nun für die Verhandlung vor Gericht?“, frage ich verunsichert.

„Das wird sicher das Verfahren nicht beeinflussen, selbst, wenn es zur Sprache kommt“, beruhigt mich Frau Gerster. Die Angelegenheit ist lange her. sie haben sich schließlich intensiv Hilfe gesucht, sich fortgebildet und alles getan, um diese Situationen zu bewältigen. Das Wichtigste ist jetzt, dass Sie einen Verbleibensantrag stellen.“

Das ist mein nächster Schritt. Ich suche die Praxis unserer Anwältin auf und schildere die Situation. Natürlich erwähne ich auch den vorwurf gegen uns.

„Sie sollten jetzt sofort tätig werden“, mahnt mich die Juristin. „Ich werde sofort Antrag auf Verbleib stellen und eine Einstweilige Anordnung zum Verbleib beantragen. Von Ihnen brauche ich jeweils eine Eidesstattliche Versicherung, in der Sie die Entwicklung bei Ihnen und die Gefahren darstellen, die Jeannett durch eine Umsiedlung nach Berlin drohen würden.“

„Was die Anschuldigung gegen Sie angeht“, fährt sie fort, „so brauchen Sie sich keine Gedanken zu machen. die Sache ist längst verjährt und sie haben nachweislich viel mehr erreicht und positiv gewendet, als Sie falsch gemacht haben. Die Kinder haben Ihnen längst verziehen. Im Verfahren schildern sie die Sache so, wie Sie sie mir geschildert haben. die Bewertung übernehme ich.“

Es tut uns gut, dass wir die Rückendeckung des Jugendamtes und der Rechtsvertreterin haben. Dennoch aber bleibt ein ungutes Gefühl. Haben wir wirklich alles Mögliche getan, um die Kinder zu schützen und positiv zu begleiten? Waren wir geduldig und professionell genug? Was hätten wir besser machen können?

Mir schwant, dass es wirklich gar nicht um die Kinder geht. es ist nichts weiter als eine erneute Breitseite gegen uns als Pflegeeltern. Gerade jetzt wird herausgekramt, was lange vorbei ist, mit dem einzigen Ziel, uns zu diskreditieren. wir sind dumm genug, uns ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen. Wenn das so weiter geht, müssen sir uns noch warm anziehen.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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