Einverständnis vorausgesetzt

Pflegeeltern haben eine echte Aufgabe darin, für ihre Pflegekinder Besuchskontakte zu planen. Wenn das Geschwisterkind in einem Heim lebt, sollte man meinen, dass Jugendamt und Heimerzieher vertrauensvoll mit ihnen kommunizieren. Aber das ist nicht immer so.

Durch ein Telefonat, dass Jeannett mit Susann führte, erfahren wir en passant, dass für Susann ein Hilfeplangespräch festgelegt worden ist, dass sie danach eine Woche bei ihrem Vater in Berlin bleibt und danach Jeannett bei uns besuchen soll. Alle scheinen es zu wissen, nur nicht wir. Niemand spricht mit uns, holt unsere Zustimmung ein. Keine Absprache darüber, wie der Besuch verlaufen soll, wann sie hier ankommt und wann sie wieder abreisen soll. Ebenso keine Information darüber, ob und wie viel Geld sie zur Verfügung haben wird. Völlig ungeklärt sind auch rechtliche Fragen wie z.B. die Aufsichtspflicht.

Zwei Tage vor dem Umgangskontakt rufen wir im Heim an. Die Erzieherin hat keine Ahnung. Sie scheint zu meinen, dass wir den Termin, der mit uns gar nicht besprochen wurde, absagen wollen und schiebt Susann am Telefon vor. Aber auch Susann hat keine Vorstellung davon, was sie am Wochenende mit Jeannett unternehmen will.

„Wenn es euch nicht recht ist, dann kann ich ja eine Woche später besuchen“, versucht sie einzulenken. Niemand dort scheint zu verstehen, dass es hier nicht um einen missliebigen Termin geht, sondern um die Art und Weise, wie man uns überrumpelt und instrumentalisiert. Dann wird das Gespräch jäh unterbrochen.

Jeannett ist in heller Aufregung. Sie ruft Susann auf ihrem Handy an. Wir bsprechen Susanns Besuch und Ankunft. Und es wird ein schöner Tag, Susann ist völlig entspannt, mehr als Jeannett.

„Wenn du willst, kannst du ja mal am Wochenende übernachten“, lässt Ruth durchblicken.

Susann strahlt vor Vorfreude. „Au ja, das möchte ich gerne!“ Jeannetts Gesicht aber verfinstert sich. Sie fürchtet eine Konkurrenz in ihrer Beziehung zu uns.

Uns ist unklar, wie es sich Institutionen wie Jugendämter und Heime erlauben können, über unsere Zeit zu verfügen. Pflegeeltern werden eben häufig nicht als Partner gesehen, sondern als unbequeme Einrichtung, die sich aber nach den Vorgaben zu richten haben, die man ihnen macht. Selbständig denken un entscheiden stört da nur. Wozu also soll man sie mit einbeziehen in Entscheidungen, wenn man sich selbst für die mit aller Macht ausgestatteten Profis hält? Unprofessionell hingegen ist es nach unserer Auffassung, keine rechtlichen und pädagogischen Absprachen zu treffen.

Wir wollen nicht, dass hier ein Kompetenzgerangel auf Susanns Rücken ausgetragen wird. Es geht uns um die beiden Kinder. Deshalb haben wir kein Problem daraus gemacht. Unprofessionell ist es allemale.

 

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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2 Antworten zu Einverständnis vorausgesetzt

  1. Land Ei schreibt:

    „… häufig nicht als Partner gesehen, sondern als unbequeme Einrichtung, die sich aber nach den Vorgaben zu richten haben, die man ihnen macht.“
    Ich würde das Wort unbequem eintauschen wollen gegen „billig“. Und was billiig ist, ist auch nichts wert. Also auch keine Absprachen oder gar Nachfragen.

    Wir haben es hier auch gerade wieder recht lustig mit dem Jugendamt. Wenn ich nicht genau wüsste, dass das immer so läuft da, würde ich glatt meinen, es läge an der derzeitigen Großwetterlage. Die Hitze macht ja so einigen Gehirnen ein bisschen zu schaffen. Aber wie gesagt…. die, mit denen wir jetzt gerade wieder zu tun haben, sind immer so heiß gelaufen.

    *heftig mit den Augen roll*

    Das LandEi

    • Sir Ralph schreibt:

      Oh ja, LandEi, obwohl wir es zuletzt nach einem Personal- und Paradigmenwechsel bei unserem Jugendamt ganz gut hatten. Aber auch die Einrichtungen, mit denen wir zu tun hatten, waren doch meist recht unprofessioness, was Pflegeeltern angeht. Sie meinen einfach, sie könnten nach Belieben verfügen und vergessen dabei, dass die Pflegeeltern diejenigen sind, die ständig und täglich mit den Kindern zu tun haben.

      Alles Gute und viel Kraft

      Sir Ralph

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