Hilfloses Plangespräch

Pflegeeltern sind ja so manches gewöhnt, was Hilfeplangespräche für ihre Pflegekinder angeht. Die leiblichen Eltern erscheinen nicht oder zu spät, sie haben keine Ahnung, was sie da sollen oder sie verweigern jede Mitarbeit. Wir machen heute eine neue Erfahrung: Die Aufkündigung der Zusammenarbeit zusammen mit der eiskalten Durchsetzung der eigenen Interessen in Verbindung mit der Ablehnung jeder Verantwortung.

Wir treffen uns heute im großen Kreis. Frau Gerster als federführende Sachbearbeiterin ist dabei, zusammen mit Jeannett, Ruth und mir. Auf der anderen Seite finden sich der Kindesvater und seine Lebensgefährtin. Die hat der Kindesvater als Beistand gemäß SGB X § 13 mitgebracht. Er kennt seine Rechte.

So wie wir es mit Frau Gerster besprochen haben, soll der erste Umgangstermin unbegleitet und vor den Sommerferien stattfinden. Wir sollen Jeannett zur Wohnung bringen und dort an den Kindesvater übergeben.

„Voraussetzung für den Umgangskontakt“ erläutert Frau Gerster, „ist, dass die Pflegeeltern Jeannett in Ihrer Wohnung übergeben und wieder abholen.“ Und versöhnlich: „Vielleicht können Sie ja auch eine Tasse Kaffee zusammen trinken.“

Der Kindesvater, auf einen Stuhl geflezt, widerspricht. „Dit kommt nu jar nich in Frage“, poltert er los. „Dit is nich meene Wohnung. Die jehört meener Lebensjefährtin.“

Diese, vollschlank, halblange schwarze Haare und das Gesicht auffällig bemalt, kann sich kaum halten.

„Richtich, und ick bestimme, wer meene Wohnung betritt. Die Herrschaften da drüben jehörn jarantiert nich dazu. Außerdem, die Wohnung is duchrs Jugendamt überprüft worden.

„Sie wollen also nicht mit den Pflegeeltern zusammenarbeiten“, kommentiert Frau Gerster vorsichtig.

„Dit müssen wa nich“, weigert sich der Kindesvater. „Ick hab aber trotzdem meen Recht uff Umjang.“

„Aber die Form bestimmt das Jugendamt“, gibt Frau Gerster zurück, nun sichtlich erbost und erregt.

„Na und?“ Der Kindesvater tut gelangweilt. „Denn wolln wa ma sehn wer vor Jericht Recht bekommt.“

Es scheint, als ob wir die Zusammenarbeit des Kindesvaters mit uns nicht erreichen können. Aber er ist rein rechtlich in der stärkeren Position. So endet das Gespräch im Unklaren. Wir sehen nur eine Möglichkeit: Den Kindesvater in die Verantwortung zu nehmen.

Unser Eindruck von dieser Begegnung war alles andere als positiv. Es scheint,  dass wir uns auf einen harten Kampf einlassen müssen.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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2 Antworten zu Hilfloses Plangespräch

  1. Land Ei schreibt:

    na super….. :-((
    Voll cool, wenn manche Leute ganz genau wissen, was ihr „Recht“ ist, aber leider darüber ganz vergessen, was gut wäre für ihre Kinder.
    ‚Das zeugt von immenser geistiger Reife, wirklich. Alle Achtung.

    (Ich schreib mich hier gerade in Rage, weil mich sowas echt ärgert)
    Ich geh dann mal den Reisebären vom Baum pflücken, auf dem er neuerdings immer hockt (immerhin ein Baum und keine Palme *gg*) und verabreiche ihm ein vitaminreiches Abendessen…. 😉

    Starke Nerven wünscht euch weiterhin
    das LandEi

    • Sir Ralph schreibt:

      Oh ja, LandEi, der Vater unserer Tochter ist besonders gut darin, Konflikte zwischen ihr und uns zu schüren. Das wird sich auch noch später und viel stärker zeigen. Es geht immer noch schlimmer!

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