Alles nur Theater?

Pflegeeltern wissen manchmal nicht, woran sie mit ihren Pflegekindern sind. Können sie ihnen Glauben schenken? Oder spielen sie manchmal nur Theater?

Jeannett fällt mir heute Morgen beim Wecken in den Arm und weint.

„Daddy, ich habe wieder einen Alptraum gehabt. Ich habe geträumt.ich bin vergewaltigt worden.“

Was um Himmels Willen mache ich jetzt, schießt es mir durch den Kopf. Ist das nur ein Trick, um nicht zur Schule gehen zu müssen? Oder hat es womöglich tiefere Ursachen in ihrer Vergangenheit? Soll ich sie jetzt nach Details befragen? Was passiert dann? Wird sie getriggert? Wird sie dissoziieren?

Ich entscheide blitzschnell, kein Risiko einzugehen. Ich beruhige sie, sie zittert. Sie wird nicht zur Schule gehen. Sie legt sich wieder schlafen.

Nachmittags, als ich vom Dienst komme, beschwört sie mich. „Daddy, ich hatte wirklich nicht die Absicht, nicht zur Schule zu gehen. Es war so schrecklich.“

Ist es nicht letztlich egal, frage ich mich, ob es nun richtig ist, ihr zu glauben? Was kann weiter passieren, als dass Jeannett einen minimalen Erfolg verbucht hat? Was aber hätte passieren können, wenn ich ihr nicht geglaubt hätte? Schlimmstenfalls hätte ich ihr Vertrauen verloren und niemals wiedererlangt, für alle Beteiligten die größte aller anzunehmenden Katastrophen.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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4 Antworten zu Alles nur Theater?

  1. Matthias Piro schreibt:

    Ja, das Vertrauen zum Vater ist so wichtig wie nur irgend etwas. Sind nicht wir Väter auch ein Abbild Gottes und wird nicht unser Verhalten von den Kindern auch auf Gott übertragen? – Weisheit, die richtigen Fragen und der richtige Zeitpunkt zum Nachfragen sind gefordert.

    • Sir Ralph schreibt:

      Naja, erstens bin ich nur der PFLEGEvater und zweitens gibt es eben genug Väter, vor denen sich ihre Töchter fürchten müssen. Welchen Stellenwert Jeannetts Vater in ihrer Entwicklung hat, muss sich noch erweisen. In meinem Verständnis ist Gott auch nicht notwendigerweise männlich, eher androgyn und bestenfalls die Kraft, die das Universum und das Leben zusammen hält, der Schöpfergott, der Jahwe, der „Ich-bin-der-ich-bin“, von dem wir us kein Bildnis machen sollen.

      Aber, da stimme ich zu, die richtigen Fragen zum richtigen Zeitpunkt zu stellen, ist eine Kunst, die schwer ist, zu beherrschen.

      • Matthias Piro schreibt:

        Ja, Pflegekinder haben neben all den anderen Belastungen auch noch immer wieder zu entscheiden, welcher der Väter ihnen Halt geben kann: Das Zerrbild eines leiblichen Vaters, was auch immer dieses Bild geprägt hat oder der Pflegevater, der mit aufopfernder Mühe alles gibt, um dem Kind Halt, Richtung und Zukunft zu geben – was das Kind natürlich so noch nicht versteht. Verliere nicht den Mut und sieh auf die Fortschritte und darauf, welches Vorrecht es ist, für die Kinder da ein zu können, weil es uns so gut geht – um noch mal auf die Bibel zurück zu kommen: Luk 9, 48: Wer ein Kind aufnimmt…“

      • Sir Ralph schreibt:

        Eine der schönsten Bibelstellen überhaupt!

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