„Ich schaff das alleine!“

Pflegeeltern sollen ihren Pflegekindern dabei helfen, mit ihren Problemen klar zu kommen. Das möchten wir tun. aber häufig lehnen traumatisierte Kinder gerade diese Hilfe ab. vielleicht weil sie glauben, ihre Pflegeeltern sind zu parteiisch?

Wir müssen auf Jeannett aufpassen. sie isst kaum noch Frühstück und schafft es nicht, ihr Zimmer in einen begehbaren Zustand zu bringen. Wenn wir ihre Kontakte zu Susann ansprechen, reagiert sie gereizt.

Beim Abendessen spreche ich sie auf den morgigen Therapietermin an. Sie will nicht mit den Therapeutinnen sprechen. Andererseits hat sie keine Vorstellungdavon, wie der nächste Umgangstermin mit ihrer Schwester ablaufen soll und schon gar nicht davon, wie sie sich ihre Taufe und Konfirmation vorstellt. Susann soll unbedingt dabei sein, aber sie will, dass ihr leiblicher Vater ihr vorher ein paar Informationen zu ihrer Mutter und ihrer Familie gibt, bevor er eingeladen wird. Es ist ihr überaus wichtig. Wenn es aber um ihre Familie geht, ist sie aggressiv und aufgewühlt. Wir erhoffen uns Hilfestellung von den Therapeutinnen.

„Ich schaff das alleine“, brüllt sie mich an. „Niemand hat mir etwas zu sagen, schon gar nicht diese beiden Zicken! Ich entscheide ganz allein, wem gegenüber ich mich öffne!“

Das Problem ist nur, dass Jeannett sich niemandem gegenüber öffnen kann und sie es als ihren Willen deklariert. Wir würden ihr so gerne helfen, wir haben die Erfahrung, aber sie lässt es nicht zu.

Es ist das bittere Schicksal von traumatisierten Kindern, die so gerne ein normales Leben führen würden. sie können es nicht, solange sie ihre Vergangenheit nicht akzeptieren.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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2 Antworten zu „Ich schaff das alleine!“

  1. Land Ei schreibt:

    Ja – genau SO. An dem Punkt sind wir auch gerade…. nur ist das Zicki schon ein paar Jahre älter und es sieht trotz Chaos in ihrem Kopf (gerade mal wieder, es gibt ja zum Glück auch andere Phasen) so aus, als sei sie durchaus gereift und mittlerweile zum Annehmen der angebotenen Hilfen bereit…. Ich glaube, das ist wie so eine Art „Suchtverhalten“, und sie müssen erst wirklich großen Leidensdruck spüren (oder überhaupt irgendwas spüren…?) bevor sie Hilfen annehmen können und wollen.

    • Sir Ralph schreibt:

      Hallo, Landei, und herzlich willkommen bei den Traumakindern! Das mit dem Annehmen von Hilfe ist so eine Sache. Es gibt Kinder, die können auf Grund ihrer Krankheit keine Hilfe annehmen, weil sie sich nichts so sehr wünschen, als als gesund zu gelten und nicht mehr an den ganzen Dreck aus der Kindheit zu denken. Leider geht das nicht und ihre Erlebnisse aus der Vergangenheit holen sie immer wieder ein. Vielleicht wird´s dann später mal was mit der Aufarbeitung…

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