Nehmt mich an so wie ich bin!

Traumatisierte Pflegekinder streben mehr als andere Kinder immer wieder nach Anerkennung. In der Schule, in der Familie, im Hort. Aber sie bekommen zu wenig davon. Hier ein flehender Brief an eine Klassenkameradin:

Liebe Janine,

möchtest du meine beste Freundin sein? Ich mag dich sehr, magst du mich auch? Dass du immer mit den anderen Mädels rumhängst, finde ich blöd. Und auch, dass du nichts gemacht hast, als die Jungs mich gestern mit Schnee beworfen haben. Wir sind doch Freundinnen. Oder magst du mich nicht mehr? Warum wolltest du mich in der Schule nicht in deiner Gruppe haben? Können wir nicht mal zusammen Schulaufgaben machen? Deine Jeannett

Andere Kinder sind einfach integriert und Teil der Gemeinschaft. Nicht so traumatisierte Pflegekinder, die immer im Mittelpunkt stehen wollen und andere Menschen mit Haut und Haaren vereinnahmen. Wenn das nicht klappt, fühlen sie sich in ihrem Selbstwertgefühl verletzt und kommen sich wertlos vor. Schließlich mussten sie in ihrer Kindheit immer um Liebe und Zuneigung betteln und haben sie doch nie bekommen. Nie sind sie richtig wahrgenommen worden und immer als Belastung empfunden worden.

In einer Art sich selbst erfüllenden Prophezeihung ziehen sie immer wieder dasselbe Schicksal auf sich. Es ist ein Teufelskreis. Auch Pflegeeltern kann es treffen. Wie oft müssen sie sich Vorwürfe anhören, dass sie ihre Pflegekinder nicht richtig wahrnehmen, sich nicht richtig um sie kümmern. Manche Pflegekinder verlassen ihre Pflegefamilie nur deshalb, weil sie meinen, woanders mehr Aufmerksamkeit und Zuneigung zu bekommen. Erst sehr spät merken sie, dass sie sich viel mehr erhofft haben, als sie je bekommen können.

Eigentlich möchten sie nichts weiter als als normal zu gelten, nicht als ungewöhnlich. Das aber kann nie klappen, allein deshalb, weil sie bei Menschen wohnen, die nicht ihre Eltern sind. Aber auch deshalb, weil sie sich anders verhalten und ihre Kindheit, anders als bei den meisten anderen, von Grausamkeiten, Gewalt und Vernachlässigung geprägt war.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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