Gespräch beim Jugendamt

Pflegeeltern müssen sich ständig rechtfertigen. Das Jugendamt will ständig wissen, was los ist und die Entwicklung in seinem Sinne beeinflussen.  So ein Tag ist heute.

Ruth hat Dienst, sie kann nicht dabei sein. Ich sitze einer merkwürdigen Mischung gegenüber: Frau Schilling und Frau Gerster sind dabei, weiter die Leiterin des Jugendamtes, Frau Müller und die Psychologin des Landkreises. Eine Praktikantin ist auch dabei.

Nach der höflichen Begrüßung der Anwesenden lasse ich es gleich krachen.

„Ich widerspreche in aller Schärfe der Anwesenheit von nicht berechtigten Teilnehmern“, mache ich deutlich.

„Sie meinen die Praktikantin? Dazu haben Sie natürlich das Recht“, erwidert die Leiterin des Jugendamtes. „Ich bitte Sie, den Raum zu verlassen“, wendet sie sich an die Praktikantin.

Beleidigt schließt die junge Frau die Tür hinter sich.

„Darüber hinaus muss ich feststellen, dass die Zusammensetzung der Teilnehmer des Gespräches nicht den gerichtlichen Vorgaben entspricht“, setze ich meine Kritik beherzt fort.

Frau Schilling verzieht das Gesicht. „Aber wir haben alle Fachleute, die mit dem Thema befasst sind, beisammen“, rechtfertigt sie sich.

„Ich kann nicht erkennen, dass irgend jemand, der mit der Behandlung der Kinder befasst ist, anwesend ist“, fahre ich fort. „Es sind nur Anwesende zugegen, die eindeutig die Interessen des Jugendamtes vertreten, aber niemand, der das Kindeswohl im Auge hätte.“

„So ist das aber nun nicht“, empört sich Frau Schilling, „Wir alle haben nur das Wohl der Kinder im Auge!“

„Das kann ich nicht erkennen“, gebe ich zurück. „Vielmehr habe ich den Eindruck, dass, besonders was die Besuchskontakte angeht, es mehr um den leiblichen Vater als um die Kinder geht.“

„Sie möchten also eine andere Zusammensetzung der Gesprächsteilnehmer?“, erkundigt sich Frau Müller. „Wie stellen Sie sich das vor? Die therapeuten, die Sie gerne am Tisch sitzen haben wollen, lassen sich das bezahlen. Das können wir nicht leisten.“

„Für mich ist nicht erkennbar, dass es sich hier um mein Problem handelt“, erwidere ich. „Wenn es sich um das Wohl der Kinder handelt, sollte es möglich sein, dafür auch ins Portemonnaie zu greifen.“

Betroffen blicken sich die Damen an.

„Aber wir haben doch hier eine Anwesende, die vom Fach ist“, versucht Frau Müller die Psychologin ins Spiel zu bringen. Diese fängt den Ball auf.

„Ich habe festgestellt, dass beide Kinder dringend eine therapie brauchen. Ich würde für eine Behandlung plädieren, die so bald wie möglich einsetzt.“

„Susann war doch in Therapie“, wendet sich Frau Schilling an mich. „Warum haben sie sie abgebrochen?“

„Weil es die falsche Therapieform ist. Eine Traumatherapie ist die einzige angemessene Therapieform“, antworte ich jetzt mutig. „Das festzustellen und zu erläutern, hätte ein entsprechender Therapeut auf dieses Gespräches leisten können.“

„Frau Meyer-Frankenfeldt hat mir gegenüber in einem Telefonat ebenso bestätigt, dass ein Therapeutenwechsel jetzt das Schlimmste ist, was man tun könnte“, hält Frau Schilling dagegen und ergänzt „Ich bin kein Therapeut, ich kann mich da nur auf die Aussage von Fachleuten verlassen.“

„Dann bemühen Sie doch auch Fachleute!“, insistiere ich.

„So kommen wir nicht weiter“, stellt Frau Müller unter dem Kopfnicken der anderen Anwesenden fest.

„Das sehe ich auch so“, bestätige ich und fahre fort: „Es ist wohl sinnvoll, das Gespräch wieder aufzunehmen, wenn Sie dafür Sorge tragen, dass den gerichtlichen Vorgaben auch wirklich Folge geleistet wird, Anderenfalls haben wir noch immer die Möglichkeit, das gerichtliche Verfahren wieder aufzunehmen.“

Das war´s. Höflich werde ich verabschiedet und trete, mit etwas Stolz, den Heimweg an. Der Ausgang des Treffens war vorhersehbar.

Dennoch macht mich die Art und Weise, in der dieses Jugendamt versucht, uns hinters Licht zu führen, wütend. Glauben die wirklich, ich würde mir gefallen lassen, von denen vorgeführt zu werden? Oder haben sie nicht begriffen, dass das Gericht eindeutig von verschiedenen Fachleuten zum Wohle der Kinder ausgegangen ist? Das eine wäre schlimmer als das andere. Hilfe ist von diesen Amtsangestellten wohl nicht zuerwarten.

So stehen wir also wieder allein da. Wenn wir unseren Kindern helfen wollen, müssen wir alles selbst organisieren. Wir ahnen nicht, dass wir daran scheitern werden.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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