Eine wahre „Amtshilfe“

Wenn Pflegeeltern etwas für ihre Pflegekinder tun wollen, müssen sie sich manchmal auf enorme, unbegründete Vorwürfe einstellen. Wenn sie Pech haben, machen leibliche Eltern und Jugendämter dabei noch gemeinsame Sache.

So hat unser Jugendamt das für den Kindesvater zuständige Jugendamt um Amtshilfe ersucht. Das Ergebnis ist für uns als die Pflegeeltern ernüchternd.
Hier das Schreiben des Jugendamtes des Kindesvaters:

„Herr Sodann erschien in Begleitung seiner Lebensgefährtin. Herr Sodann spach sich vehement und sehr emotional gegen den Umgangsausschluss und den Sorgerechtsentzug in Bezug auf seine Töchter aus.

Wer hätte das gedacht! Es geht ihm nur um die Wahrung seiner Rechte, die beiden Mädel spielen für ihn nicht die Spur einer Rolle. „Emotional“ soll wohl heißen, dass er sehr laut geworden ist. Die Rolle seiner Lebensgefährtin wir noch später deutlich werden.

Herr Sodann bestreitet, dass die Kinder nach dem Kontakt mit ihm retraumatisiert werden. Er hätte sich gewünscht, dass dieser Sachverhalt, genau wie die Themen Umgangsausschluss und Sorgerechtsausschluss mit ihm im Vorfeld besprochen worden wären.

Warum sind diese Themen, die wir bei Frau Schilling oft genug angemahnt haben und die auch Gegenstand von Hifeplangesprächen waren, nicht angesprochen worden? Es sind doch nicht die Pflegeeltern, die dafür zuständig sind, sondern die Ämter. Der Vorwurf  aber geht gegen uns und lässt uns in einem schlechten Licht erscheinen. Das ist auch die Absicht hinter der Aktion. Wir hätten nach Ansicht der Jugendämter den Kindesvater informieren müssen. Für die Sachbearbeiter wäre das natürlich megapeinlich.

Der Kindesvater hatte bei den telefonischen Kontakten nicht den Eindruck, dass diese sich negativ auf die Kinder ausgewirkt hätten. Sie hätten sich gefreut und viel erzählt.

Entweder die Telefonate waren von minutenlangem Schweigen geprägt oder, je nach psychischem Zustand, waren die Kinder aufgedreht, hysterisch, versuchten sich gegenseitig mit Geschichten zu überbieten. Nach den Kontakten zeigten sie tagelange Dissoziationen, wussten nicht, wer und wo sie sind, fielen in den schulischen Leistungen ab. Das will der Kindesvater natürlich nicht wahr haben.

Der Kindesvater vermutet, dass die Pflegeeltern die Kinder unter Druck setzen und die Kinder aus diesem Grund nicht alles erzählen. Die Kinder könnten jeden Tag bei ihm anrufen, aber das würden die Pflegeeltern nicht erlauben.

Der Vorwurf, dass die Pflegeeltern die Pflegekinder brutal unterdrücken, sie ihren leiblichen Eltern entfremden und sie ganz für sich haben wollen, ist nicht neu. Leibliche Eltern und Jugendämter blenden dabei geflissentlich aus, was die Eltern dieser bemitleidenswerten Kinder diesen angetan haben. Dinge, die sie ihr Leben lang nicht mehr vergessen werden und die sie ein Leben lang benachteiligen werden. Dinge, die sie nicht verdient haben. Dinge, die die Pflegeeltern beurteilen können, aber kein Jugendamtssachbearbeiter und schon gar kein Kindesvater. Statt dessen sind die Pflegeeltern die Bösen, die den Kontakt zu den leiblichen Eltern aus Selbstsucht unterbinden wollen. Wäre es nicht um die glücklichen Momente der Kinder, um eines unbeschwerten Lachens wegen, um eines kleinen Fortschritts wegen, der die Kinder wieder in die Gesellschaft zurückführen könnte, wir würden diesen selbstgerechten Personen diese schwere Aufgabe vor die Füße werfen.

Herr Sodann hat den Eindruck, dass die Pflegeeltern oft nicht zu Hause sind und die Kinder sich im Hort befinden.

Ja, Herr Sodann, so ist das, wenn man einer Berufstätigkeit nachgeht, in der man auch gebraucht wird und die einem Erkenntnisse über die gesellschaftliche Realität vermittelt. Als ALG-II-Empfänger ist das sicher schlecht nachzuvollziehen. Wenn man sich dazu noch für unfehlbar in der Kindererziehung hält, erschließt sich einem der erzieherische Wert einer Hortgruppe sicher auch nur minimal.

Herr Sodann wollte anlässlich des letzten Hilfeplangespräches die Erweiterung der Umgangsregelung ansprechen. Aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen konnte sie jedoch am anberaumten Termin nicht teilnehmen. Er hat dies mit dem zuständigen Jugendamt abgesprochen und sich versichern lassen, dass sie den Hilfeplan nach Fertigstellung erhalten werde und es nicht schlimm sei, wenn er nicht kommen könne.

Uns kommen die Tränen. Natürlich hat Herr Sodann bei Frau Schilling bereits angemahnt, dass er seine Kinder wieder regelmäßig sehen wollte, ohne Rücksicht darauf, wie es den Kindern dabei geht. Natürlich hat es Frau Schilling da mit der Angst zu tun bekommen, was passiert, wenn der Kindesvater und wir in diesem Punkt aufeinandertreffen und ob sie diese Situation noch im Griff behalten könnte. Da fragt man schon einmal nach dem Befinden und rät, besser zuhause zu bleiben, wenn es nicht gut geht und nimmt die Angst vor eventuellen Konsequenzen, insbesondere vor den Pflegeeltern. Es ist natürlich auch schlecht, wenn man mit wenig Geld auskommen muss und das bereits wenige Tage nach Auszahlung weg ist, weil man mit Geld nicht umgehen und etwas zurücklegen kann.

Herr Sodann ist bereits im Pflegekinderdienst vorstellig geworden mit dem Ziel, dass die Kinder in eine Einrichtung seiner Nähe verlegt werden könnten, damit er sie öfter besuchen könnte.

Die Antwort des Jugendamtes hätte uns interessiert. Wir gehen davon aus, dass Frau Schilling der Idee nicht abgeneigt wäre. Es wäre der Schlag durch den gordischen Knoten. Erstens wäre sie aufsässige Pflegeeltern los und zweitens würde es eine finanzielle Entlastung in Größenordnungen bedeuten. Nur eines bleibt auf der Strecke: Das Kindeswohl. Oder anders: Das Wohlergehen der Kinder interessiert von den Beteiligten nur uns, weshalb es wichtig ist, uns als die Pflegeeltern und Antragsteller zu demontieren.

Der Kindesvater möchte die Kontakte zu ihren Töchtern beibehalten und intensivieren und weiterhin das Sorgerecht für beide Kinder ausüben. Es ist im Interesse des Kindesvaters, auch weiterhin in Gespräche und Entscheidungen einbezogen zu werden.

Der leibliche Vater unserer beiden Kinder hat nur ein Ziel: Das Gefühl, die Zukunft seiner Kinder zu beeinflussen. Das dazu adäquate, verfügbare Mittel ist das Sorgerecht. Er will immer mehr Einfluss bekommen und ausüben. Dabei wäre das Sorgerecht dazu nicht notwendig. Als Kindesvater hat er eh das Recht, an Hilfeplangesprächen teilzunehmen. Die Argumentation des Jugendamtes zielt auf eine richterliche Entscheidung für den Kindesvater ab.

Da der Kindesvater den Verbleib in der Pflegefamilie einsieht, ist es aus Sicht des für ihn zuständigen Jugendamtes nicht erforderlich, dem Kindesvater das Sorgerecht zu entziehen.  Mit Herrn Sodann kann sicherlich erarbeitet werden, dass derzeit das Umgangsrecht nicht ausgeübt werden kann.

Hat jemand je eine schönere Rolle rückwärts gesehen! Der Kindesvater hat zugestimmt, dass seine Töchter in Pflege bleiben, das Jugendamt würde im Gegenzug den Pflegeeltern in der Umgangsregelung entgegenkommen, dann wäre der Entzug des Sorgerechtes nicht nötig. Es findet keine Beachtung, dass der Kindesvater intellektuell gar nicht in der Lage ist, das Sorgerecht in vollem Umfange auszuüben, Entscheidungen sollen vorbereitet und die Zustimmung eingeholt werden. Was für ein Unsinn!

So langsam lernen wir die Entscheidungskanäle kennen, die im Elternrecht relevant sind und die Hunde, die wir geweckt haben, bellen laut und schnappen nach uns. Wir begreifen, dass es hier nicht um das Wohl der misshandelten, vernachlässigten Kinder geht, sondern um das Recht ihrer Eltern.

Es geht tatsächlich um die Personen, die ihre Kinder in Todesängste versetzt haben, die ihnen völlig egal sind. Ihnen geht es nur darum, Recht zu bekommen und Macht auszuüben. Dabei scheut keine der Parteien davor zurück, die jenigen, die die Bezugspersonen der so geschädigten Kinder sind und ihr Schicksal als einzige positiv wenden könnten, zu diskreditieren.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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