Wir beantragen den Sorgerechtsentzug

Was schon lange hätte getan sein müssen, nehmen wir als Pflegeeltern jetzt für unsere Pflegekinder in Angriff. Wir wollen, dass das Sorgerecht dem Kindesvater entzogen wird und auf eine ehrenamtliche Einzelvormündin übertragen wird.Eileen vom Pflegeelternverband steht bereit. Also begründen wir unsere Auffassung und lassen sie Frau Schilling vom Jugendamt, unserer Anwältin und Eileen zukommen.

Begründung für die Übertragung des Sorgerechtes von Herrn Sodann, Sorgeberechtigter für Pflegekinder Jeannett und Susann Sodann auf einen ehrenamtlichen Einzelvormund

  1. Antragstellung bei Behörden

Dieses Recht ist für uns wichtig, um z.B. die den Kindern zustehende Rente gem. OEG zu stellen und in Verbindung damit Anträge auf Schwerbehinderung o.ä zu realisieren. Desselben sind Anträge in schulischen oder anderen amtlichen Vorgängen erforderlich. Ein Verbleib des Sorgerechtes bei dem Sorgeberechtigten könnte auf Grund der räumlichen Distanz der Wohnorte Fristversäumnisse verursachen und widerspräche damit dem Wohl der Kinder. Auch bezweifeln wir die Fähigkeit des Sorgeberechtigten, kompetent über die Inhalte der Anträge  entscheiden zu können.

2. Schulische und berufliche Belange

Künftig wird es erforderlich sein, eine Vielzahl von Entscheidungen, die schulische und berufliche Laufbahn und Entwicklung beider Kinder zu treffen. Dazu gehören:

    • Die Entscheidung über den Übergang an die weiterführende Schule
    • Die angezielten Schulabschlüsse
    • Ggf. schulische Förder- und Diagnostikmaßnahmen
    • Entscheidung über berufliche Ausbildung oder Teilnahme an Maßnahmen des Arbeitsamtes
    • Entscheidung über Praktikumsstellen
    • Entscheidung über Klassenfahrten, Schüleraustausch etc.

In diesem Zusammenhang ist das Recht zur Antragstellung bei Behörden unabdingbar. Desselben erfordern diese Entscheidungen das Recht, den Aufenthalt der Kinder zu bestimmen.

Schulische Belange erfordern eine detaillierte Kenntnis des Schulsystems, der unterschiedlichen Möglichkeiten und die Fähigkeit, zwischen möglichen Maßnahmen zu entscheiden. Wir halten die Sorgeberechtigte nicht für imstande, mit schulischen Belangen verbundene Entscheidungen zu treffen und Hintergründe und Bedingungen in ausreichendem Maße zu verstehen. Insbesondere macht ihr die große räumliche Distanz derartige Entscheidungen unmöglich.

  1. Gesundheitssorge

Beide Kinder sind, wie sich aus vielfachen Gutachten ergeben hat, auf Grund der Erfahrungen in der Herkunftsfamilie stark traumatisiert und auch physisch behandlungsbedürftig. In Bezug auf medizinisch und therapeutisch notwendige Maßnahmen hat die Sorgeberechtigte bereits gezeigt, dass sie die notwendigen Maßnahmen nicht nachzuvollziehen in der Lage ist und z.T. aus eigener Interessenslage heraus (wie viel könnte eine notwendige Spezialtherapie über die familiären Verhältnisse in der Herkunftsfamilie aufdecken?) ablehnt. So sind notwendige Entscheidungen u.U. blockiert. Diese Situation widerspricht erheblich dem Wohl beider Kinder.

  1. Aufenthaltsbestimmungsrecht

Der Verbleib des ABR bedeutet für die Kinder einen starken Unsicherheitsfaktor über den Verbleib in der Pflegefamilie oder einer wo möglichen Rückführung. Darüber hinaus macht er die Entscheidung über Klassenfahrten, Auslandsaufenthalte, Schüleraustausch oder ggf. die Aufnahme einer Ausbildung an einem anderen Ort zu einem unkalkulierbaren Wagnis. Im schlimmsten Falle bedeutete er eine Isolierung der Kinder in ihrer schulischen Umgebung und ihrer Freizeit. Sie erfahren nahezu täglich, dass ihre Pflegeeltern in vielen Bereichen kein Recht haben, Entscheidungen eigenverantwortlich zu treffen, ohne von einer Person, die mit ihrem Leben nichts mehr zu tun hat, eine Zustimmung einzuholen. Diese Situation ist dem Kindeswohl nicht förderlich.

Wir gingen davon aus, dass diese Begründung hieb- und stichfest sei und dass sie für jeden vernünftig denkenden Menschen einsichtig sein müsste. Wie naiv wir waren! Einsicht ist das letzte, worum es hier geht, wie sich noch später zeigen wird.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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