Vormund für die Kinder

Die meisten Pflegeeltern haben ein Problem damit, Entscheidungen für ihre Pflegekinder treffen zu dürfen. Das gilt immer dann, wenn die leiblichen Eltern das Sorgerecht für ihre Kinder behalten haben.

Wir fragen uns jetzt, warum der Kindesvater eigentlich noch das Sorgerecht für seine Kinder hat, obwohl er schon lange nichts mehr für seine Kinder getan, aber viel gegen seine Kinder entschieden hat. Warum hat man ihm nicht das Sorgerecht direkt nach seiner Verurteilung entzogen? Hat man sich nicht getraut? Oder hat man es nicht als wichtig erachtet, obwohl klar war, dass er niemals fähig sein wird, seine Kinder zu erziehen? Dass er sie vernachlässigt hat und es Anhaltspunkte für Missbrauch genug gibt?

Die Aufgaben eines Vormundes sind, so lesen wir bei Moses-Online, eine längerfristige Beziehung zu dem Mündel herzustellen bzw. aufrecht zu erhalten und die Bereitschaft mitzubringen, für das Kind zu sorgen und es rechtlich zu vertreten. Die Auswahl, so beschloss das OLG Köln 1999, hat sich ausschließlich am Kindeswohl zu orientieren.

Nur allzu gerne ziehen die Jugendämter die Vormundschaft an sich und setzen einen Amtsvormund ein. Das wäre das Letzte, was wir haben wollten: Uns mit der Sachbearbeiterin Schilling zusätzlich mit einer Amtsvormündin herumschlagen zu müssen.

Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels. Steht ein ehrenamtlicher Vormund zur Verfügung, muss das Gericht diesen bei Eignung vorgezogen werden. Jedes Jahr muss das Jugendamt prüfen, ob ein ehrenamtlicher Vormund zur Verfügung steht. Eine Verpflichtung, die oft einfach negiert wird, die sich aber eignet, um das Amt unter Druck zu setzen.

Da für die Vormundschaft geeignete Verwandte nicht zur Verfügung stehen, wären die Pflegeeltern die nächsten Kandidaten in der Reihe. Wir sind bereits auf ihre Eignung hin überprüft und haben den fast unschlagbaren Vorteil, eine enge Bindung zu unseren Kindern zu haben und am besten zu wissen, was sie brauchen.

Allerdings sehen Jugendämter die Übertragung der elterlichen Sorge auf die Pflegeeltern nicht unbedingt gerne. Auch wenn einzelne Gerichte argumentieren, dass die Erziehenden auch rechtlich den Vorteil haben sollten, erzieherische Entscheidungen zu treffen und eindeutig den Vorrang der Einzelvormundschaft gegenüber der Amtsvormundschaft sehen, argumentieren Jugendämter häufig damit, dass sie im Umgang mit den Herkunftseltern professioneller seien, was sich bei Anbahnung und Durchführung der Besuchskontakte zeige. Dieses Totschlagargument sticht jedoch nicht. Denn die Umgangskontakte müssen weiterhin durch die Jugendämter organisiert, überwacht und begleitet werden. Das Sorgerecht greift in so weit nicht, Umgangskontakte zu ver- oder behindern, denn das Umgangsrecht ist klar vom Sorgerecht getrennt und wird nicht durch die Übertragung desselben berührt. Es bleibt immer gerichtlich einklagbar.

Viele Sachbearbeiter sehen in den Aufgaben als Pflegeeltern und Vormündern gar einen Interessenkonflikt. Das würde bedeuten, dass Vormünder und Pflegeeltern unterschiedliche Interessen haben. Ein falsches Verständnis der Jugendämter von ihrer Aufgabe, offensichtlich nicht als Anwälte für die traumatisierten, vernachlässigten Kinder, die sie vermittelt haben, sondern für die Herkunftsfamilie. Tatsächlich haben wir die Beobachtung gemacht, dass Frau Schilling nicht einen Millimeter ihrer Vormachtposition und Amtsgewalt uns gegenüber abgeben würde und wir ihr schon jetzt viel zu aufmüpfig (sie nennt es beschönigend „selbständig“) sind. Immerhin hätten wir dann auch offiziell das Recht, Anträge im Namen unserer Kinder zu stellen und Widersprüche enzulegen.

Es gibt allerdings Gründe, warum wir die Vormundschaft lieber in anderen Händen sehen wollen. Nicht dass wir uns vor der Arbeit drücken wollen. Aber wir haben es mit einem Kindesvater zu tun, dem die Einsicht in die Notwendigkeit der Unterbringung seiner Kinder bei uns fehlt. Auch mit dem Jugendamt gibt es ständig Auseinandersetzungen über die Umgangskontakte. Warum sollten wir uns die Übernahme des Sorgerechtes unter diesen schlechten Bedingungen antun? Wir haben eine kompetente Person, die zur Verfügung steht: Eileen vom Pflegeelternverband, die auch bereit wäre, die Vormundschaft zu übernehmen.

Eine weitere Schwierigkeit stellen die traumatischen Erfahrungen unserer Kinder dar. Schon merken wir bei Susann, dass es zunehmend schwerer wird, die Symptome, die aus der posttraumatischen Belastungsstörung resultieren, aufzufangen und zu ertragen. Was kann in der Pubertt, in der die Kinder nach ihren Wurzeln forschen und mehr Eigenständigkeit fordern, alles passieren? Schon bei Susann gibt es Zweifel, ob sie eine Bindung in einer Familie wirklich aushält. Eine neutrale Person wie Eileen, die beide Kinder kennt, könnte da die Rolle eines neutralen Vermittlers spielen, selbst über den Zeitpunkt einer Trennung hinaus.

Auch im Verhältnis zum Kindesvater könnte eine Entschärfung eintreten. Es wäre schwieriger, ihr, sei es vom Jugendamt oder vom Kindesvater, vorzuwerfen, sie würde nicht die Interessen der Kinder, sondern ihre eigenen vertreten, so wie man es heute schon vorwirft.

Nach all diesen Überlegungen steht es für uns fest: Eileen ist die Richtige, um die Vormundschaft für die Kinder zu führen. Die Kinder vertrauen ihr, sie hat den unmittelbaren Kontakt. Und sie ist bereit, sich für unsere Kinder zu verwenden.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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