Wieder Stress in der Schule

Traumatisierte Pflegekinder finden sich oft missverstanden, durch die Pflegeeltern, Klassenkameraden, den Lehrern. Sie haben ein eigenes, sensibles Verständnis von gerechtigkeit und fühlen sich oft schnell angegriffen.

Susanns beste Freundin Celia hat sie heute schwer enttäuscht. „Halt die Schnauze!“, hat si ihr in einer Auseinandersetzung an den Kopf geworfen. „Ich habe kein Schnauze!“, hat sie zurückgeschrien.

„Susann hat eine Schnauze!“, intonierten die um sie versammelten Klassenkameraden. Susann ist tief verletzt und fühlt sich zurückgesetzt, anders als die anderen. Sie zieht Celia an den Haaren, schubst sie, bis sie hinfällt.

„Gib mir das Freundschaftsband zurück!“, schreit sie sie an. „Du bist nicht mehr meine Freundin!“

Da kommt die Klassenlehrerin hinzu. „Susann, so geht das nicht. Beruhige dich!“, versucht sie die Situation zu entschärfen. Susann sitzt zusammengekauert auf einem Stuhl, die Tränen fließen ihr die Wangen herunter.

„Celia ist doch deine Freundin. Willst du dich nicht mindestens bei ihr entschuldigen?“

Susann nickt zustimmend. Es tut ihr leid, dass sie sich nicht in der Gewalt hatte. „Entschuldigung, ich wollte das nicht“, flüstert sie. „Aber du hast auch Schuld. Ich habe keine Schnauze.“

Das ging nochmal gut. Aber es zeigt, sie sensibel traumatisierte Kinder auf den leisesten Angriff reagieren. Nie haben sie gelernt, in Konfliktsituationen de-eskalierend zu reagieren. Im Gegenteil kennen sie in solchen Situationen nur gewaltsame Lösungen.

Eigentlich ist dieses Ereignis ein gutes Thema für die Therapie. Susann hat mir versprochen, das Problem mit Frau Meyer-Frankenfeldt anzusprechen. Aber es fiel ein Bus aus, sie kam zu spät und wurde von ihrer Therapeutin zurechtgewiesen. Sie hatte Angst, die Sache anzusprechen und damit das Vorhaben von Frau Doktor zu torpedieren. Ihre Persönlichkeit ist zu schwach.

Eigentlich sollte man erwarten, dass eine Therapie Alltagsprobleme unbedingt aufnimmt. Aber wir haben uns wohl getäuscht. Die Therpeutin ist wohl nicht gewillt, am Alltag ihrer Patientin anzuknüpfen.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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