So wollen wir arbeiten!

Alle Pflegeeltern sollten sich zu irgend einem Zeitpunkt darüber klar werden, auf welcher Grundlage sie für ihre Pflegekinder da sein wollen. Meist passiert das immer erst dann, wenn sich vielfältige Probleme einstellen: Mit dem Verhalten der Kinder, mit dem Jugendamt, mit den Therapeuten. Dennoch haben wir sie ganz klar formuliert:

Grundlagen für die erfolgreiche Pflege zum Wohl unserer Pflegekinder

  • Wir müssen davon ausgehen, dass beide traumatisiert sind. Die einschlägige Fachliteratur beschreibt als traumatische Erfahrung den Zustand, dass „von Eltern die elementarsten Bedürfnisse des Kindes nicht wahrgenommen und respektiert (wurden) und wenn das Kind von seinen Eltern überwältigt wird und sie dadurch als Schutzobjekt verliert.“
  • In diesem Sinne sind beide Pflegekinder mehrfach traumatischen Erfahrungen ausgesetzt gewesen, die in der Anwesenheit zum Zeitpunkt einer Straftat im Elternhaus gipfelten.
  • Insofern verfolgen wir das Ziel, für die Kinder nicht nur pflegerisch tätig zu sein, sondern auch als Ersatz für die Rolle der Eltern zu fungieren.
  • Es ist uns bewußt, dass es sich dabei um einen langen Prozess handelt. Wir sind uns ebenso bewußt, dass traumatisierende Eltern von ihren Kindern idealisiert werden, um den Konflikt zwischen Bindung an den Kindesvater und durch traumatisierende Eltern ausgehender als existenziell erlebter Bedrohung auszuhalten. (Vgl. Beitrag von Hardenberg, O., in der Tagumgsdukumentation der 16. Jahrestagung der Stiftung zum Wohl des Pflegekindes am 30.5.2005 in Magdeburg)
  • In diesem Zusammenhang vertreten wir die Interessen und das Wohl der Kinder. Es gehört nicht zu unseren Aufgaben, die Interessen der leiblichen Eltern zu vertreten und diese „’gut zu machen‘ und die Realität vor den Kindern (und vor dem Kindesvater!, Anm. d. Autoren) zu leugnen.“ (Hardenberg, O., a.a.O.)
  • Wie Hardenberg (a.a.O.) beschreibt, wird der Aufarbeitungsprozess eines traumatisierten Pflegekindes in der Pflegefamilie durch Besuchskontakte mit leiblichen Eltern „in unverantwortlicher Weise gestört“ und eine kritische Distanzierung vom traumatisierenden Erwachsenen kaum möglich. Nach Hardenberg kommen Besuchskontakte „fast einer Retraumatisierung des Kindes gleich“. Diesen Prozess konnten wir besonders im letzten Jahr intensiv beobachten.
  • Wir fühlen uns durch Hardenberg in unserem Weg, „sich und ihren Weg mit dem Pflegekind offensiv (zu) vertreten“, bestätigt. (a.a.O.)
  • Ebenso fühlen wir uns darin bestätigt, finanzielle Mittel zur Weiterbildung zu beanspruchen.
  • Wir beobachten bei beiden Kindern klar die Dissoziation des Selbst, wie von Hardenberg beschrieben (a.a.O.), d.h. die Abspaltung der im Elternhaus und ggf. auch im Kinderheim gemachten Erfahrungen von Schutzlosigkeit und Trennung.
  • Um den Kindern eine Aufarbeitung dieser Erfahrungen zu ermöglichen, ist eine spezielle Therapierung ihrer Traumata und damit einher gehend die Bereitstellung der finanzellen Mittel unabdingbar. Die Frage danach, wie diese Mittel zur Verfügung gestellt werden können, hat hinter der Verfolgung des Wohls der Kinder zurückzustehen.
  • In diesem Zusammenhang hat ebenfalls jede Rücksichtnahme auf die Befindlichkeiten der leiblichen Eltern zurückzustehen. Daher kann auch nicht diskutiert werden, ob Leistungen nach Opferentschädigungsgesetz beantragt werden. Die Notwendigkeit ergibt sich aus der Verfolgung des Kindeswohls.
  • Da wir als Pflegeeltern Ziel der Übertragung kindlicher traumatischer Erfahrungen sind (Hardenberg, O., a.a.O.), müssen uns Möglichkeiten an die Hand gegeben werden, damit umzugehen und eine „’heilende Beziehung’“ (Hardenberg, a.a.O.) aufzubauen.

Was wir formuliert haben, scheint im Rahmen des normalen Menschenverstandes selbstverständlich. Für Jugendämter und Familienrichter ist es das keineswegs. Da werden die Herkunftseltern gut geredet, die positive Entwicklung gelobt und das Recht der leiblichen Eltern an ihren Kindern ins Feld geführt. Viel zu selten wird mit einbezogen, welche Schuld diese Menschen an ihren Kindern auf sich geladen haben, Kinder, die ein Leben lang an ihrer Traumatisierung in frühester Kindheit leiden werden. Regelmäßig wird ihnen zugemutet, Besuchskontakte auszuhalten, die in ihnen die alten Erlebnisse wieder auferstehen lassen, die sie notwendigerweise in Loyalitätskonflikte zwischen den Pflegeeltern und ihren leiblichen Eltern stürzen müssen. Kindeswohl sieht anders aus.

Mit unserem Wissen über die Details dessen, was unseren Pflegekindern angetan wurde und den Erfahrungen, die wir mit den Ämtern und Schulen gemacht haben, können wir für die Verursacher des Leides unserer Kinder kein Mitleid empfinden. Wir meinen, dass durch ihre Eltern traumatisierten Kindern die Chance für einen Neuanfang, eine neue Bindung an schützende Erwachsene und an die Wiedererlangung von Vertrauen gegeben werden muss.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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