Wieder Alltag zu Hause

Normalerweise fördert Urlaub die Erholung und die hält noch eine Weile an. Man erinnert sich gern an die schönen Erlebnisse und sieht sich die Urlaubsfotos an.

In Pflegefamilien mit traumatisierten Kindern ist das anders. Der Alltag kehrt schnell zurück und die alten Verhaltensmuster und Symptome tauchen wieder auf. So auch bei uns.

Es ist morgens um sechs. Die Kinder müssen zur Schule. Susann ist nervös. Als sie meine Teekanne zum Waschbecken trägt, fällt ihr der Deckel auf den Boden und zerspringt. Susann sinkt auf den Stuhl, Tränen in den Augen.

„Du brauchst doch nicht zu weinen“, tröste ich sie. „Dann gibt es eben eine neue.“

„Papa, ich kann meinen Hosengürtel nicht finden“, kündigt sie das neue Problem an. „Und meine Zahnspange ist auch nicht mehr da.“

Ich gehe an meinen Kleiderschrank und suche nach einem passenden Gürtel. Susann strahlt wieder.

„Aber das mit der Zahnspange müssen wir heute Nachmittag auf die Reihe kriegen“, mahne ich.

Schnell einen Früchtetee und ein Marmeladenbrot und dann geht´s los zur Schule.

Alles ist vergangen, die ganzen schönen Urlaubstage. Sobald es Alltag ist, werden die Kinder nervös. Sie kriegen nichts mehr auf die Reihe. Alle alten Erinnerungen an die Kindheit kommen wieder. Und dann ist da die Angst, kein „normales Kind“ zu sein.

Also stellen wir uns darauf ein, wieder zu kämpfen. Zu kämpfen gegen die Schatten der Vergangenheit, die über unserer Familie liegen.

 

Advertisements

Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
Dieser Beitrag wurde unter Der Kampf um Normalität abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Wieder Alltag zu Hause

  1. maldrueberreden schreibt:

    Hallo. Narben bleiben für die Ewigkeit, auch ich war nervös und hatte Angst alles falsch zu machen… Dies ist der Kommentar aus Sicht eines ehemaligen Pflegekindes und Vollwaise, die ich war. Immerhin nennen Sie die Kinder „Papa“, so was tat ich nie. Will sagen es klingt, ob sie schon einen positiven Bezug zu Ihnen haben… Ich wünsche ein Erfolgreiches Jahr 2012!

  2. lehrergehrke schreibt:

    Hallo, maldrüberreden, heute bin ich sicher, dass wir die Angst, alles falsch zu machen, viel zu wenig beachtet haben. Wir haben immer versucht, eine Bindung zu unseren Pflegekindern aufzubauen, ob es geklappt hat, wird sich wohl erst viel später zeigen. Dass Pflegekinder „Papa“ und „Mama“ sagen, ist ein Zeichen der Verbundenheit mit die Menschen, die sie versorgen, glaube ich und es hört irgendwann auch wieder auf. Ich messe dem keinen großen Stellenwert zu und habe das meine Pflegekinder immer so handhaben lassen, wie sie wollten.

    Auch Ihnen ein gesundes, erfolgreiches 2012.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s