Zu wenig zu essen?

Pflegekinder haben in frühester Kindheit manchmal gehungert. Ihre Eltern haben sie einfach vergessen oder ihnen überlassen, sich etwas zu essen zu organisieren. Keine geregelten Mahlzeiten, nichts Besonderes. Es ist wahrscheinlich, dass unsere Kinder dazu gehörten.

Jeannett hat an einem Tag, wie wir entdecken, zwei Tüten mit Corn Flakes fast aufgegessen. Sie hat sie aus dem Vorratsschrank. Auf dem Schuhschrank im Flur finden wir etwas 250 g Butter, mit Zucker verrührt. So geht das die ganze Zeit.

Was uns auffällt, ist, dass die Kinder sich gar keine Mühe geben, vor uns zu verbergen, dass sie unsere Vorräte plündern. Es ist ein klares Signal an uns: Das sind wir so gewöhnt. Schimpft nicht mit uns, wir begreifen eh nicht, dass wir etwas falsch gemacht haben. Wir kennen es so und nie hat jemand uns gesagt, dass das nicht ok ist.

Für uns ist es eine Untat, so mit Lebensmitteln umzugehen. Es gibt zu geregelten Zeiten zu essen und jeder kann sich satt essen. Aber wir versuchen, den Kindern eine feste Struktur im Tagesablauf beizubringen. Eigentlich dachten wir, dass nach vier Jahren endlich eine Automatisierung hätte stattfinden müssen. Aber wir können aus ihrem Verhalten erkennen, dass sie früher grob vernachlässigt sein mussten.

Nun wissen wir: Es ist eine Mischung aus Vernachlässigungssymptomen und dem Kick, etwas nicht Erlaubtes zu tun. Wir wissen, dass andere Pflegeeltern ihren Pflegekindern ein Notfallpaket zur Verfügung stellen, damit sie immer an etwas Essbares kommen. Aber was ist dann mit den Mahlzeiten, wenn sie, wie Susann, was essbar ist, sofort verschlingen?

Uns ist klar: Es ist ein psychisches Problem, das nur durch eine seelische Heilung gelöst werden kann. Wir werden damit leben müssen.

Advertisements

Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
Dieser Beitrag wurde unter Der Kampf um Normalität abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s