„Taschengelderhöhung“?

Pflegekinder bekommen Taschengeld. Darauf haben sie einen Anspruch, es steht ihnen zu. Und es ist im Gegensatz zu manch einer leiblichen Familie nahezu fürstlich. Aber Geld kann man nie genug haben. Zumal, wenn es leicht erreichbar ist.

Im Keller auf der Waschmaschine haben wir eine Dose, in der Ruth alles sammelt, was sich so in den schmutzigen Hosen befindet. (Schade, dass wir nicht in England leben, wo die Männer alles Geld in der Hosentasche tragen!) Da kommen schon mal zweistellige Beträge zusammen.

„Niko?“ ruft Ruth aus dem Keller. „Warst du am Waschgeld?“ Kann ja mal sein, dass man klamm mit Kleingeld ist.  Aber ich nehme das Döschen eigentlich nie wahr.

„Gestern habe ich Jeannett hier im Keller gesehen. Sie hat sich irgendwie schnell heimlich von dannen gemacht.“ Wir werfen uns vielsagende Blicke zu, zwei Menschen, ein Gedanke.

Verdächtigen wir sie zu Unrecht?

Nach dem Abendessen sprechen wir das Problem an.

„Jeannett, hat dein Taschengeld nicht gereicht?“

Sie senkt den Kopf. Ich habe keine Lust, eine große Szene zu machen. Es nutzt auch gar nicht. Es reicht, dass sie weiß, dass sie entdeckt worden ist.

„Also, bis nächsten Mittwoch ist das Geld wieder da.“

Sie nickt, noch immer mit gesenktem Kopf. Am nächsten Mittwoch liegt das Geld, zehn Euro, wirklich auf dem Tisch.

Früher hätte uns ein solches Ereignis den Glauben an die Welt genommen. Heute ist es Teil unseres Familienlebens.Wir reagieren nicht mit Belehrungen. Die Kinder wissen genau, was sie tun, aber wir glauben langsam, sie können nicht anders. Um so besser, wenn sie es wieder gutmachen.

Das Problem ist auf einfache Weise effektiv gelöst und, wie wir hoffen, auch ein Lernprozess eingeleitet. Schwamm drüber.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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