Der verflohte Kater

Kinder lieben Tiere. Sie wollen mit ihnen kuscheln sie mit sich herumtragen, sie füttern. Dafür gibt es Therapiehunde und Meerschweinchen. Aber nicht immer begreifen sie, dass mit den Tieren auch die Pflichten kommen.

Sigrid, unsere Große, die schon lange weit weg von uns ihr eigenes Leben führt, sind die Pflichten wohl auch etwas über den Kopf gewachsen. Sie will ihren Kater, den sie auf der Straße aufgesammelt hat, nicht länger behalten. Also gewähren wir ihm Asyl.

Toulouse ist ein rot getigerter Wildfang, der jagt, wann immer es geht und sich auch mal im Dreck wälzt. Als wir ihn bekommen, kratzt er uns die Tapeten von der Wand, er trinkt Rotwein und frißt Chips, wenn er beides erreichen kann. Außerdem ist er ständig mit Flöhen übersäht. Also hat er Hausverbot. Gefressen wird draußen.

Jeannett fällt es schwer, das zu begreifen. Sie soll ihn nicht anfassen und ihn nicht ins Haus lassen. Aber heute morgen streicht da etwas durchs Haus. Die Haustür ist offen. Es dauert nicht lange, da erscheint Jeannett mit dem Kater auf dem Arm. Ruth platzt schier vor Wut.

„Lasst doch den armen Kater, der will doch bloß kuscheln“, trauert Jeannett.

„Das kommt gar nicht in Frage, so lange er das Flohhalsband trägt und die Flöhe nicht weg sind!“, herrscht Ruth sie an. „Bring ihn sofort nach draußen!“ Also setzt Jeannett ihn draußen ab und schließt die Tür. Dann machen sich alle zur Schule und Arbeit fertig. Als letztes zündet Ruth im Haus ein paar Räucherbomben, die mit unbeschreibbarem Gestank die Flöhe töten soll, die es sich bereits in unserem Haus gemütlich gemacht haben.

Als wir wieder alle nach Hause kommen, wird das Haus zuerst einmal für eine Stunde richtig gelüftet. Niemand darf es betreten. Selbst dem Kater ist das nicht geheuer.  Aber der Spuk ist bald vorbei.

Für Kinder sind Tiere wichtig, damit sie lernen, dass man für andere Wesen Verantwortung übernehmen muss. Pflegekinder gehen allerdings manchmal etwas ruppig mit ihnen um. Deshalb versuchen wir, unseren Mädels beizubringen, dass Tiere auch Geschöpfe sind, denen man nicht weh tun darf, aber dass es doch Unterschiede zu Menschen gibt und sie nicht das Leben von Menschen, also auch nicht unserer Familie, bestimmen dürfen.

Auch nachdem wir das Haus und den Kater von den Flöhen befreit haben, darf  Toulouse nicht ins Haus. Es fällt Jeannett schwer, das zu akzeptieren, auch wenn wir ihr erklären, dass es dem Kater nicht schadet, draußen zu schlafen.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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