Wir suchen einen Therapeuten

Pflegekinder werden in Familien vermittelt, weil die Herkunftsfamilie mit der Erziehung überfordert ist. Oft stellen dann die Pflgeeltern fest, dass die Erlebnisse der Kindheit aufgearbeitet werden müssen, damit die Kinder wieder lernen, Bindungen einzugehen und Vertrauen aufzubauen.

Für uns wird immer offensichtlicher, dass Susann und Jeannett Hilfe brauchen. Aber wie soll das gehen? Noch nie haben wir mit Psychiattern etwas zu tun gehabt und wir wissen nicht, wir wir vorgehen müssen.

Zum Glück kenne ich aus meiner Studienzeit eine gute Freundin, die als Psychologin bei einem freien Träger der Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeitet. Sie gibt mir eine Adresse.

Nach einem kurzen Anruf ist alles geregelt. Für einige Wochen fährt Ruth, die sich für ein Jahr hat beurlauben lassen, regelmäßig mit den Kindern in eine kinder- und jugendpsychatrische Praxis. Die Therapeutin untersucht beide und stellt die Diagnose.

„Für mich ist der Fall klar“, stellt sie fest. „Beide sind in ihrer Kindheit schwerst traumatisiert worden. Sie sollten schnellst möglich in eine Psychotherapie.“

Wir haben das nötige Vertrauen zu ihr und fragen uns, warum sie die Therapie nicht übernehmen könnte.

„Sehen Sie“, beginnt sie eine Erklärung, „wir sind auf Verhaltenstherapie spezialisiert. Diese Therapieform ist für Ihre Kinder nicht die richtige. Ich würde Ihnen eine tiefenpsychologische Psychotherapie empfehlen, damit die Erlebnisse der Kindheit wirklich therapiert werden können. Das ist nicht unser Gebiet. Aber ich gebe Ihnen eine Adresse.“

Es handelt sich um einen Verein, der Therapeuten ausbildet und recht angesehene Therapeuten dafür beschäftigt. Wir erhalten die Adresse einer Kinder- und Jugendlichentherapeutin.

Frau Meyer-Frankenfeldt ist eine Frau, deren Alter schlecht zu schätzen ist. Sie trägt lange Röcke und die Haare zu einem Dutt gebunden. Sie wirkt streng aber zeigt Interesse und Mitgefühl für Susann und uns. Als Kinder- und Jugendpsychotherapeutin scheint sie uns geeignet und die tiefenpsychologische Psychotherapie scheint auch zu passen. Es werden fünf probatorische Sitzungen vereinbart und durchgeführt. Dann folgt ein Elterngespräch.

„Sie müssen sich auf eine lange Therapiezeit einrichten“, bedeutet sie uns mit ernster Miene. „Es wird lange dauern, bis ich Zugang zu Susann habe. Ich schlage drei Sitzungen pro Woche vor.“

Wir sind nicht abgeneigt und erhoffen uns einen günstigen Einfluss auf unsere häusliche Situation. Schon meinen wir, während der Zeit der Probatorik festgestellt zu haben, dass Susann ruhiger und ausgeglichener geworden ist.

„Wir sollten die Frequenz der Sitzungen beibehalten“, schlägt sie uns vor. „Ich bin mir sicher, dass die Krankenkasse keine andere Wahl haben wird, als der Therapie zuzustimmen. Alles andere wäre unvertretbar.“

Wir stimmen zu. Wir sind froh, überhaupt etwas erreicht zu haben. Es ist nicht einfach, einen Therapieplatz zu bekommen.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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