Ein Anbahnungsbericht

Sehr geehrte Frau Schilling,

im Hinblick auf eine Pflegkindschaft für beide o.g. Kinder möchten wir Ihnen den neuesten Stand der Entwicklung aus unserer Sicht schildern.

Entwicklung der Kontakte zu den Kindern

Nach unserem gemeinsamen Anfangskontakt am 28.10. haben wir in enger Absprache mit den Erzieherinnen und insbesondere der Teamleitung insgesamt bisher vier Termine realisiert. Dabei konnten wir feststellen, dass die Kinder sehr schnell ein herzliches Verhältnis zu uns aufbauten. Wir haben dabei sowohl Aktivitäten innerhalb der Einrichtung wie auch außerhalb (Spaziergänge, Spielplatzbesuche) unternommen.

In nächster Zukunft sind Besuchstermine in unserem Haus sowie mehrtägige Beurlaubungen von der Einrichtung geplant. Der erste Termin bei uns zuhause war mit Begleitung von Erzieherinnen geplant, kann aus dienstlichen Gründen jedoch so leider nicht stattfinden.

Entwicklungsstand der Kinder

Jens und Petra sind aus unserer Sicht freundliche, aktive, normal entwickelte Kinder. Einschränkend haben wir festgestellt, dass Jens große Schwierigkeiten mit dem Ausdrucksvermögen und der Artikulation hat, die sich offensichtlich besonders nach häufigen Kontakten mit den leiblichen Eltern und anderen Familienangehörigen zeigen. Auch bei Petra konnten wir eine gewisse Orientierungslosigkeit beobachten. Den Grund hierfür sehen wir darin, dass sich die Kinder z.Zt. auf eine Vielzahl von Bezugspersonen einstellen müssen, die Schwierigkeiten bei der Verarbeitung verursachen. Insofern halten wir eine behutsame Überführung in eine Pflegschaft für angezeigt, die wir als Bezugspersonen systematisch aufbauen. In dieser Phase befindet sich unsere Anbahnung momentan. Deshalb befürworten wir eine weitere Gewöhnung durch zeitweise Beurlaubungen aus der Einrichtung.

Form der Pflegschaft

Aus dem Gesagten ergibt sich aus unserer Sicht, dass eine Kurzzeitpflege für Jens und Petra aus pädagogischen Gründen nicht in Frage kommt. Zur Stabilisierung der Situation der Kinder halten wir ein auf Dauer angelegtes Pflegeverhältnis für angebracht, wobei die Rolle der Herkunftsfamilie in diesem Stabilisierungsprozeß genau beschrieben werden muß. Wir halten es nicht für hilfreich, sollten Kontakte zur Herkunftsfamilie die Situation der Kinder destabilisieren. Ein konkretes Vorgehen möchten wir einer Hilfekonferenz vorbehalten.

Weitere zeitliche Perspektive

Perspektivisch stellen wir uns vor, unser Verhältnis zu den Kindern weiter zu festigen. Wir stellen uns dafür eine Phase von ein bis zwei Monaten vor. In diesem Zeitrahmen könnten Beurlaubungen aus der Einrichtung zur Eingewöhnung in unsere Familie genutzt werden. Dazu würden sich Ferienzeiträume wie die Zeit zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem Jahreswechsel besonders eignen. Die zwei ersten Februarwochen könnten je nach Fortschritt der Anbahnung einen Übergang in die Pflegschaft bilden. Diese Form der behutsamen Anbahnung würde für die Kinder zu einem reibungslosen Übergang in die Pflegefamilie führen, so dass die Eingewöhnung wenig Probleme verursachen würde.

Der erste Zeitraum der Pflegschaft

Unserer Erfahrung nach ist der Beginn der Pflegschaft besonders wichtig und stellt Weichen für die kommende Zeit. Deshalb denken wir die vorübergehende Beurlaubung der Pflegemutter aus erzieherischen Gründen an. Gerade die Phase der Einschulung für Petra, die für sie eine Umstellung ihres Lebensrhythmus bedeutet, wäre damit leichter zu bewältigen. Voraussetzung hierfür wäre allerdings unter allen Umständen die materielle Absicherung der Lebensumstände durch einen Pflegevertrag, der auf Dauer angelegt ist. Auch würde damit die eventuelle spätere Unterbringung der Kinder in einer Kindertagesstätte vereinfacht.

Folgerungen

Unserer Ansicht nach wäre ein behutsamer Übergang der Kinder in eine Pflegefamilie im vorliegenden Falle angebracht. Sollte aus pädagogischen Gründen ein schnellerer Übergang wünschenswert sein, möchten wir unsere persönliche Situation soweit absichern, dass wir dieser wichtigen Aufgabe ohne Schwierigkeiten nachkommen können. Dies gilt insbesondere für unsere berufliche Situation.

Wir freuen uns auf eine vertrauensvolle, intensive Zusammenarbeit.

Genaue Vorstellungen von einem Anbahnungsprozess wie diese hier scheinen eher weniger hilfreich zu sein. Jugendämter wollen gern das Konzept des Handelns behalten und darüber bestimmen, wann und wie die Kinder in eine Pflegefamilie vermittelt werden. Deshalb während der Anbahnung schön unauffällig bleiben.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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