Susanns Asthma

Asthma ist eine Krankheit, der man nachsagt, dass sie auch etwas mit der Psyche zu tun hat. Asthmakranke können zwar einatmen aber nicht mehr ausatmen.

Seitdem Susann bei uns wohnt, wissen wir, dass sie an Asthma leidet. In Stresssituationen kann sie nicht mehr richtig atmen. Sie droht dann fast zu ersticken. Für Infekte ist sie sehr anfällig.

Das Heim hatte eine Asthmabehandlung in einer Asthmasprechstunde in einem Universitätsklinikun begonnen, die wir fortsetzen. Dort nimmt sie regelmäßig an einem Lungenfunktionstest teil, der feststellt, wie gut sie atmen kann. Sie sitzt dann in einer Kabine und muss Luftballons, die auf einem Display erscheinen, in die Höhe pusten.

Irgendwie sind wir ein bisschen stolz. Wir haben es geschafft, dass Susann besser atmen kann. Sie scheint sich bei uns zu entspannen. Aber dennoch ist Asthma einen chronische Krankheit und muss ständig überwacht werden.

Zu Beginn der Ferien nehmen wir an einem Asthmaseminar teil. Es findet in einer Lungenklinik statt, die nur mit einem Bus und mit einer stundenlangen Anfahrt zu erreichen ist. Aber ich nehme den Weg auf mich.

Zum ersten Mal erfahre ich, was Asthma überhaupt ist. Wir treffen Kinder, denen es viel schlechter geht als Susann. Einige müssen regelmäßig alle paar Stunden inhalieren und sind bei der kleinsten Aufregung völlig fertig. Sie können nicht die geringste Anstrengung aushalten. Das zeigt Susann, dass es ihr so schlecht gar nicht geht. Sie lernt, wie sie ein Asthmatagebuch führt, wie sie richtig inhaliert und was sie im Falle eines Anfalles tut: Abstützen, gegen eine Wand oder den Kutschersitz ausführen und langsam ausatmen. Vor allem darf sie nicht in Panik geraten. Wir müssen zuhause überwachen, dass Susann morgens und abends mit dem Peak Flow Meter ihr Atemvolumen misst und das Ergebnis in eine Kurve ihres Tagebuches vermerkt. Bei der nächsten Untersuchung legt sie es dann vor und es kann festgestellt werden, wie es ihr geht.

Das ist alles ziemlich aufwändig, aber wir führen es durch. Zuerst haben wir festgestellt, dass der Peak Flow Meter nicht richtig funktioniert, weil er für Erwachsene konzipiert ist. Es ist eine Röhre, in die stoßartig Luft geblasen muss. Der angebrachte Zeiger zeigt dann einen Wert zwischen Null und 500 an, der vermerkt wird. Tatsächlich lässt sich ablesen, dass Susann große Probleme hat, den Zeiger überhaupt zu bewegen, wenn sie einen Infekt hat oder in einer Stresssituation ist. Sie muss dann inhalieren und erneut ihr Atemvolumen messen. Mit der Zeit jedoch bewältigen wir auch dieses Problem.

Zum Ende der Veranstaltung spricht mich die Ärztin noch einmal an.

“ Ich vermute“, sagt sie, „dass Susann einen erheblichen sekundären Krankheitsgewinn aus ihrer Erkrankung zieht.“

Was soll das heißen, frage ich mich? Aber es ist ganz einfach. Es heißt, dass Susann es genießt, auf Grund ihrer Erkrankung im Mittelpunkt zu stehen und dass man sich um sie kümmert. Nicht, dass sie ihre Beschwerden nur vorspielt; das, so versichert mir die Ärztin, gelänge ihr nicht. Sie ist zwar krank, aber sie schafft es, aus ihrer Krankheit Kapital zu ziehen.

Es ist die Wiederholung immer desselben Themas. Das Signal heißt: Kümmert euch um mich, ich genieße es, denn bisher war es nie so. Ich möchte im Mittelpunkt stehen und ich habe jetzt etwas, was Jeannett nicht hat, etwas, was mich von ihr unterscheidet und das dazu gehörige Wissen.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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