Der Osterausflug

Heimkinder sind dankbar für jede Abwechslung. Für den Karfreitag haben wir uns etwas Besonderes ausgedacht. Es ist frühlingsmild und die Vögel zwitschern. Besser kann ein Tag nicht sein.

Für diesen Tag haben wir uns ein Auto gemietet. Wir holen unsere beiden Mäuse aus dem Kinderheim ab und fahren in den Wald. Ruhig fließt der Fluss durch die Landschaft. Die beiden sind voller Spannung und sehen wie gebannt von der Rückbank aus auf die Landschaft.

Da! Was ist das? Ich muss bremsen. Vor dem Wagen ein Rudel Wildschweine. Die Kinder stoßen gleichzeitig einen hohen Schrei aus. Langsam teilt sich die Rotte und ich rolle an ihnen vorbei, so dass die beiden sie genau aus dem Auto heraus beobachten können.

„So etwas habe ich noch nie gesehen!“, stößt Susann schreckgezeichnet hervor.

„Das gibt es überall“, erkläre ich ihr, „man muss sich dann ganz ruhig verhalten, wenn man ihnen im Wald begegnet.

„Ich glaube, das könnte ich nicht“, kommentiert die sonst so mutige Jeannett.

Wir parken das Auto und spazieren durch den Wald. Auf einem Spielplatz lassen wir die beiden toben. Schaukeln, klettern, rennen – und wir machen mit.

Als es etwas ruhiger wird, buddeln sie etwas in einer Sandkiste und präsentieren uns unaufhörlich mit Sandkuchen, die wir „essen“ müssen. Plötzlich hält Susann inne, faltet ihre Hände und betet: „Lieber Gott, danke dafür, dass du uns so liebe Pflegeeltern gibst.“

Damit haben wir nicht gerechnet. Sind sie uns schon so nah? Haben sie keine Bindung mehr an ihre Eltern? Was bringt ein Heimkind dazu, so zu reagieren? Haben wir schon „gewonnen“? Oder möchte sie uns nur gefallen?

Egal, wir sind gerührt und genießen die Situation. In einem Restaurant am Fluss gibt es auf der Terrasse noch einen großen Eisbecher. Dann bringen wir sie wie versprochen wieder zurück. Ein herzlicher Abschied und wir machen uns auf nach Hameln, um dort Ruths Familie über Ostern zu besuchen.

Lange haben wir überlegt, ob es sinnvoll wäre, die beiden Mäuse mitzunehmen. Aber wir haben uns dagegen entschieden. Schließlich ist noch nichts fest und wir wollen nicht, dass sie Bindungen aufbauen und womöglich wieder abbrechen müssen. Aber wir haben ja die Zeit ab dem Ostermontag, wenn wir sie wieder holen dürfen und sie für eine Woche zu uns nach Hause beurlaubt sind. Wir freuen uns schon auf die Zeit.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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