Hintergründe

Heute sind wir zum Jugendamt eingeladen. Es geht um die Biografie der beiden Mädel und um die Hintergründe der Vermittlung. Wir sitzen in einem weiß getünchten Raum mit zwei Schreibtischen und einem Besprechungstisch. Mit uns sind Frau Wehrmann, die für Susann und Jeannett zuständige Sachbearbeiterin und die für den Kindesvater zuständige Frau Süßberg.

„Wie war der erste Kontakt?“, will Frau Wehrmann wissen. Wir berichten unsere ersten Eindrücke. Und wir sind gespannt, was uns die beiden zu berichten haben.

Beide Mädel sind schon seit längerem beim Jugendamt bekannt. Sie sind offensichtlich von ihrer Familie häufig allein gelassen worden, so dass Jeannett, die Lieblingstochter des Kindesvaters, auf ihre Schwester aufpassen und öfter Nahrung besorgen musste. Sehr zeitig schon trennte sich die Kindesmutter von der Familie. Der Vater war häufig auf Sauftouren unterwegs. Ab und zu tauchte auch die Mutter auf, um mitzusaufen. Die Kinder spielten für sie keine Rolle.

Auch wurden die Kinder eines Morgens um zwei in Frankfurt, mitten im Vergnügungsviertel in Begleitung zweier Männer von der Polizei aufgegriffen und zum Kindesvater zurück gebracht. Der beteuerte, es sei alles in Ordnung und er habe davon gewusst.

Letztes Weihnachten, als die Familie für wenige Monate wieder vereint war, geschah das Ungeheure. Der Vater versucht, die Mutter in Anwesenheit der Kinder umzubringen. Die Kinder, die auf Besuchskontakt in der Familie sind, werden von der Polizei zurück ins Heim gebracht.

Von nun an ist klar, dass eine Stabilisierung der Familie mit der Option der Rückführung nicht mehr in Frage kam. Der Kindesvater ist zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die er zu verbüßen hat. Dies führte nun dazu, dass Pflegeeltern für eine Dauerpflege gesucht wurden.

Wir haben die Möglichkeit, Einblick in die Hilfepläne zu bekommen. Es ist die Rede von Alpträumen und Einnässen bei Susann und tiefer Verschlossenheit bei Jeannett. Auch wurde Susann dabei beobachtet, dass sie sich ganz ungeniert sexuell stimuliert. Polizeiberichte jedoch liegen nicht vor.

Zu diesem Zeitpunkt können wir noch nicht ahnen, was auf uns zu kommt. Wie viel Energie wir aufwenden müssten, wie viel Wissen wir uns aneignen müssten. Trauma, Dissoziation, Vernachlässigung, Lolita-Syndrom sollten Worte werden, die uns ständig begleiteten. Wir waren absolut blauäugig und niemand hat uns gewarnt.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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