Besuche, Konkurrenz und die Ergänzungspflege

Weihnachten naht, und es ist die Zeit der Besuche. Für Pflegekinder ist das immer besonderer Stress, besonders, weil die leiblichen Eltern sich wieder ihrer Kinder erinnern, die sie zuvor misshandelt und vernachlässigt haben – gerade so, als seien sie ihr Eigentum.

Susann soll für drei Tage über Weihnachten bei ihrem leiblichen Vater verbringen. Wie wird sie das aushalten, mit ihrem einstigen Peiniger zu verbringen? Wir haben die ärgsten Befürchtungen, aber wir werden nicht mehr gefragt. Es steht fest. Der Kindesvater hat angekündigt, ihr ein Handy mit Karte zu schenken. Das lockt natürlich. Und außerdem ist es sehr praktisch, dass der Kindesvater sie nun Tag und Nacht fernsteuern kann. Geschickt geplant. Und wir sind alle sehr gespannt, was daraus werden soll.

Für Jeannett bedeutet das natürlich schärfste Konkurrenz. Susann wird zuerst die Wohnung, die Familie  und den neuen Wohnort ihres Vaters kennenlernen, ein Vorsprung, den Jeannett wohl nicht lange dulden wird.

Zunächst aber versucht es Jeannett damit, dass sie den Einfluss auf ihre Schwester behält und ausbaut. Sie will sie besuchen, aber es fehlt ihr der Mut, dort zu übernachten.

„Ihr bringt mich aber hin und seid immer in der Nähe, falls etwas schief geht“, fleht sie uns an. Das bedeutet für uns: Jederzeit in Lauerstellung verharren, falls ein Anruf kommt: „Holt mich hier ab, ich halt´s nicht mehr aus!“ Wir sind dazu bereit.

Heute kommt eine Nachricht vom Familiengericht. Man beabsichtigt, mich als Ergänzungspfleger für die Vermögenssorge beider Kinder einzusetzen. Ich habe für sie die Opferentschädigung beantragt und der Sorgerechtsprozess, in dem dem Kindesvater die Vermögenssorge entzogen worden ist, ist über ein Jahr her. Seitdem habe ich alles aufgewendet, um wenigstens die Vermögenssorge zu bekommen. Noch ist nichts entschieden.

Ein neues Problem deutet sich an. Durch das Wiederauftauchen des Kindesvaters, nachdem er seine Haftstrafe verbüßt hat, entsteht neuer Zündstoff zwischen den Schwestern. Susann sucht sich neue Bezugspersonen, und sie befindet sich gegenüber Jeannett im Vorteil. Das bringt eine völlig neue Situation in unser Pflegeverhältnis. Wie drückt es Frau Gerster aus: „Der Stallgeruch zieht!“

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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