Auch das noch: Die Schweinegrippe

Manchmal kommt alles zusammen und es scheint, als verfolgt uns das Unglück. Seit Wochen wird in den Medien debattiert und diskutiert. Soll man sich gegen H1N1 impfen lassen oder nicht? Sind die Nebenwirkungen des Impfstoffes schädlicher als die Krankheit selbst? Nicht einmal die Mediziner sind sich einig. Unsere Ärztin rät zur ganz normalen Grippeimpfung.

Vorsichtshalber frage ich beim Jugendamt nach. Aber auch da kryptische Antworten. Der leibliche Vater hat das Sorgerecht und müsste entscheiden. Wegen seiner intellektuellen Begrenztheit ist jedoch von ihm keine vernünftige Entscheidung zu erwarten, wenn selbst Akademiker sich nicht einig sind. Das Jugendamt will keine Verantwortung übernehmen.

Die Entwicklung der Ereignisse nimmt uns die Entscheidung ab. Heute abend kommt Jeannett nach Hause, mit Husten, Halsschmerzen und steigendem Fieber. Es ist Freitag nachmittag und alle Ärzte haben bereits geschlossen. Also fahre ich mit Jeannett im Auto direkt in die Notaufnahme des John-F.-Kennedy-Klinikums. Dort werden zunächst Atemschutzmasken verteilt. Zum Schutz der Angestellten und Ärzte, nehme ich an. Alle anderen sind ja bereits infiziert

Nach stundenlanger Wartezeit sprechen wir mit einer jungen Notfallärztin. Sie macht einen Abstrich, um festzustellen, ob eine bakterielle Infektion der Lunge vorliegt. Der Test ist negativ. Also händigt sie uns ein Merkblatt aus, das mir nichts Neues verrät: Bettruhe, regelmäßige Gabe von Schmerzmitteln, Wadenwickel, viel trinken.

„Machen Sie keinen Test auf H1N1?“, frage ich erstaunt.

„Wo denken sie hin!“, entrüstet sich die Ärztin. „So viele Tests haben wir gar nicht, und sie sind auch teuer. Außerdem: Was nützt es Ihnen zu wissen, ob es wirklich der Erreger ist? Wenn der Zustand kritisch werden sollte, kommen Sie wieder.“

Das hatte ich nicht erwartet! Aber wir haben keine andere Chance. Also fahren wir heim, packen Jeannett ins Bett und achten darauf, dass sie regelmäßig ihre Medikamente nimmt und viel trinkt.

Nach ein paar Tagen lässt das Fieber nach und Jeannett ist wieder fit. Wir suchen unsere Ärztin auf und lassen einen Test machen. Ergebnis: Positiv! Immerhin hat das Ergebnis etwas Gutes: Sie ist jetzt immun und wir wahrscheinlich auch. Noch einen Tag im Bett, und die Sache ist vorbei.

Es ist schon merkwürdig, wie hier mit einer angeblich gefährlichen Krankheit umgegangen wird. Es zeigt auch, dass Pflegeeltern letztlich die Verantwortung zugeschoben wird. Sie sind letztlich die jenigen, die entscheiden müssen. Der ganz normale, alltägliche Wahnsinn halt.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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