Eine krasse Idee?

Wenn man so richtig hilflos ist, kommen einem die krassesten Ideen. Susann ist in dieser Einrichtung und wir wissen nicht richtig, wie es ihr geht. Warum sollte man nicht mal mit den Gedanken spielen?

Ich habe die Idee, ab und zu mal an den Ort zu fahren, an dem Susann untergebracht ist und sie zu beobachten, wie es ihr geht. Niemand kann mir verwehren, mich an irgend einem Ort aufzuhalten und ich hätte endlich Gewissheit. Ich könnte gegebenenfalls eingreifen. Es würde mich einfach beruhigen, sie zur Schule gehen zu sehen oder zu wissen, was sie nachmittags alles macht, ob die Therapie regelmäßig stattfindet. Es wäre wie die Arbeit eines Detektives.

„Das kannst du nicht machen“, ereifert sich Ruth. „das ist Stalking. Du bringst dich in Schwierigkeiten.“

Okey, vielleicht ist die Idee doch nicht so gut. Aber wir werden darauf bestehen, mindestens zweimal im Jahr mit Susann Umgang zu haben, darauf haben wir ein Recht. Susann soll es uns ins Gesicht sagen, wenn sie das nicht will.

„Lass uns erst mit Frau Gerster darüber sprechen“, wendet Ruth ein. „Vielleicht hat sie noch eine andere Idee.“

Also fahren wir anderen Tags zum Jugendamt und sprechen mit Frau Gerster. Auch sie war mit dem Hilfeplangespräch nicht einverstanden, sieht aber im Moment keine Möglichkeiten.

„Susann will Sie nur im Moment nicht sehen, das kann sich bald ändern“, sagt sie uns. „Es ist eine Phase des Abstandes, die man ihr auch zugestehen sollte.“

Während des Hilfeplangespräches stellte Ruth die Frage „Was ist mit Weihnachten?“ Susann hat diese Frage offensichtlich als eine Einladung zu uns aufgefasst und sehr heftig darauf reagiert. Sie hätte nicht erwartet, dass Ruth diese Frage stellt, sagte sie. Und immer wieder stellt sie die Frage, wie das gemeint war. Für uns ist jedoch klar: Sie wird Weihnachten nicht mit uns verbringen. Das Risiko ist zu groß.

Dann kommt mir eine andere Idee, die auch wirklich durchführbar ist. Ich möchte Susann zeigen, dass wir an sie denken und sie zu uns gehört. Also beschließen wir, ihr einen Adventskalender zu schicken und eines jener Kultbücher für Jugendliche als Weihnachtsgeschenk. Ich finde es auch wichtig, der Einrichtung zu zeigen, dass wir Susann auch jetzt nicht aufgeben, sondern den Kontakt halten, auch zur Einrichtung.

Es wird uns nichts weiter übrig, als die Situation so zu akzeptieren, wie sie ist. Wir werden andere Wege suchen müssen, um mit Susann in Kontakt zu bleiben. Dabei wird Jeannett eine Schlüsselposition zukommen.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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