Beistand unerwünscht!

Recht zu haben und Recht zu bekommen sind immer zwei unterschiedliche Dinge. Das Recht auf einen Beistand im Hilfeplangespräch ist im Sozialgesetzbuch festgelegt. Aber Jugendämter finden immer wieder neue Gründe, um dieses Recht auszuhebeln.

Wir haben Eileen vom Pflegeelternverband von unserem bevorstehenen Hilfeplangespräch erzählt. Sie fand unser Vorhaben gut, warnte uns aber. Schon einmal hatten wir sie ja als Beistand zu einem Hilfeplangespräch mitgenommen. Das Ergebnis war, dass man sie abgelehnt hat, weil angeblich die Datenschutzrechte das Kindesvaters nicht gewahrt gewesen wären. Sie stand stundenlang auf Abruf in der Kälte.

„Seht euch vor“, sagte sie. „Man wird euch versuchen, aus dem Verfahren hinaus zu drängen. Ihr braucht einen neutralen Zeugen und zugleich einen Vermittler zwischen den Parteien. Ich bin dazu bereit, wenn ihr das wollt.“

Und ob wir wollen! Einer Weigerung, sie zum Hilfeplangespräch zuzulassen, könnten wir vorbauen. Wir würden sie einfach durch eine Anwältin mandatieren lassen. Das läuft über den Pflegeelternverein. Außerdem kann das Argument des Datenschutzes durch die Unterzeichnung einer Schweigepflichterklärung außer Kraft gesetzt werden.

Also benachrichtige ich Frau Schwerdtfeger über unsere Absicht, einen Beistand mit zum Hilfeplangespräch hinzuzuziehen. Die Antwort kommt prompt sieben Tage nach Eingang unserer e-mail.

„Leider können wir ihrem Wunsch auf Hinzuziehung eines Beistandes nicht entsprechen. Dies ergibt sich aus der Tatsache, dass Sie in dem Familienhilfeverfahren Susann betreffend keine Verfahrensbeteiligten mehr sind, da Sie an der Pflege nicht mehr beteiligt sind. Die Zuständigkeit liegt seit der Inobhutnahme beim Jugendamt des Kindesvaters in Neustadt. Folglich ergibt sich daraus, dass das Recht auf Hinzuziehung eines Beistandes nach §13, SGB X hier nicht in Anwendung gebracht werden kann.“

Aha. Eine elegante Formulierung, die man auch kürzer fassen könnte: „Kommt gar nicht in Frage! Schlagen Sie sich diese abstruse Idee aus dem Kopf!“

Wovor haben diese Leute eigentlich Angst? Warum lassen sie nicht zu, dass notwendige Hilfen fachlich und professionell diskutiert werden? Glauben sie, wenn man ihnen in die Karten schaut, würde man irgend etwas entdecken, was nicht an die Öffentlichkeit gehört? Oder halten sie Pflegeeltern einfach bloß für dumm und für Hindernisse für ihr Amtshandeln?

Jedenfalls werden wir also das Hilfeplangespräch allein zu bewältigen haben. Wir werden uns einen genauen Plan machen, um alles anzusprechen, was von Wichtigkeit ist.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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