Alles nicht so schlimm? 1. Teil

Ist es nicht so schlimm, wenn ein Kind etwas wegnimmt? Muss eine Reaktion erfolgen? Ist Entwendung ein Symptom für Probleme oder gar eine Krankheit? Oder ist alles nicht so schlimm?

Schwägerin Sarah ruft bei uns an. Sie hat unter dem Bett, in dem Susann geschlafen hat, Unmengen von Papier gefunden, das von Überraschungseiern stammt. Susann hat ihren ganzen Bestand aus der Küche vertilgt.

„Warum“, so fragt Sarah uns, „hat sie das getan? Sie hat doch welche bekommen, und wenn sie gefragt hätte, hätte sie auch noch mehr bekommen. Warum vertraut mir Susann nicht? Warum bestiehlt sie mich?“

Wir sind schockiert. Es gibt keine andere Möglichkeit. Susann hat wieder gestohlen.

Als wir Jeannett davon erzählen, wird sie blass.

„Jetzt weiß ich, woher sie die Figuren hat, die sie mir geschenkt hat! Ich glaube es nicht! Sie hat Tante Sarah bestohlen und mir geschenkt, was sie weggenommen hat! Ich will mit ihr nichts mehr zu tun haben!“

Wir sind alle entsetzt und enttäuscht.

Also rufe ich in der Wohngruppe an und berichte den Erziehern den Vorfall. Aber ich stoße nicht auf großes Interesse. „Das kommt schon mal vor“, versucht mich die Erzieherin völlig untauglich zu beruhigen. Sie ist offenbar unfähig, den Hintergrund dieser Handlung zu erkennen, dass sie auf dem Hintergrund der Traumatisierung zu sehen ist, die sie in ihrer Kindheit erfahren musste.

Susann bekommt eine Verhaltenstherapie, aber sie scheint nicht viel zu fruchten. Ich kann nicht begreifen, warum wir nicht mit einbezogen werden. Gerade jetzt böte sich die Chance, den Vorfall aufzuarbeiten. Susanns Verhalten betrifft auch uns massiv. Sie hat keine Vorstellung davon, welche Folgen ihr Verhalten hat. Mehr noch: Es ist mehr als wahrscheinlich, dass Susann unter Zwang handelt. In sochen Situationen ist sie offenbar nicht sie selbst.

Es wird Zeit, dass Susann endlich eine Therapie bekommt, die an die Grundlagen von Susanns Handeln geht und die ihr dabei hilft, nicht normgerechtes Verhalten nicht immer wieder wiederholen zu müssen. Wir befürchten aber, dass niemand außer uns diese Notwendigkeit einsieht.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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