Wir kämpfen um Pflegekinder

Es wird so langsam klar: Obwohl der Landkreis per Zeitungsannoncen Pflegeeltern sucht, bekommen wir keine Kinder. Sicher, wir haben einmal abgelehnt. Die Mutter hat psychische Probleme, der Junge ist stark verhaltensgestört. Sie müsste sozusagen „mitbetreut“ werden. Der Wohnort liegt sechzig Kilometer von unserem entfernt.

Es reicht uns. Wir suchen andere Lösungen. Seit wir mit Sigrid, unserer ältesten Pflegetochter in diesen Kreis gekommen sind, geht es mit Frau Schilling nicht gut. Sie scheint uns nicht zu wollen.

Also wenden wir uns an das Jugendamt, das in Hamburg für uns zuständig war und uns überprüft hat:

Pflegekinder aus Hamburg nach Niedersachsen…

Sehr geehrte Frau Beltz-Grenardier,

es hat uns keine Ruhe gelassen, und so haben wir uns kundig gemacht, ob nicht auch aus Hamburg Pflegekinder nach Niedersachsen (genauer: Denkendorf) vermittelt werden könnten. Der Grund dafür ist ganz einfach: Alle bisherigen Anbahnungsphasen gestalten sich sehr aufwendig, da wir am oberen Ende des Landkreises wohnen und wir mitunter sehr weit fahren müssen, um eine Einrichtung zu erreichen. Dennoch stehen wir zur Zeit mit Frau Schilling im Jugendamt Lüneburg in Kontakt, um eine Anbahnung in einer Einrichtung in Lüneburg zu beginnen.

Mit einem Schreiben an den Senator für Jugend, Bildung und Sport, das wir Ihnen beilegen, haben wir versucht, eine Klärung zu erreichen. In der beigefügten e-mail-Antwort hat uns Herr Grenz die Voraussetzungen erläutert und uns geraten, direkt mit den Stadtteilverwaltungen Kontakt aufzunehmen.

Wir wenden uns nun an Sie als der Stelle, die sowohl derzeit unsere Eignung festgestellt hat als auch die Voraussetzungen unserer Pflegestelle kennt. Auch Frau Schilling vom jetzt zuständigen Jugendamt kennt diese Voraussetzungen. Dementsprechend sind die von Herrn Grenz genannten Bedingungen optimal erfüllt.

Wir können uns gut vorstellen, dass Kinder aus ihrer momentanen Situation in einer Großstadt herausgelöst werden müssen, um in ruhiger Atmosphäre eine positive Entwicklung zu nehmen. Wir sind unter diesen Voraussetzungen dazu bereit, weitere Pflegekinder aufzunehmen.

Zeitgleich mit diesem Schreiben werden wir Frau Schilling vom Jugendamt des Landkreises Lüneburg anschreiben und ihr die oben beschriebene Situation ebenfalls schildern. Wir würden es begrüßen, wenn beide Jugendämter in Kontakt treten, um eine Vermittlung von Pflegekindern aus Hamburg in unsere Pflegestelle zu ermöglichen.

Bitte teilen sie uns möglichst bald mit, wie sie die Chancen für die Vermittlung Hamburger Kinder in unsere Pflegestelle unter diesen Voraussetzungen sehen.

Freundliche Grüße

Es ist kaum zu fassen: In einem Land, in dem es jedes Jahr 200.000 missbrauchte, vernachlässigte Kinder gibt, müssen Pflegeeltern um Pflegekindern betteln und ihre Dienste anbieten. In eben diesem Land gelten Verwaltungsprobleme zwischen Gemeinden und Bundesländern mehr als das Wohl von Kindern, die missbraucht und vernachlässigt wurden. In eben diesem Land gibt es Fälle, in denen Kinder ihren traumatisierenden Eltern zurückgeführt werden, um das Geld für die Pflegestellen zu sparen.

Ist Deutschland ein kinderfreundliches Land?

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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4 Antworten zu Wir kämpfen um Pflegekinder

  1. schumann christa schreibt:

    Sher geehrte Damen und Herren,
    ich kann den Kommentar nur bestätigen. Kinder verschwinden in den Heimen und Pflegestellen die sich um das Wohl ihrer Schützlinge bemühen bleiben unbelegt.
    Wehe, wehe du sprichst gegen das Amt, sofort bist du nicht mehr gefragt und kannst dann im wahrsten Sinne des Wortes um die Gunst betteln ein Kind in deine liebevollen Hände zu bekommen
    Wie soll das nur weitergehen hier in Deutschland
    Mit Plakaten wir geworben und diePflegestelen bleiben unbelegt.

  2. lehrergehrke schreibt:

    Hallo, Frau Schumann, Sie haben Recht. Sobald Pflegeeltern aktiv mit dem Jugendamt zusammen arbeiten und gestalten wollen, ist man bei einigen Sachbearbeitern unten durch. Dann wird es schwierig mit einer Vermittlung, selbst wenn händeringend Pflegeeltern gesucht werden. Dann lohnt es sich, sich bei anderen Jugendämtern fremd zu bewerben.

    • uschi kruse schreibt:

      Ich bin seit 10 Jahren Pflegemutter, und kann ihrer Meinung nur zu stimmen,es intresiert nicht, was vor der in Pflegenahme eines Kindes in der Stammfamilie schief lief,das Kind wird ohne sanfte Rückführung in die Familie zurück gelassen,(zum Wohle dea Kindes)nach 7 Jahren Pflegefamilie,und wenige Kontakte zur Mutter. Und das Kind leidet,weil die leibliche mutti die Beste ist aber die Pflegemutter auch geliebt wird.

      • lehrergehrke schreibt:

        Danke für diesen Kommentar, leider ist das häufig so. Jugendämter und Gerichte sollten eher darauf hin arbeiten, die Kinder dabei zu unterstützen, beide Familienteile zu akzeptieren. Leibliche Eltern sind nicht immer die beste Lösung. Statt dessen werden Konflikte noch eher geschürt. Dabei sind die Pflegeeltern meist die Verlierer.

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