Nicht unter dem Weihnachtsbaum!?

Die Anbahnung mit unseren beiden zukünftigen Pflegekindern macht Fortschritte. Ursprünglich war ein Besuch der Kinder in Begleitung einer Erzieherin in unserem Hause geplant. Und wir sind froh darüber, dass wir die Kinder abholen dürfen, obwohl aus dienstlichen Gründen keine Erzieherin zur Begleitung zur Verfügung steht.

Es ist ein Samstag kurz vor Weihnachten. Wir backen Plätzchen, trinken Kakao und lassen die Kerzen am Adventskranz brennen. Was für eine Stimmung! So als wäre es noch nie anders gewesen. Der Geruch von Gewürzen, Tanne, Kaffee und Kakao, das Halbdunkel…

Als es so weit ist, dass sie den Heimweg antreten sollen, fragen sie uns mit erwartungsvollem Blick, ob sie nicht bei uns bleiben könnten.

Wenn wir jetzt im Heim anrufen würden, stünden die Chancen vielleicht nicht schlecht dafür, dass die beiden bei uns übernachten könnten. Aber wollen wir das wirklich? Es sind gerade drei Wochen her, dass wir uns kennen. Nach unserer Erfahrung und den Berichten anderer Pflegeeltern wissen wir, dass zu schnell entstandene Pflegeverhältnisse eben so schnell scheitern. Es braucht Zeit, um sich gegenseitig kennen zu lernen und an einander zu gewöhnen und den Alltag u gestalten. Bei unserer ersten Pflegetochter hat die Anbahnung mehrere Monate gebraucht. Und ebenso wissen wir, mit welchen Emotionen der Heilige Abend und das Weihnachtsfest behaftet ist. Was, wenn die Gefühle durchbrechen und wir die Kinder zurück bringen müssten?

Ruth formuliert es so:

Pflegekinder sind kein Weihnachtsgeschenk, die man eben mal so unter den Tannenbaum legen kann.

Also schreiben wir dem Jugendamt:

Perspektivisch stellen wir uns vor, unser Verhältnis zu den Kindern weiter zu festigen. Wir stellen uns dafür eine Phase von ein bis zwei Monaten vor. In diesem Zeitrahmen könnten Beurlaubungen aus der Einrichtung zur Eingewöhnung in unsere Familie genutzt werden. Dazu würden sich Ferienzeiträume wie die Zeit zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem Jahreswechsel besonders eignen. Die zwei ersten Februarwochen könnten je nach Fortschritt der Anbahnung einen Übergang in die Pflegschaft bilden. Diese Form der behutsamen Anbahnung würde für die Kinder zu einem reibungslosen Übergang in die Pflegefamilie führen, so dass die Eingewöhnung wenig Probleme verursachen würde.

Das war wohl eben so professionell wie verkehrt. Als wir uns im Heim melden, um die Besuchstermine für Weihnachten und die nächsten Monate klar zu machen, sagt uns die Heimleitung kurz angebunden, dass es keine weiteren Kontakte geben würde. Die Kindesmutter hätte der Überführung der Kinder in eine Pflegefamilie nicht zugestimmt.

Monate später erfahren wir von Pflegeeltern aus unserem Kreis, dass der Heimleitung die Anbahnung nicht schnell genug gegangen wäre und wir wohl kein Interesse an den Kindern hätten. Wir erfahren auch, dass wir nicht die ersten und letzten Vermittlungsversuche gewesen sind.

Jugendämter sind schon merkwürdige Institutionen. Sie sind ausgestattet mit einer enormen Entscheidungsmacht und zögern zugleich, Recht und Gesetz umzusetzen. Sie bestimmen über Beginn und Ende von Pflegeverhältnissen und sollen dabei das Wohl der von ihnen betreuten Kinder berücksichtigen.

In unserem Fall sind Zweifel wohl angebracht, ob die wiederholten Vermittlungsversuche den Kindern gut getan haben. Aus der Absicht, die Kinder möglichst schnell los zu werden, wurde offenbar nichts.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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