Pflegeeltern suchen Pflegekinder

Es ist alles im Reinen. Unser Haus ist fertig, wir bewohnen es schon seit ein paar Jahren, zusammen mit unserer ältesten Pflegetochter. Nun soll es passieren. Sigrid, unsere Pflegetocher, wünscht sich Geschwister. Und wir haben reichlich Platz und Energie.

Das Jugendamt sieht das leider nicht so. Die Sachbearbeiterin, Frau Schilling, hält uns offensichtlich für alt. Dennoch hat sie uns zwei Kinder in Aussicht gestellt. Also beginnen wir die Anbahnung.

Als wir zum Kinderheim kommen, kommt uns Frau Schilling schon mit sauertöpfischer Mine entgegen.

„Die Kinder wollen niemanden sehen“, erklärt sie kurz angebunden und tritt den Heimweg an. Aber so schnell geben wir nicht auf. Ein Mädchen und ein Junge, von der alkoholabhängigen Mutter vernachlässigt, aber offen und freundlich, warten auf uns. Wir nehmen am Abendbrot teil und Ruth setzt ihre gesamten beruflichen Fähigkeiten ein, spielt mit ihnen und macht Scherze. Die Erzieher sind freundlich und unterstützen uns. Es wird ein schöner Nachmittag. Wir haben ein gutes Gefühl.

Der nächste Besuch ist als Spaziergang geplant. Die Kids zeigen uns ein Wohngebiet der Stadt. Für sie scheint es ganz normal, was sie sehen. Wir sind entsetzt. Plattenbauten, die modernisiert werden, die Menschen stehen vor den Toilettencontainern auf der Straße Schlange. Wie können Menschen unter solchen Umständen leben, fragen wir uns.

Auf unserem Weg schließt sich ein kleiner Junge uns an. Er hat wohl bemerkt, als wir auf dem Spielplatz herum tollen, dass wir nie die richtigen Eltern sein können. Wir benehmen uns nicht wie „richtige“ Eltern. Wir schimpfen nicht, wir gehen mit Kindern spazieren scherzen – so etwas kommt in seiner Familie wohl nicht vor. Auf dem Weg zum Kinderheim können wir ihm nur mit Mühe erklären, dass er nicht mitkommen kann und wir ihn nicht mitnehmen können.

Was für ein Tag! Schon stellen wir uns vor, was wir mit den beiden unternehmen, wie wir eine Familie werden, welche Zimmer sie bewohnen… Wir sind erfüllt von dem Gedanken, den beiden Gutes zu tun.

Advertisements

Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
Dieser Beitrag wurde unter Die Anbahnung abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s