Die neue Heimat?

Wer umzieht, sieht sich seine neue Heimat ganz genau an. Diese Chance soll auch Susann haben. Deshalb treffe ich mich mit Susann und ihrer Bezugserziehein in der Krisengruppe. Wir fahren morgens 150 km, um uns eine heilpädagogische Einrichtung anzusehen.

Susann sitzt entspannt im Auto. Wir fahren zu dritt. Es wir nicht viel gesprochen.

Nach zwei Stunden Fahrt über Autobahnen und Landstraßen treffen wir endlich ein. Es ist ein kleines Wohnhaus mit steilen Treppen und einer Wohnung für zehn Kinder. Wir sitzen um den Tisch herum und trinken Kaffee. Einige Erzieher sind anwesend und die innenwohnende Therapeutin.

„Wir sind eine offene Wohngruppe.“

Das heißt, nach der Schule haben die Kinder die Möglichkeit, zu tun, was sie möchten. Es gibt kein Programm.

Soll das heißen, die Kinder sind sich selbst überlassen?

Es gibt eine Therapeutin, die immer ansprechbar ist und eine Therapie anbietet. Ihr Fachgebiet ist Verhaltenstherapie. Davon findet man in jeder Stadt an jeder Straßenecke Dutzende. Auf meinen Einwand, dass Susann eine Traumatherapie braucht, erfahren wir, dass es weder andere Kinder- und Jugendtherapeuten noch Traumatherapeuten gibt.

Und noch etwas:

„Wir haben eine Probezeit nach einem Jahr. Innerhalb dieser Zeit haben wir die Möglichkeit, Susann abzulehnen.“

Was soll das heißen? Probeliegen und später eine Rückführung in die Krisengruppe? Das wäre der Super-GAU für Susann.

Susann nimmt alles ohne eine Regung hin. Sie hat schon geäußert, dass sie eigentlich in ihrer jetzigen Einrichtung bleiben will. Das ist klar, wenn man bedenkt, dass der Umzug wieder einen Wechsel des Umfeldes und Abbruch von Beziehungen bedeutet. Aber es ist eben nur eine Zwischenstation für sie.

Wir sind nicht überzeugt. So hatten wir uns die Betreuung durch Fachleute nicht vorgestellt. Andererseits wissen wir, dass heilpädagogische Einrichtungen für traumatisierte Kinder in Deutschland in verschwindend geringer Zahl vorhanden und deshalb meist völlig ausgebucht sind. De Auswahl ist gering. Diejenigen, denen das Leben am schlimmsten mitgespielt hat, können nicht auf viel Unterstützung hoffen.

Der Fehler liegt im System.

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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