Die Suche geht weiter

Suchen ist eine meiner Hauptbeschäftigungen dieser Tage. Heute suche ich in der virtuellen Welt des Internet real existierende Lungenärzte in unserer Gegend. Ruth hat irgendwie einen asthmatischen Husten entwickelt. Der Stress der letzen Tage zeigt sich nun körperlich bei ihr. Aber alle Ärzte, die wir auch anrufen, haben Wartezeiten von bis zu drei Monaten. Wie kann es sein, dass in einem zivilisierten Land wie unserem wir in einer schlimmen Situation monatelang auf einen Facharzttermin warten müssen?

Schließlich klappt es doch. Die Diagnose ist klar: Asthma. Ruth muss nun unter ständiger Beobachtung bleiben. Immer, wenn´s Stress gibt, wird sie damit rechnen müssen.

Suchen, die zweite. Wir wollen das Übel endlich bei der Wurzel packen. Jeannett weigert sich, eine Therapie zu beginnen. Sie braucht unsere Hilfe und Unterstützung, wenn sie einer Therapeutin gegenüber sitzt, ein Mann kommt sowieso nicht mehr in Frage. Also versuche ich eine Familientherapeutin aufzutreiben.

Eine Anfrage bei meiner Krankenversicherung ergibt, dass systemische Familientherapien aus irgend einem Grund nicht bezahlt werden. Auch keine Chance beim Jugendamt auf Übernahme der Kosten.

Also sehe ich mich nach karitativen Organisationen um und rufe sie an. Es dauert eine Weile, ehe ich heraus bekomme, dass es auch hier Zuständigkeiten gibt, die auf Gebiete beschränkt sind. Endlich finde ich eine Sozialeinrichtung, die vom Diakonischen Werk geführt wird. Ich bekomme sogar einen Termin.

Leider müssen wir feststellen, dass diese Art der Hilfe nicht ausreicht. Ruth und Jeannett sprechen von einem „Kaffeekränzchen“. Die beiden Damen haben sich wirklich große Mühe gegeben, aber wir mussten erkennen, dass es ihnen sehr schwer fiel, unsere Problematik überhaupt zu verstehen.

Viele Fachleute haben uns schon wissen lassen, dass unsere Situation eine ganz besondere, komplizierte ist. Aber was nützt uns das, wenn wir keine Hilfe bekommen?

Außerdem: Viele andere Pflegeeltern werden sicherlich wie wir kämpfen, um das Beste für die ihnen anvertrauten Kinder zu erreichen. Von einigen wissen wir es. Es ist nur zu wenig bekannt, was es bedeutet, für Kinder Verantwortung zu tragen, die schon so viel in ihrem kurzen Leben haben aushalten müssen.

In einem hervorragenden Seminar, das wir besucht haben, um unsere Kinder besser verstehen zu lernen, machte es der Referent Oliver Hardenberg ganz deutlich:

Pflegeeltern haben die Interessen ihrer traumatisierten Pflegekinder zu vertreten. Wer sonst, wenn nicht sie? Sie müssen die Pflegekinder die volle Solidarität durch Parteilichkeit erfahren lassen.

Wann endlich werden Jugendämter, Psychotherapeuten und Kliniken diese Tatsache akzeptieren und jenseits von fachlichen Meinungsverschiedenheiten und Zuständigkeiten mit der konkreten Hilfe für Pflegeeltern und deren traumatisierten Pflegekindern beginnen?

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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2 Antworten zu Die Suche geht weiter

  1. Geli schreibt:

    Pflegeeltern haben die Interessen ihrer traumatisierten Pflegekinder zu vertreten. Wer sonst, wenn nicht sie? Sie müssen die Pflegekinder die volle Solidarität durch Parteilichkeit erfahren lassen.

    Aussage unseres JA, „Pflegeeltern sind der verlängerte Arm des Jugendamtes und haben dessen Interessen zu vertreten“, nun sag mal noch was!
    LG Geli

  2. lehrergehrke schreibt:

    Liebe Geli,
    vielleicht hältst Du den JA mal die Tagungsdokumentation der 16. Jahrestagung der Stiftung zum Wohl des Pflegekindes am 30.5.2005 zum Thema Bindung und Trauma unter die Nase. Da sagt der anerkannte Fachmann Oliver Hardenberg, Diplom-Psychologe und Gerichtsgutachter darin:

    „Zentral für den Aufarbeitungsprozess traumatischer Erfahrungen ist, dass das Kind neben der Übereinstimmung mit den Pflegeeltern deren volle Solidarität durch Parteilichkeit erfährt. Denn ein Kind muss sich von traumatisierten Erwachsenen, die so mit einem Kind umgegangen sind, kritisch distanzieren können.“

    Überleg mal, was das z.B. für Umgangskontakte heißt.

    Ich habe Hardenberg in Wismar auf einem Seminar erleben können. Er ist wirklich genial.

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