Wir arbeiten das Trauma auf

Denken? Sprechen? Arbeiten? Etwas Schönes tun?

Jeannett ist heute nicht zur Schule gegangen. Sie vergräbt sich in ihrem Zimmer, ist schweigsam. Es ist gut so. Sie denkt nach und versucht auf diese Weise die Situation zu bewältigen. Sie kann das. Zum Glück.

Sprechen. Die Familientherapie soll uns helfen. Wir erzählen von allem. Die Therapeutin bestärkt uns. Es war die richtige Entscheidung. Sie meint, sie hat es kommen sehen. Vergeblich kämpft sie gegen Jeannetts Meinung, Susann gehöre jetzt nicht mehr zu unserer Familie.

„Susann gehört einfach nicht mehr zu unserer Familie.“, sagt sie. „Sie hätte auch dazu gehören können, aber sie wollte es nicht mehr.“

„Aber Susann ist doch deine Schwester“, wendet die Therapeutin ein und gibt ein Beispiel:

„Simone ist doch Eure große Pflegeschwester. Sie wohnt doch auch nicht mehr bei euch. Und trotzdem ist sie zu Weihnachten mit euch zusammen und auch zu Geburtstagen.“

Das sitzt. Jeannett überlegt einen Moment. Dann sagt sie trotzig: „Aber trotzdem, Sie gehört nicht mehr dazu.“

Erst jetzt verstehen wir richtig, wie Jeannett gebangt haben muss, dass unsere Familie zerfällt. Die traurigen und schwierigen Situationen, in denen wir nicht mehr weiter wussten. Für sie ist es ein ganz neuer Anfang.

Jeannett hat aber jetzt eine Aufgabe, die ihr Selbstbewusstsein hebt. Sie trägt Werbeprospekte aus und verdient sich so ihr erstes eigenes Geld. Sie ist ganz stolz.

Am Wochenende fahren wir in die Umgebung, übernachten, sehen uns ein Freilichtmuseum an. Es hilft uns allen, Abstand zu gewinnen. Aber dennoch kennen wir nur ein Thema. Es ist ein völlig neues Gefühl, Und trotzdem werden wir das Gefühl nicht los, dass wir unvollständig sind…

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Über Sir Ralph

Spezialist für Englisch, Wirtschaftsenglisch, Lernmethoden und Motivation, Pflegekinder und -eltern, internationale Kontakte, passionierter Motorrollerfahrer // Expert in English and Commercial English, interested in foster parenting and international contacts and riding my 125cc scooter
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