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Bedrohliche Besuche 19. März 2012

Posted by lehrergehrke in Allgemein.
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Pflegeeltern sind verpflichtet, ihren Pflegekindern zu ermöglichen, Kontakt zu ihren leiblichen Eltern zu haben. Das ist gesetzlich festgehalten. Sie dürfen Kontakt haben, aber die Herkunftseltern müssen Kontakte wahrnehmen, wenn ihre Kinder diese wünschen.

Wir hatten bisher “Glück”. Zwar gab es mitunter Briefe des leiblichen Vaters aus dem Gefängnis, die wir den Kindern vorlasen, vorausgesetzt, sie waren ihrem Entwicklungsstand entsprechend für ihre Ohren geeignet. Auch hatten wir einige begleitete Umgangskontakte in den Räumlichkeiten des Jugendamtes. Jedes Mal mussten wir danach daran arbeiten, ihnen die Angst und die Verwirrtheit zu nehmen, die sich durch diese Kontakte einstellten. Aber im Großen und Ganzen war ihnen der Vater fremd; er kam wie aus einer anderen Welt. Die Mutter tauchte nicht auf und blieb verschollen. Nur selten kam es vor, dass Susann sich sehnte: “Ich würde so gerne wissen, wer meine Mama ist. Alle anderen haben eine richtige Mama, nur ich nicht.”

“Deine Mama ist nicht mehr da”, versuchten wir sie dann zu beruhigen, “Wir wissen ach nicht, wo sie ist. Keiner weiß das.”

Jetzt aber wird es ernst. Frau Schilling vom Jugendamt ruft mich an.

“Sie wissen vielleicht”, tastet sie sich vor, “dass der Papa Ihrer Pflegekinder wegen guter Führung aus der Justizvollzugsanstalt entlassen worden ist. Er wohnt jetzt in Neustadt in Bayern. Er hat natürlich das Recht, seine Kinder zu sehen. Dieses Recht hat er uns gegenüber schon geltend gemacht. Ich möchte Sie bitten, sich Gedanken darüber zu machen, wie diese Umgangskontakte umgesetzt werden können.”

Ich bin schockiert. Was ich an dieser Sachbearbeiterin so unglaublich unhöflich und unkooperativ finde, ist, wie sie mit der Tür ins Haus fällt, wie sie uns so einfach vor vollendete Tatsachen stellt, ohne uns nur die Spur einer Möglichkeit zu geben, uns mit ihre Forderungen auseinander zu setzen.

“Frau Schilling”, erwidere ich, nachdem ich mich wieder gesammelt habe, “Sie wissen doch genau so gut wie wir, was es für die Kinder bedeutet, wieder Kontakt zu ihrem Vater zu haben, der sie so stark traumatisiert hat und der an ihrem ganzen Unglück die Schuld trägt. Sie wissen, dass es beiden körperlich und seelisch sehr schlecht geht, wenn sie Kontakt zu ihm haben. Haben Sie das alles mit in Ihre Entscheidung mit einbezogen?”

“Da gibt es gar nichts mit einzubeziehen”, wehrt sie sich mit scharfem Ton, “Das ist die Gesetzeslage. Daran müssen wir uns halten. Auch Sie müssen sich daran halten. Wir werden das Recht des Vaters in jedem Falle durchsetzen. Und wir verlangen selbstverständlich Ihre Kooperation.”

“Aber wenn es den Kindern doch aber schadtet! Übernehmen Sie die Verantwortung für die Schäden, die entstehen können?”, versuche ich zu argumentieren.

“So ist das Gesetz”, beharrt sie. “Außerdem ist es auch aus Sicht von Psychologen und Therapeuten nicht unüblich und trägt zur Heilung des Traumas bei, wenn die Kinder ihre Herkunftsfamilie wiedersehen und zu ihnen wieder eine Beziehung aufbauen. Schließlich ist es der leibliche Vater. Wer sagt Ihnen, dass es den Kindern schadet? Seien Sie froh, dass er nicht gleich die Rückführung beantragt hat. Ich muss von Ihnen da jetzt Professionalität verlangen.”

“Darüber möchte ich aber erst noch einmal richtig nachdenken und mit meiner Frau sprechen”, versuche ich Zeit zu gewinnen.

“Nehmen sie es zur Kenntnis: Es gibt keine Alternative!”, erklärt sie und fordert ultimativ: “Ich rufe Sie übermorgen wieder an. Dann muss ich von Ihnen eine Vorstellung dazu haben, wann und wie wir die Umgangskontakte stattfinden.”

So ist das also. Es geht um das Recht der leiblichen Eltern, das Kindeswohl spielt keine Rolle. Es wird von den traumatisierten Kindern verlangt, ihrem Peiniger auch noch entgegen zu treten, mit ihm Zeit zu verbringen. Wo wir doch schon aus den bisherigen Besuchskontakten wissen, dass der Kindesvater mit seinen Töchtern nichts anzufangen weiß. Die ganze ehemalige Situation wird wieder erstehen, wie damals. Nicht auszudenken, wenn die damaligen Verletzungen, die Todesangst, sie Vernachlässigung unberechenbares Verhalten bei den Kindern, aber auch beim Kindesvater triggert.

Da hat diese Jugendamtssachbearbeiterin die Stirn, die Verantwortung für die Durchführung der Kontakte uns aufzubürden. Sie verlangt von uns Verständnis für eine verstaubte, durch nichts begründete Konfrontationstherapie. Sie appelliert an unsere “Professionalität”, die nichts anderes bedeutet, als dass wir emotionslos das tun und zu unterstützen, was das Jugendamt von uns verlangt. Und das alles auf dem Hintergrund, dass das Jugendamt um Himmels Willen keinen Ärger mit dem Kindesvater bekommen will. Unterstützung für die traumatisierten Pflegekinder und deren Pflegeeltern sieht ganz anders aus.

Als ich das alles Ruth erzähle, ist sie außer sich vor Wut und Hilflosigkeit. Aber es wird uns nichts anderes bleiben als uns darauf einzulassen und das Schlimmste zu verhindern.

Die Angst vor der Trennung 29. August 2011

Posted by lehrergehrke in Der Kampf um Normalität.
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Einige Pflegekinder leben unter der ständigen Angst, von ihrer Pflegefamilie getrennt zu werden. Daran sind die Jugendämter nicht unschuldig, wenn sie auf Besuchskontakten mit der Herkunftsfamilie bestehen und vielleicht sogar die Rückführung vorbereiten. Besonders traumatisierte Pflegekinder trifft diese Befürchtung schwer und macht ihr ganzes Bemühen, eine Bindung zu den Pflegeeltern aufzubauen, zu einem ungeahnten Wagnis.

Susann bringt heute eine Zeichnung mit von der Therapie. Sie schockiert uns alle.

Auf der Vorderseite des Blattes, das an den Rändern gezackt eingeschnitten ist,sind links zwei erwachsene Personen zu sehen. Sie sind mit “Mama” und “Papa” überschrieben. “Mama” sagt in einer Sprechblase “Ha auf wiedersehen” und “Papa” “Auf Wiedersehen”. Die linke, kleinere Person mit traurigem Gesichtsausdruck ist “Susann” überschrieben. Sie weint und sagt ” auf wiedersehen”. Regen fällt, Blitze zucken. Auf der Rückseite ist eine jugendliche Person zu sehen, die Jeannett darstellt und sagt “HaHaHa auf wiedersehen”.

Susann hat sich schon immer mit Zeichnungen besser ausdrücken können als verbal. Aber die Aussagekraft dieser Zeichnung sprengt alles bisher Dagewesene und drückt die ganze Angst aus, die Susann umtreibt. Sie scheint zu meinen, dass sich alle außer mir in der Familie darüber freuen würden, wenn sie gehen würde. Susann kennt die Belastung, die sie für unsere Familie darstellt, aber sie kann so wenig dagegen tun. Zugleich spiegelt diese Zeichnung ihre ganze Angst wider, dass es einmal so weit kommen könnte.

Was machen wir falsch? Wir zeigen ihr doch nicht, dass sie bei uns unerwünscht ist. Sie ist es ja auch nicht. Aber Susann ist mit ihren Problemen wirklich eine Belastung für uns.

Zugleich macht Susann klar, dass beide Mädchen um unsere Zuneigung und Aufmerksamkeit kämpfen und wie stark sie konkurrieren. Susann hat Angst, den Kampf zu verlieren.

Für uns bedeutet das, dass wir Susann noch mehr zeigen müssen, dass sie bei uns willkommen ist, dass sie sich auf uns verlassen kann und dass sie dazu gehört. Zugleich aber tut sie alles dafür, sich ins Abseits zu stellen. Wir haben keine Ahnung, wie das weiter gehen soll.

Der Name an der Tür 22. August 2011

Posted by lehrergehrke in Der Kampf um Normalität.
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Was ist Sachbeschädigung? Kann man Pflegekindern beibringen, dass sie Dinge, die anderen etwas bedeuten, nicht einfach beschädigen darf? Sind sie sich dessen bewusst, dass es überhaupt einen Schaden darstellt?

Heute entdecken wir, dass Susanns Name an unsere gläserne Haustür geritzt ist. Es ergäbe keinen Sinn, wenn Jeannett Susanns Namen dort verewigt hätte. Wir sind überzeugt: Susann war es.

“Ich war es nicht”, beteuert sie. Es ist eine dieser dissoziativen Handlungen, derer sie sich nicht bewusst ist.

Wie schlecht muss es Susann gehen, wie groß muss ihre Angst sein, uns verlassen zu müssen. Ist es ein dummer Streich oder ist es ein Hilferuf? Ich beschließe, dass wir alle verfügbaren Fachleute danach befragen werden. Noch morgen.

Au ja, wir zelten! 19. März 2011

Posted by lehrergehrke in Der Kampf um Normalität.
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Für Kinder wie für einige Erwachsene bedeutet es eine Art von Freiheit, in der freien Natur zu schlafen, nur mit einem Leinentuch über dem Kopf. Für unsere beiden Mädels ist es etwas Besonderes, Neues, etwas nie Dagewesenes, Aufregendes.

Für uns hat das Camping nichts mit Entsagung und fehlendem Luxus zu tun. Es bedeutet auch nicht, dass wir die Gemeinschaft von Gleichgesinnten besonders schätzen. Wir wissen nur, dass es Zeltplätze wie in Frankreich gibt, auf denen es an nichts fehlt, vom Stromanschluss bis zur Waschmaschine, und die für so viel Luxus sehr preiswert sind.

Es ist unsere Idee, mit den Kindern im Sommer zum Zelten zu fahren. Kinder mögen das Zelten. Sie beherrschen es intuitiv, so unsere Überzeugung. Trotzdem aber meinen wir, man sollte es vorher einmal ausprobiert haben.

Das Wochenendwetter ist nicht zu überbieten, strahlender Sonnenschein, trockene Luft, für einen Frühling ziemlich laue Nächte. Also beschließen wir, hinten im Garten das Zelt aufzubauen. Jeannett und Susann frohlocken, sie helfen uns mit dem Aufbau und nach getaner Arbeit toben sie um die Behausung herum. Luftmatratzen, Schlafsäcke, Puppen und Kuscheltiere  werden ins Zelt geschleppt. Alles ist für die Nacht in freier Natur bereit. Wie es sich gehört, grillen wir zünftig auf der Terrasse.

Dann ist es Zeit, um ins Bett zu gehen. Die Mädchen verschwinden im Zelt und kuscheln sich in ihre Schlafsäcke. Noch ist es hell. Ein bisschen unterhalten sie sich noch, dann ist alles still. Die Dunkelheit ist einbebrochen. Vorsichtshalber haben wir die Kellertür unverschlossen gelassen.

Wir genießen den Tagesausklang vor dem Fernseher. Da hören wir eine Tür und Schritte auf der Treppe in den Keller. Susann steht im Wohnzimmer, verschlafen und verstört.

“Ich kannn nicht schlafen. Ich habe Angst. Alles um das Zelt herum knackt und raschelt und ich habe auch schon wilde Tiere gehört, als ich aufgewacht bin.”

Ruth nimmt sie in den Arm. “Du musst nicht draußen schlafen, meine Kleine”, beruhigt sie sie. “Aber es gibt in unserem Garten keine wilden Tiere. Vielleicht mal eine Maus, aber das ist alles.”

Susann schleicht in ihr Bett und schläft sofort ein. Vorsichtshalber schauen wir nach Jeannett. Die schläft tief und fest in ihrem Schlafsack.

Am nächsten Morgen ist Jeannett zeitig in der Küche.

“Was ist denn jetzt los?” ereifert sie sich. “Warum ist Susann nicht mehr im Zelt?” Und zu ihr gewandt: “Du bist wohl feige, hast du drin geschlafen?”

Ruth schaltet sich ein. “Susann war es ein bisschen unheimlich, da ist sie in ihr Bett gegangen. Das ist doch nicht schlimm.”

Jeannett blickt verächtlich. “Wie willst du das denn je hinkriegen, wenn du nicht mal ein bisschen durchhalten kannst! Ich hab´s doch auch geschafft.”

“Hattest du keine Angst?” fragt Susann leise. “Das ist doch völlig unwichtig!” bellt Jeannett ihre Schwester an, “Ich hab´s geschafft und du nicht!”

Ruth kuschelt beide Mädchen an sich und beruhigt sie. “Das ist doch alles nicht so schlimm. Das nächste Mal kriegen wir das schon hin. Dann weiß Susann bescheid und du, Jeannett, hilfst ihr und beruhigst sie, wenn sie Angst hat.”

Jeannett blickt finster, aber sie traut sich nichts mehr zu sagen.

Ist unser Vorhaben nun gescheitert? Jeannett will unbedingt zelten. Susann füchtet sich.

Zum ersten Mal haben wir einen Eindruck von der Beziehung der beiden Schwestern zueinander bekommen. Jeannet ist draufgängerisch und beherrscht, sie traut sich nicht, Schwächen zuzugeben. Susann dagegen ist sensibel, ängstlich, fast schon weinerlich. Beide haben massiv Angst, unsere Zuneigung und Wertschätzung zu verlieren. Ihre Rollenaufteilung funktioniert nicht mehr. Jeannett braucht Susann nicht mehr wie zu den Zeiten der Vernachlässigung zu beschützen und Susann hat das erste Mal in ihrem Leben Erwachsene, die sich um sie kümmern. Das stellt die Weltbilder der beiden total auf den Kopf.

Später werden wir die Folgen dieser Rollenveränderungen noch genauer kennen lernen. Sie sollen die ganze Zeit, während sie bei uns leben, enorm prägen. Wir werden erleben, wie jede der beiden um unsere Aufmerksamkeit, um unsere Zuwendung buhlen und kämpfen, wo es gar nichts zu kämpfen gibt. Aber sie kennen es nicht anders.

Eine harmonische Woche 2. März 2011

Posted by lehrergehrke in Die Anbahnung.
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Anbahnungen bei Pflegekindern brauchen Zeit. Geht alles überstürzt, bedeutet das womöglich, dass Pflegeeltern und Pflegekinder doch nicht mit einander auskommen. Die Folge ist besonders bei traumatisierten Kindern katastrophal. Es kann einen erneuten Abbruch von schon gewachsenen Bindungen bedeuten und die spätere Bindungsfähigkeit negativ beeinflussen.

Deshalb sind wir glühende Verfechter von sanften Anbahnungen. Dazu gehört, dass wir die beiden Mäuse am Ostermontag abholen, damit sie eine Woche lang bei uns verbringen können. Wir möchten sie möglichst gleitend in unseren Alltag einbinden. Wir wissen, dass sie aus einer zerrütteten Familie kommen, dass sie vernachlässigt und zu fremden Menschen abgeschoben wurden. Eine intakte Familie haben sie bisher noch nicht kennen gelernt. Der Alltag im Kinderheim ist nicht eben spannend, es gibt keine durchgehend verfügbaren Bezugspersonen. Wie werden sie auf das Leben in einer Familie reagieren?

Auch wenn wir beide Urlaub haben, die normalen Aufgaben, die in einer Familie erledigt werden müssen, stehen an. Dabei versuchen wir, die beiden Mädchen mit einzubinden. Noch ist alles spannend, noch ist alles neu. Ob es darum geht, den Tisch abzuräumen oder die Wäsche aufzuhängen, alles funktioniert ohne Murren. Etwas Besonderes ist es, die Katzen zu füttern. Deshalb dürfen sie im Wechsel die Katzen füttern, Susann morgens und Jeannett abends. Tags über spielen sie in unserer ruhigen Wohnstraße oder dürfen auch mal zum Laden am Bahnhof gehen. Dann nehmen sie die Gelegenheit wahr, an der Schranke zu stehen und den Zügen zuzusehen.

Auch für Ausflüge bietet sich das Frühlingswetter an. Wir fahren in die Heide und die beiden tollen um die Hünengräber herum. Im Glasmuseum sehen sie gebannt dem Glasbläser zu. Es sind viele Eindrücke, die sie bekommen, aber schon bemerken wir, wie sich sie traurige Leere in ihren Gehirnen langsam füllt. Mit glänzenden Augen saugen sie alles auf, was ihnen begegnet.

Anders dagegen die Nächte. Es ist nicht einfach, die beiden überhaupt zum Schlafen zu kriegen. Angesichts der aufregenden Tage ist das auch nicht verwunderlich. So setze ich mich abends zum Einschlafen zu ihnen an die Betten und singe zur Gitarre Lieder wie “Puff the Magic Dragon” und zum Schluss ein Gute-Nacht-Lied wie “Old Lang Syne”. Das gibt ihnen die nötige Ruhe.

Manchmal aber steht Jeannett abends um zehn im Wohnzimmer und klagt:

“Ich kann nicht schlafen.”

Also mache ich ihr einen Gute-Nacht-Tee, der signalisiert: Ab jetzt ist wirklich Ruhe!, und es funktioniert.

Nachts erwachen wir fast täglich von Susanns Stöhnen und Weinen. Sie wird geschüttelt von Alpträumen. Also halte ich ihre Hand und spreche beruhigend auf sie ein, bis sie wieder einschläft.  Wir können nur ahnen, welche Ängste sie nachts heimsuchen.

Als wir sie am Sonntag wieder ins Heim bringen, ist der Abschied herzlich. Es scheint, als könnten sie uns akzeptieren. Und wir haben einen ersten Einblick darin bekommen, was wir bereit sein müssen, zu leisten. Es wird nicht einfach, aber wir sind zuversichtlich, den beiden eine Familie bieten zu können, in der sie sich gut entwickeln können.

Ein schlimmer Traum 14. Januar 2011

Posted by lehrergehrke in Die Zeit danach.
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Unser Unterbewusstsein verarbeitet, was wir erlebt haben, unsere Wünsche und Ängste. Manchmal können es Alpträume sein.

Wie immer gehe ich morgens in Jeannetts Zimmer, um sie zu wecken. Schweißgebadet und völlig verstört setzt sie sich auf und fällt mir in die Arme.

“Ich habe einen so schlimmen Traum gehabt”, sagt sie leise. Ich habe geträumt, dass wir alle in der Küche standen. Papa war auch dabei. Dann hat sie ein Messer gezogen und dich umgebracht und dann Ruth.”

Sie hält mich umklammert. Sie beschwört mich.

“Versprich mir, dass ihr euch vorseht. Seht euch immer genau um, wer hinter euch steht. Ihr müsst immer ganz genau beobachten, wer in eurer Nähe ist. Versprich es mir.”

Es gelingt mir, Jeannett zu beruhigen. Sie schafft es, sich für die Schule fertig zu machen. Aber um zehn Uhr kommt ihr Anruf.

“Papa, hol mich ab. Ich kann mich nicht auf die Schule konzentrieren, immer muss ich an diesen Traum denken.”

Was hat das zu bedeuten? Ich vermute, dass sich Jeannett mit ihrer Herkunft auseinander setzt. Natürlich würde uns ihre Mutter nie etwas antun. Aber Jeannetts Erfahrungen und traumatischen Erlebnisse mischen sich mit der Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit. Sie befürchtet, dass, wenn wir nicht mehr da wären, ihr der Schutz verloren ginge, den sie jetzt bei uns genießt. Diese Angst vor der Ungewissheit ist ganz normal. Wir sind verpflichtet, sie ihr zu nehmen.

Zerrissen 3. November 2010

Posted by lehrergehrke in Die Wende.
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Traumatisierte Pflegekinder haben ein schweres Schicksal. Sie kommen  aus einer zurrütteten Familie, landen in einem Heim und dann in einer Pflegefamilie. Sie leben in vielen Welten und versuchen sich zu orientieren. Sie meinen, sie wissen genau, was für sie gut ist. Dies ist ein Gedicht über ihr zerrissenes Inneres.

Zerrissen

Mein Leben

Zwei Welten oder drei oder vier

Die alte Welt

Lange her

Die Zwischenwelt

Die neue Welt

Die kommende Welt

Früher habe ich gelitten

Sie hätten mich lieben sollen

Für mich sorgen

Sie konnten es nicht

Doch von ihnen stamme ich her

Es ist offenbar: Sie gehören zu mir

Gern erinnere ich mich an schöne Stunden

Stunden so selten sie warn

Manchmal so deutlich, manchmal im Nebel

kann ich sie ganz deutlich spürn

Spüre die Verletzungen und könnte schrein

Ganz tief in meinem Innern schließe ich sie ein

Niemand soll sie kennen außer mir

Niemals solln sie existiern

Jahre habe ich dort verbracht

Schutz bot das Haus

Fremde sind besser

Manchmal

Allein bin ich für mich

Ich weiß was gut ist für mich

Vertraue niemand

Ich für mich allein

Mit Wünschen

Mit Ängsten

Mit meiner Vergangenheit

Verfolgt mich manchmal bis in den Traum

Was ist Wahrheit und was ist Lüge?

Es ist egal, ich weiß es nicht

Alle sind hier so wie ich

Ich liebe keinen und niemand liebt mich

Tief vergraben ist mein Schmerz

Neu ist die Welt

Neu sind die Menschen

Sie sollen mir helfen

Sie wissen alles

Viel machen sie gut

Die anderen Welten

Sie kennen sie nicht

Es ängstigt mich

Ich kann es nicht glauben

Wie viel halten sie aus

von meiner Qual?

Wie lange werden sie mich behalten wollen?

Sie sind mir so nah und doch so fremd

Ich liebe, ich hasse, ich liebe, ich hasse

So völlig anders als alles bisher

Es tut mir so gut, ich kann es nicht glauben

Ist es real? Geht es kaputt?

Der Übergang zwischen Gestern und Morgen

Ich bestimme darüber und niemand sonst.

Ich weiß wo ich bin und wohin ich gehe

Es wird mir gelingen, ich weiß es genau

Niemand wird mich hindern zu tun was ich denke

Was wird es sein, wer weiß es schon?

Meine Welt will ich gestalten und schalten und walten

Bestimmen wird sein die reine Lust

Meine Welt wird sein was ich habe

Zweifel und Ängste weit, weit weg

Wer weiß wie es kommt

Was wird mich erwarten?

Es wird schon gut gehn, ich weiß es genau.

Hier wächst Trauma 28. September 2010

Posted by lehrergehrke in Die Zeit danach.
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Es ist unser erster Urlaubstag. Auf unserem Weg in die Bretagne ist eine Kleinstadt in Frankreich unsere erste Etappe. Yutz heißt dsa Städtchen, in dem unser preiswertes Hotel liegt, inmitten eines Stadtteils, der offensichtlich von Einwanderern am Rad der Gesellschaft bewohnt wird. Plattenbauten, triste Atmosphäre, am Rande der Autobahn nach Metz. Vergessen, schmutzig, arm. Es drängt sich mir die Vorstellung auf, was aus unseren Pflegekindern geworden wäre, wären sie hier aufgewachsen. Die Atmosphäre inspiriert mich zu einem Gedicht.

Die Banlieue

Hier bin ich geboren

Hier ist mein Dorf

Es ist alles was ich habe

Es ist alles was ich kenne

Meine kleine Welt

Alles was existiert auf Erden

Hier gehör ich dazu


Meine Gang ist meine Heimat

Die Straßen sind mein Feld

Wir bestimmen über alles

Alles was hier passiert.

Geh uns besser aus dem Weg

Denn hier gelten nur wir

Wir beherrschen die Plattenbauten

Der Platz ist viel zu eng

Ich weiß was es heißt

zu siegen oder zu verliern

Mach mich nicht an!

Was ich will, passiert.


Was soll ich draußen in der Stadt?

Was interessiert mich dieses Land?

Alles was ich hab ist hier

Mach mir keine Angst!

Wir sprechen unsere Sprache

Hier sind wir zuhaus

Was gelten wir schon draußen?

Was solln wir in der Fremde?

Einsam und allein?

Draußen bei den Lichtern

Draußen in der Dunkelheit

Alles geschieht hier

Im Geruch des Mülls

Auf den schmutzigen Straßen

Vor den Toren der Stadt

Manchmal mitten drin

Hier ist unsere Heimat!


Meine Eltern erzählen mir manchmal

von einem fremden Land unserer Religion

und wie sie kamen in die Banlieue

Sie hofften auf ein besseres Leben

Nichts wissen sie von denen da draußen

Sie wollen uns nicht

Aber Verachtung dulden wir nicht

Wir hassen sie, sie hassen uns

Unsere Heimat ist hier

Yutz, Paris, Marseille, Neukölln

Unsere Namen sind gleich

Unser Schicksal dasselbe

Wo immer wir wohnen auf der Welt.

Hilfeplanung für Susann 17. Juni 2010

Posted by lehrergehrke in Die Zeit danach.
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Heute ist ein wichtiger Tag für Susann und uns alle. Es ist das erste Hilfeplangespräch nach Susanns Umzug. Eine gespannte Atmosphäre herrscht vor. Susann trifft ihren leiblichen Vater das erste Mal seit Jahren wieder. Wir wissen, dass wir Einfluss verloren haben, aber wir möchten uns so gerne einbringen. Wir wissen: Niemand interessiert sich für unseren Abschlussbericht oder unsere Erfahrungen.

Alle sitzen um einen Tisch. Susann zwischen Ruth und mir und ihrer Bezugserzieherin au der einen Seite, Frau Schwerdtfeger, Frau Gerster, die Mitarbeiterin des Jugendamtes, zuständig für den leiblichen Vater und der leibliche Vater von Susann auf der anderen Seite. Frau Schwerdtfeger ist die Leiterin des Gespräches und nach § 35a SGB VII (von seelischer Behinderung bedrohte Kinder) verantwortlich für Susann. Frau Gerster war bisher für Susann zuständig und ist die Sachbearbeiterin für Jeannett.

Mein Vorschlag, Susann doch mindestens für Teile des Gespräches die Teilnahme zu ersparen, wird übergangen. Dabei muss es für Susann eine unkalkulierbare, Angst besetzte, nicht beeinflussbare Situation bedeuten: Sie steht im Fokus des Gespräches, zwischen ihren ehemaligen Pflegeeltern, ihrer Bezugserzieherin und ihrem leiblichen Vater, der zugleich die traumatisierende Person ist. Schlimmer kann es nicht kommen. Aber wir scheinen die einzigen zu sein, die das so sehen.

Susann sitzt mit gesenktem Kopf da, blickt nur Ruth und mir ab und zu verstohlen in die Augen, als wollte sie uns anflehen: “So helft mir doch!” Wenn sie wüsste, wie wenig wir das noch können!

Frau Schwerdtfeger beginnt die Runde. Sie spricht Susann an und schießt Fragen auf Susann ab.

“Wie geht es Dir in der Wohngruppe?”

“Möchtest Du dort bleiben?”

“Wie bist Du in der Schule?”

Susann reagiert einsilbig, noch immer mit gesenktem Kopf. Ja, nein, ganz gut.

Die Bezugserzieherin übernimmt. Susann habe sich gut eingelebt, sie sei gut in der Schule und fühle sich wohl.

Da geschieht es. Ruth und ich sehen uns an. Susann beginnt schneller zu atmen, sie keucht, bekommt keine Luft mehr. Es ist ganz klar ein asthmatischer Anfall. Die Anwesenden sind irritiert, wissen nicht, was los ist.

Frau Schwerdtfeger läuft rot an.

“Schnell, hat nicht jemand ein Notfallspray bei?”

“Wir haben nicht mehr mit einem Asthmaanfall gerechnet, deshalb haben wir kein Notfallspray besorgt und das alte war abgelaufen. Das konnten wir ja nicht wissen.”

Wie naiv. Zum Glück hat Ruth ihr Notfallspray dabei. Wir verabreichen Susann zwei Hübe. Zum Glück bin ich mit Susann oft genug und regelmäßig zum Lungenfunktionstest und zu den Asthmaseminaren gegangen. Automatisch setzt sie sich in den Kutschersitz und atmet ruhig ein und aus. Dann verlässt sie den Raum. Ich folge ihr.

“Geh ruhig wieder rein”, flüstert sie mir draußen zu. “Es ist nur wegen meinem Vater. Ich habe ihn so lange nicht gesehen.”

Als ich den Raum betrete, herrscht stille Betroffenheit.

“Geht es ihr wieder gut?”, erkundigt sich Frau Schwerdtfeger.

“Von gut kann wohl keine Rede sein”, gebe ich zurück, “aber sie ist nicht in Gefahr. Sie braucht jetzt etwas Ruhe.”

Ich wende mich an die Bezugserzieherin.

“Wir haben doch besprochen, dass Susann asthmatisch ist. Haben Sie sie denn einem Lungenfacharzt vorgestellt?”

Sie schaut peinlich berührt, irgendwie ertappt.

“Wir haben das vor, aber es ist so schwer, einen Termin zu bekommen”, erwidert sie.

Ihr gesundheitlicher Zustand sei bisher gut gewesen, es gab keinen Anlass, einen Arzt zu konsultieren. Aber man werde das nachholen.

Im weiteren Gesprächsverlauf stellt sich heraus, dass Susann keinen Förderunterricht mehr an der neuen Schule bekommt. Sie sei durchaus leistungsfähig.

Auf unsere Nachfrage, ob sie denn auf das Hilfeplangespräch angemessen vorbereitet worden sei, wird auf die Verhaltenstherapie durch die innenwohnende Therapeutin verwiesen. Man könne uns keine Details mitteilen, denn das unterliege der ärztliche Schweigepflicht.

Just in diesem Moment geht die Tür auf und Susann erscheint und setzt sich wieder auf ihren Platz, ohne jemanden anzuschauen.

Jetzt will ich es wissen.

“Susann, wie geht es eigentlich mit Deiner Therapie?”, will ich wissen.

Betreten schaut sie vor sich auf den Tisch.

“Einmal war ich schon da, aber ich habe es immer vergessen.”

Einmal in Wochen. So viel für die Vorbereitung der Wiederbegegnung mit ihrem leiblichen Vater. Der sitzt in seinen Stuhl geflezt irgendwie teilnahmslos da.

Ruth ergreift die Initiative.

“Was machst du eigentlich nach der Schule so den ganzen Tag lang?”

“Abhängen, mit Jungs?”

“Und was ist mit der Freiwilligen Feuerwehr? Du warst doch bei uns dabei und hast kein Treffen ausgelassen. Gibt es sowas nicht auch bei euch?”

Die Bezugserzieherin schaltet sich ein.

“Wir haben bisher noch keine Freizeitaktivitäten ins Auge gefasst.”

Frau Schwerdtfeger übernimmt jetzt die Initiative.

“Susann, gibt es irgend etwas, was du dir besonders wünschst?

“Ich würde Jeannett gern zu ihrem Geburtstag besuchen und ich möchte gern, dass ihr mich besucht.”

“Das solltest du aber zuerst mit Jeannett besprechen”, wendet Ruth ein. “Sie hat ihren Geburtstag nämlich schon mit ihren Freundinnen verplant.”

Tatsächlich scheint Jeannett keine Ambitionen zu haben, Susann an ihrem Geburtstag zu empfangen. Zu unterschiedlich sind die Welten, in denen sie jetzt leben.

“Vielleicht könnte man einen späteren Besuchstermin ins Auge fassen, um den Geburtstag nachzufeiern”, wendet Frau Schwerdtfeger ein. Wir würden eine Besuchsfrequenz von vier Wochen befürworten, auch mit Übernachtungen.”

Wir machen deutlich, dass wir so häufige Besuchskontakte nicht befürworten würden. Wie die Lage im Moment ist, würde Jeannett kaum einen Besuch unbeschadet überstehen. An Übernachtungen ist überhaupt nicht zu denken, solange die Trennung von uns mit Susann nicht aufgearbeitet ist. Wir einigen uns auf alle sechs Wochen höchstens.

Zum Schluss bietet Frau Schwerdtfeger dem Kindesvater an, dass Besuche bei Susann in regelmäßigen Abständen stattfinden könnten, ja, sie drängt ihm diese Möglichkeit förmlich auf. Die Reaktion ist unbeteiligt:

“Ja, kann man ja machen.”

Fazit:

Niemand hat auf uns gehört. Unsere Erfahrungen zählen nichts. Man gefällt sich darin, das Rad neu zu erfinden. Zeitweise kommen wir uns wie Störenfriede vor. Aber wir konnten auch die Hilflosigkeit dieser “Helfer” erfahren, wenn es ernst wird. Sie kennen Susann nicht entfernt so gut wie wir. Das ist eigentlich logisch, aber es werden daraus keine Konsequenzen gezogen.

Wozu bin ich mit Susann zum Schulpsychologen gegangen, habe Gutachten erstellen lassen, sie in der Schule fördern lassen, wenn sie nicht weiter gefördert wird? Wozu die regelmäßigen Lungenfunktionstests, die Asthmaseminare, wenn das nicht fortgesetzt wird?

Wir müssen erkennen: Es war ein Trugschluss, anzunehmen, dass Susann besser bei Fachleuten aufgehoben wäre. Wir haben so gut wie keinen Einfluss mehr. Wenn wir noch Einfluss nehmen können, dann indem wir wenigstens Jeannett schützen und ihre Interessen vertreten. Die Möglichkeit, auch die Interessen von Susann zu vertreten, geht inzwischen gegen null. Wir werden uns darauf einzurichten haben.

Im Winde verweht 1. März 2010

Posted by lehrergehrke in Die Wende.
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Für Susann

Wir haben es gewagt

Du, deine Schwester und wir

Großes hatten wir vor

Alle haben uns bewundert

Alle haben dich geliebt

Es hätte so schön sein können

Eine Familie, alles im Glück

Es ging nicht. Es hat nicht sollen sein.

Wie tanztet ihr auf der Terrasse im Sonnenschein

Fröhlich waren sie, die ersten Tage

Wie oft habe ich gesungen, bis ihr schlieft

Die Angst verscheucht

Vor dem, was du erlebtest

Schlimmes, Grausames

Es hat dich geprägt

Immer war es da

Alles ist

Im Winde verweht

Kannst du es noch hören,

Das Rauschen des Meers

Die Sonne, wie sie brannte

Oben im Norden, wo ihr nie wart zuvor

Das Zelt am Strand

Verweht im Wind der Zeit

Weißt du noch

Wie es war, auf dem Gletscher

Die Berge zu sehen war euer Wunsch

Das Hexenwasser auf der Alm

Die Sonne, hinter den Bergen versinkend

Der Wind der Zeit hat es uns genommen

Die Burg die sie bauen

Weit weg im französischen Land

Der Fluss und die gewaltigen Kirchen

Bistros und Cafes

Die steinernen Häuser im Westen am Ende der Welt

Keltische Tänze und Fischerfeste

Brausende Wogen

Erinnerst du dich?

Oder ist es im Dunkeln

Vom Winde verweht?

Kennst du sie noch, die weißen Felsen

Erst weit weg und dann so nah

Eine andere Sprache, eine andere Welt

Lebende Museen, und wieder das Meer

Auf dem Meridian standst du über der Stadt

Unter dem Observatorium

Weißt du noch?

Alles weg mit dem Wind?

Die schwarze Vergangenheit

Sie holte dich ein

Du wusstest nicht mehr, was ist heute

Was ist vergangen

Wo lauern die Leiden, die dich verfolgen

Kannst sie spüren als wäre es jetzt

Die Angst überkommt dich

Die Menschen von damals sind wieder da

Der Hunger, die Pein

Alleinsein

Du musst dich wehren

Weißt du

Es sind nicht die von damals

Du glaubst, du hast es nicht verdient

So viel Gutes kann nicht sein

Die dunklen Tage

Nie verweht im Wind

Immer hier und jetzt

Französisch möchtest du lernen

Es gibt kein schöneres Land, so sagst du

Ein Stück Vergangenheit das du liebst

Du kannst es nicht leugnen

Es verweht nicht im Wind

Die, die für dich jetzt entscheiden

Sie kennen dich nicht

Sie wissen nichts von alledem und von dir

Du weißt es genau

Sie wollen dass du zurückkehrst in die alten Tage

Sie kennen nur sich selbst

Was sie tun, halten sie für richtig

Nichts wissen sie

Tapfer versuchst du dich anzupassen

Verleugnest all die schöne Zeit

Und sei ich der einzige

Ich kann dich verstehn

Ich wünsche dir Wind

Der durch deine Haare streicht

So wie du es so gerne magst

Er säuselt dir zu

Vergiss nie wer du bist

Finde den Weg

Suche dir Menschen, die dir helfen

Sei wie der Wind

Beständig weht er weiter

Er weht nie zurück

Zurück in die dunkle Zeit.

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